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US-Senatswahl 2026
Prognose und Mehrheitsrechner
Welche Senatsrennen entscheiden die Mehrheit bei den Midterms 2026? Die US-Wahl.de-Prognose zeigt die Ausgangslage im US-Senat, die besonders umkämpften Sitze und welche Wege Demokraten und Republikaner zur Mehrheit von 51 Sitzen führen.
Von der Ausgangslage zur Prognose
Schritt für Schritt wird sichtbar, welche Senatsrennen 2026 für die Mehrheitsverhältnisse entscheidend werden.
Demokraten / Unabhängige
Republikaner
AusgangslageAktueller Senat
–
–
Wahl 202635 Sitze werden neu gewählt
–
–
–
Prognose Teil 1Als sicher geltende Sitze werden eingerechnet
–
–
–
Prognose Teil 2Tendenzen werden eingerechnet
–
–
–
–
–
Mehrheit im Senat51 von 100 Sitzen
Mehrheitsoption Republikaner bei 50:50-Patt Mehr dazu50 Sitze + Vizepräsident
Mehrheitsrechner
Demokraten–
Noch offen–
Republikaner–
Umkämpfte Senatsrennen
Senatsrennen 2026 im Überblick
Senatsrennen, die nach Einrechnung der sicheren Sitze verbleiben.
Was unterscheidet den US-Senat vom Repräsentantenhaus? Der US-Kongress besteht aus zwei Kammern, die gemeinsam Gesetze beschließen, sich aber bei Wahl, Zusammensetzung und besonderen Befugnissen deutlich unterscheiden. Im Senat sind die Bundesstaaten gleichberechtigt vertreten: Jeder Staat stellt unabhängig von seiner Bevölkerungszahl zwei Senatoren. Hinzu kommen besondere Aufgaben, die ausschließlich oder vor allem dem Senat zukommen.
Der SenatKammer der Bundesstaaten im US-Kongress
100Sitze
2je Bundesstaat
6Jahre Amtszeit
≈ ⅓alle 2 Jahre zur Wahl
Zweikammersystem
Der Kongress auf einen Blick
Senat und Repräsentantenhaus bilden gemeinsam die Legislative der Vereinigten Staaten. Ein Bundesgesetz benötigt grundsätzlich die Zustimmung beider Kammern zum gleichen Wortlaut.
VertretungsprinzipZwei Sitze je BundesstaatSitze nach Bevölkerungszahl, gewählt in Congressional Districts
Amtszeit6 Jahre2 Jahre
WahlrhythmusAlle 2 Jahre ungefähr ein Drittel der SitzeAlle 2 Jahre alle 435 Sitze
Reguläre Mehrheit51 Sitze; bei 50:50 kann der Vizepräsident entscheiden218 Sitze
Besondere KompetenzenBestätigungen, Verträge, Impeachment-Verfahren als GerichtRevenue Bills müssen hier beginnen; Einleitung von Impeachments
Wahlsystem
So wird der Senat gewählt
Anders als beim Repräsentantenhaus gibt es für Senatswahlen keine Congressional Districts. Jeder zur Wahl stehende Sitz wird im gesamten Bundesstaat vergeben.
1
Bundesstaatenweite Direktwahl
Seit dem 17. Verfassungszusatz werden Senatoren direkt von den Wählerinnen und Wählern ihres Bundesstaats gewählt. Die konkrete Wahlregel – etwa ob eine Stichwahl möglich ist – richtet sich nach dem jeweiligen Bundesstaat.
2
Drei Klassen
Die 100 Sitze sind in drei Klassen aufgeteilt. Dadurch wird alle zwei Jahre nur ungefähr ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Kammer wird also niemals regulär vollständig neu gewählt.
3
Sechs Jahre Amtszeit
Die längere Amtszeit soll Kontinuität schaffen. Für eine Senatsmehrheit ist deshalb nicht nur die politische Stimmung wichtig, sondern auch, welche Sitze im jeweiligen Wahljahr überhaupt zur Wahl stehen.
