TV-Debatten in Miami: Republikaner verzichten auf persönliche Angriffe - Clinton und Sanders auf Konfrontationskurs
Angriffslustige Demokraten streiten über Finanzhilfen und Einwanderungspolitik
Hillary Clinton und Bernie Sanders waren sich einig, als es darum ging, Donald Trump zu kritisieren. Clinton sagte in Anlehnung an Trumps Wahlkampfslogan "Make America Great Again", dass man Amerika nicht großartig mache, indem man alles über Bord werfe, was das Land so großartig gemacht habe. Auch Sanders griff Trump an und bezweifelte, dass die Amerikaner jemanden zum Präsidenten wählen würden, der Afroamerikaner, Muslime und Frauen beleidige.
Mit der gemeinsamen Kritik am republikanischen Spitzenkandidaten, war dann aber auch schon ein Großteil der Einigkeit zwischen den beiden Kandidaten der Demokraten aufgebraucht. Sanders zeigte sich äußerst angriffslustig, aber auch Clinton hatte wieder die ein oder andere Attacke auf Lager.
Die Demokratin wiederholte ihre Kritik, dass Bernie Sanders 2008/2009 gegen finanzielle Hilfen für die Automobilbranche votiert hatte. Damit hätte er zahlreiche Arbeitsplätze in diesem Bereich gefährdet. Schon in der vorigen Debatte in Flint, Michigan hatte Clinton diesen Vorwurf in Richtung des Senators erhoben. Michigan gilt als das Herzstück der amerikanischen Automobilindustrie. Die Vorwahlstaaten Ohio und Illinois gehören ebenfalls dem industriell geprägten Mittleren Westen der USA an, in dem traditionell viele Arbeiter im industriellen Sektor tätig sind. Bernie Sanders erwiderte, dass es damals bei seiner Ablehnung um die Hilfen für die Wall Street ginge und verknüpfte seine Antwort abermals mit seiner Kritik an Clinton, sie sei viel zu eng mit Vertretern der Wall Street verbunden und sollte die Listen über Redehonorare veröffentlichen. Während Clinton bezahlte Vorträge vor Vertretern der Wall Street hielt, sei er von jenen Leuten als gefährlich bezeichnet worden. "Und ja, ich bin gefährlich für die" sagte Sanders.
Insofern habe er gegen die Hilfen für die Wall Street votiert. Clinton gestand ihm dieses Recht zu, resümierte aber auch, dass man auch mal Kompromisse eingehen müsse, um etwas Gutes zu erreichen. In diesem Fall stand die Rettung der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie für sie im Vordergrund.
Einige Differenzen zwischen Clinton und Sanders offenbarten sich auch auf dem Gebiet der Einwanderungspolitik. Clinton kritisierte Sanders für dessen Ablehnung einer umfassenden Einwanderungsreform während der Regierung George W. Bushs. Sanders sagte, dass er der Reform grundsätzlich positiv gegenüber gestanden habe. Der Grund der Ablehnung seien aber die Bestimmungen für Gastarbeiter gewesen. Er befürchtete, dass es zu einer abwärts gerichteten Lohnspirale für amerikanische Arbeiter kommen würde. Einig waren sich Clinton und Sanders bei der Antwort auf die Frage, ob sie die Abschiebung von illegalen Einwanderern befürworteten. Beide lehnten dies entschieden ab und forderten eine Perspektive für die rund 11 Mio Menschen in den USA. Bernie Sanders kritisierte aber auch die Abschiebepraxis der Obama-Administration und ging dabei auch etwas auf Distanz zu Clinton.
Leicht genervt reagierte Clinton auf Fragen zur E-Mail-Affäre. Ob sie ihre Kandidatur niederlegen würde, sollte sie angeklagt werden, wollte der Moderator wissen. "Meine Güte, das wird nicht passieren," sagte Clinton und ergänzte, dass sie die Frage nicht beantworten werde.
Weitere bereits bekannte Streitthemen waren die unterschiedlichen Positionen zur Gesundheitspolitik, dem Irak-Krieg und kostenlosen Zugang zu staatlichen Universitäten.
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