Voraussetzungen für Kandidierende
30 JahreMindestalter
9 Jahremindestens US-Staatsbürger
Wohnsitzim vertretenen Bundesstaat zum Zeitpunkt der Wahl
119. Kongress · Stand –
Aktuelle Führung des US-Senats
Die aktuellen Mehrheitsverhältnisse werden geladen. Neben den Fraktionsführungen gibt es zwei verfassungsrechtlich vorgesehene Vorsitzfunktionen: den Vizepräsidenten als Präsidenten des Senats und den President pro tempore.
– Republikaner– Demokraten– Unabhängige
Präsident des Senats
–
––
Verfassungsmäßiger Präsident des Senats. Stimmt grundsätzlich nur bei einem Gleichstand mit ab und kann dann die entscheidende Stimme abgeben.
President pro tempore
–
––
Vertritt den Vizepräsidenten als Vorsitzenden des Senats. Das Amt wird traditionell vom dienstältesten Senator der Mehrheitspartei ausgeübt.
Mehrheitsführer
–
––
Führt die Mehrheitsfraktion und prägt gemeinsam mit ihr die Tagesordnung und den Ablauf der Senatsarbeit.
Majority Whip
–
––
Unterstützt den Mehrheitsführer, organisiert Mehrheiten und behält bei wichtigen Abstimmungen die Stimmenlage innerhalb der Fraktion im Blick.
Minderheitsführer
–
––
Führt die Minderheitsfraktion, koordiniert ihre politische Strategie und vertritt sie in den Verhandlungen mit der Mehrheit.
Democratic Whip
–
––
Unterstützt die Minderheitsführung und koordiniert die Stimmen innerhalb der Fraktion.
Verfassungsrolle
Die wichtigsten Aufgaben des Senats
Neben der normalen Gesetzgebung besitzt der Senat mehrere Befugnisse, die das Repräsentantenhaus nicht hat.
Gesetzgebung
Der Senat berät und beschließt Bundesgesetze. Damit ein Gesetz zum Präsidenten gelangt, müssen Senat und Repräsentantenhaus grundsätzlich denselben Text verabschieden.
„Advice and Consent“
Viele wichtige Ernennungen des Präsidenten benötigen die Zustimmung des Senats – darunter Kabinettsmitglieder, Botschafter und Bundesrichter bis hin zum Supreme Court.
Internationale Verträge
Bei Verträgen besitzt der Senat eine besondere außenpolitische Rolle. Für die Zustimmung zu einer Ratifikation ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Senatoren erforderlich.
Impeachment
Das Repräsentantenhaus erhebt die Anklage. Der Senat führt anschließend das Verfahren durch. Für eine Verurteilung und Amtsenthebung ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Senatoren erforderlich.
Kontrolle & Untersuchungen
Ausschüsse überwachen Bundesbehörden, führen Anhörungen und Untersuchungen durch und prüfen, wie Gesetze und öffentliche Mittel von der Exekutive umgesetzt werden.
Electoral College: Wahl des Vizepräsidenten
Erreicht kein Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Electoral Votes, wählt der Senat aus den beiden stimmenstärksten Kandidaten. Jeder Senator hat eine Stimme; erforderlich ist eine Mehrheit des gesamten Senats. Den Präsidenten wählt in diesem Sonderfall dagegen das Repräsentantenhaus.
Gesetzgebungsverfahren
Wie Repräsentantenhaus und Senat zu einem gemeinsamen Gesetz kommen
Beide Kammern können viele Gesetzesvorlagen auf den Weg bringen. Revenue Bills müssen jedoch im Repräsentantenhaus beginnen; der Senat kann sie anschließend ändern.
1EinbringungEine Vorlage wird in einer der beiden Kammern eingebracht.
→
2AusschussFachausschüsse prüfen, beraten und verändern den Entwurf.
→
3Erste KammerRepräsentantenhaus oder Senat stimmt über die Vorlage ab.
→
4Zweite KammerAuch die andere Kammer berät und beschließt ihre Fassung.
→
5Gleicher WortlautUnterschiede müssen beseitigt werden, bevor beide Kammern endgültig zustimmen.
→
6PräsidentDanach folgt Unterschrift oder Veto. Ein Veto kann mit Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern überstimmt werden.
↔
Wenn Repräsentantenhaus und Senat unterschiedliche Fassungen beschließen
Das Conference Committee
Ein Conference Committee ist ein zeitlich begrenzter gemeinsamer Vermittlungsausschuss aus Mitgliedern beider Kammern. Er kann eingesetzt werden, um Unterschiede zwischen einer vom Repräsentantenhaus und einer vom Senat verabschiedeten Fassung auszugleichen – besonders bei umfangreichen oder umstrittenen Vorlagen. Das Ergebnis ist ein Conference Report. Dieser Kompromisstext muss anschließend vom Repräsentantenhaus und vom Senat angenommen werden. Ein Conference Committee ist dabei ein mögliches, aber nicht zwingendes Verfahren; Differenzen können auch auf anderem parlamentarischem Weg bereinigt werden.
Kongress & Präsident
State of the Union und das Verhältnis zur Exekutive
Der Präsident ist kein Mitglied des Kongresses und nimmt nicht an dessen gewöhnlicher parlamentarischer Arbeit teil. Dennoch treffen Legislative und Exekutive an wichtigen Stellen unmittelbar aufeinander.
Gemeinsame Sitzung beider Kammern
State of the Union
Die Verfassung verpflichtet den Präsidenten, den Kongress „von Zeit zu Zeit“ über die Lage der Nation zu informieren. Heute geschieht dies üblicherweise einmal jährlich in einer Ansprache vor einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus im Plenarsaal des Repräsentantenhauses. Dabei skizziert der Präsident politische Prioritäten und fordert den Kongress häufig zu konkreten Gesetzesvorhaben auf.
Checks and Balances
Unterschrift und Veto
Nach Zustimmung beider Kammern gelangt ein Gesetz grundsätzlich zum Präsidenten. Unterzeichnet er es, wird es Gesetz. Legt er sein Veto ein, können Repräsentantenhaus und Senat dieses mit jeweils einer Zweidrittelmehrheit überstimmen.
Wichtig zum Verständnis
Drei Besonderheiten des Senats
Diese Punkte erklären, warum eine rechnerische Mehrheit im Senat nicht automatisch bedeutet, dass jede politische Entscheidung mit 51 Stimmen getroffen werden kann.
60
Filibuster & Cloture
Filibuster: Eine Minderheit kann verhindern, dass die Debatte endet – und damit eine Schlussabstimmung blockieren. Cloture: So heißt der formale Beschluss, diese Debatte zu beenden. Bei normaler Gesetzgebung sind dafür in der Regel 60 Stimmen nötig. Deshalb reicht eine knappe Mehrheit im Senat oft nicht aus, um große Vorhaben allein durchzubringen. Für viele Nominierungen gelten heute andere Regeln; dort genügt meist eine einfache Mehrheit.
⌂
Ausschüsse
Ein großer Teil der eigentlichen Arbeit findet in den Ausschüssen statt. Dort werden Gesetzesvorlagen vorbereitet, Anhörungen durchgeführt, Regierungsarbeit kontrolliert und viele Nominierungen zunächst geprüft.
50:50
Der Vizepräsident als Tie-Breaker
Der Vizepräsident gehört nicht zu den 100 Senatoren, ist aber Präsident des Senats. Bei Stimmengleichheit kann er eine entscheidende Stimme abgeben. Deshalb kann selbst ein 50:50-Senat politisch eine Mehrheitsseite haben.
Midterms 2026
Warum die Senatswahl für die politische Macht in Washington entscheidend ist
Weil nur ein Teil der Sitze neu gewählt wird und der Senat zugleich Gesetzgebung, Ernennungen und Kontrolle der Exekutive prägt, kann bereits eine kleine Zahl umkämpfter Rennen weitreichende Folgen haben. Welche Sitze 2026 tatsächlich entscheidend sind, zeigt die aktuelle US-Wahl.de-Prognose.
Was unterscheidet das US-Repräsentantenhaus vom Senat? Der US-Kongress besteht aus zwei Kammern, die gemeinsam Gesetze beschließen, sich aber bei Wahl, Zusammensetzung und besonderen Befugnissen deutlich unterscheiden. Im Repräsentantenhaus richtet sich die Zahl der Sitze eines Bundesstaates nach seiner Bevölkerungszahl. Die 435 stimmberechtigten Abgeordneten vertreten einzelne Congressional Districts und stellen sich alle zwei Jahre vollständig zur Wahl.
Das RepräsentantenhausKammer der Congressional Districts im US-Kongress
435Sitze
1Sitz je District
2Jahre Amtszeit
435alle 2 Jahre zur Wahl
Zweikammersystem
Der Kongress auf einen Blick
Repräsentantenhaus und Senat bilden gemeinsam die Legislative der Vereinigten Staaten. Ein Bundesgesetz benötigt grundsätzlich die Zustimmung beider Kammern zum gleichen Wortlaut.
VertretungsprinzipSitze nach Bevölkerungszahl, gewählt in Congressional DistrictsZwei Sitze je Bundesstaat
Amtszeit2 Jahre6 Jahre
WahlrhythmusAlle 2 Jahre alle 435 SitzeAlle 2 Jahre ungefähr ein Drittel der Sitze
Sitzmehrheit218 von 435 Sitzen51 Sitze; bei 50:50 kann der Vizepräsident entscheiden
Besondere KompetenzenRevenue Bills beginnen hier; Einleitung von Impeachments; Präsidentenwahl im SonderfallBestätigungen, Verträge, Impeachment-Verfahren als Gericht
Wahlsystem
So wird das Repräsentantenhaus gewählt
Die Wahl zum Repräsentantenhaus findet nicht bundesstaatenweit statt. Entscheidend sind die einzelnen Congressional Districts, aus denen jeweils genau ein Mitglied hervorgeht.
1
Wahl im Congressional District
Jeder Congressional District vergibt genau einen Sitz. Gewählt wird durch die Wahlberechtigten dieses Districts. Bundesstaaten mit nur einem Sitz bilden einen einzigen bundesstaatenweiten At-Large-District; die konkreten Wahlregeln können sich zwischen den Bundesstaaten unterscheiden.
2
Alle 435 Sitze alle zwei Jahre
Anders als im Senat steht bei jeder regulären Kongresswahl das gesamte Repräsentantenhaus zur Wahl. Dadurch kann sich die politische Mehrheit innerhalb eines einzigen Wahlzyklus vollständig verändern.
3
Apportionment & Redistricting
Nach jeder zehnjährlichen Volkszählung werden die 435 Sitze anhand der Bevölkerungszahlen neu auf die Bundesstaaten verteilt. Staaten mit mehreren Sitzen ziehen anschließend ihre Congressional Districts neu oder passen deren Grenzen an.
Voraussetzungen für Kandidierende
25 JahreMindestalter
7 Jahremindestens US-Staatsbürger
Wohnsitzim vertretenen Bundesstaat zum Zeitpunkt der Wahl
119. Kongress · Stand –
Aktuelle Führung des US-Repräsentantenhauses
Der Speaker ist der institutionelle Vorsitzende des Repräsentantenhauses. Daneben organisieren Majority Leader, Minority Leader und die Whips die parlamentarische Arbeit ihrer Parteien.
– Republikaner– Demokraten– Unabhängiger– vakant
Speaker of the House
–
––
Wird vom gesamten Repräsentantenhaus gewählt und verbindet institutionelle, administrative und politische Führungsaufgaben. Der Speaker leitet die Kammer und prägt maßgeblich ihre Arbeitsorganisation.
Majority Leader
–
––
Führt die Mehrheitsfraktion auf dem House Floor und wirkt zentral an der Planung der Gesetzgebungsagenda und des Sitzungsablaufs mit.
Majority Whip
–
––
Unterstützt die Mehrheitsführung, organisiert Stimmen und koordiniert die Fraktion bei wichtigen Abstimmungen.
Minority Leader
–
––
Führt die Minderheitsfraktion, vertritt sie auf dem House Floor und koordiniert ihre politische und parlamentarische Strategie.
Minority Whip
–
––
Unterstützt die Minderheitsführung und organisiert die Stimmenlage innerhalb der Fraktion vor wichtigen Entscheidungen.
Verfassungsrolle
Die wichtigsten Aufgaben des Repräsentantenhauses
Das Repräsentantenhaus wirkt an der gesamten Bundesgesetzgebung mit. Daneben besitzt es einige besondere Verfassungsbefugnisse und vertritt die Bevölkerung unmittelbar über die Congressional Districts.
Gesetzgebung
Das Repräsentantenhaus berät und beschließt Bundesgesetze. Damit ein Gesetz zum Präsidenten gelangt, müssen Repräsentantenhaus und Senat grundsätzlich denselben Text verabschieden.
Revenue Bills
Gesetzentwürfe zur Erhebung von Einnahmen müssen nach der Verfassung im Repräsentantenhaus beginnen. Der Senat kann solche Vorlagen anschließend beraten und Änderungen vorschlagen.
Impeachment
Nur das Repräsentantenhaus kann auf Bundesebene ein Impeachment einleiten und die Anklage beschließen. Wird ein Amtsträger impeached, findet das eigentliche Verfahren anschließend im Senat statt.
Kontrolle & Untersuchungen
Ausschüsse kontrollieren Bundesbehörden, führen Anhörungen und Untersuchungen durch und prüfen, wie Gesetze und öffentliche Mittel von der Exekutive umgesetzt werden.
Electoral College: Wahl des Präsidenten
Erreicht kein Präsidentschaftskandidat die erforderliche Mehrheit der Electoral Votes, wählt das Repräsentantenhaus aus den drei stimmenstärksten Kandidaten. Dabei stimmt nicht jedes Mitglied einzeln: Jede Bundesstaatsdelegation hat genau eine Stimme. Für die Wahl sind derzeit 26 Bundesstaaten erforderlich.
Vertretung der Congressional Districts
Jedes Mitglied vertritt die Bevölkerung eines bestimmten Districts. Die kurze Amtszeit von zwei Jahren und die vollständige Neuwahl sollen das Repräsentantenhaus besonders eng an die Wählerinnen und Wähler binden.
Gesetzgebungsverfahren
Wie Repräsentantenhaus und Senat zu einem gemeinsamen Gesetz kommen
Beide Kammern können viele Gesetzesvorlagen auf den Weg bringen. Revenue Bills müssen jedoch im Repräsentantenhaus beginnen; der Senat kann sie anschließend ändern.
1EinbringungEine Vorlage wird in einer der beiden Kammern eingebracht.
→
2AusschussFachausschüsse prüfen, beraten und verändern den Entwurf.
→
3Erste KammerRepräsentantenhaus oder Senat stimmt über die Vorlage ab.
→
4Zweite KammerAuch die andere Kammer berät und beschließt ihre Fassung.
→
5Gleicher WortlautUnterschiede müssen beseitigt werden, bevor beide Kammern endgültig zustimmen.
→
6PräsidentDanach folgt Unterschrift oder Veto. Ein Veto kann mit Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern überstimmt werden.
↔
Wenn Repräsentantenhaus und Senat unterschiedliche Fassungen beschließen
Das Conference Committee
Ein Conference Committee ist ein zeitlich begrenzter gemeinsamer Vermittlungsausschuss aus Mitgliedern beider Kammern. Er kann eingesetzt werden, um Unterschiede zwischen einer vom Repräsentantenhaus und einer vom Senat verabschiedeten Fassung auszugleichen. Das Ergebnis ist ein Conference Report. Dieser Kompromisstext muss anschließend von beiden Kammern angenommen werden. Ein Conference Committee ist ein mögliches, aber nicht zwingendes Verfahren.
Kongress & Präsident
State of the Union und das Verhältnis zur Exekutive
Der Präsident ist kein Mitglied des Kongresses und nimmt nicht an dessen gewöhnlicher parlamentarischer Arbeit teil. Dennoch treffen Legislative und Exekutive an wichtigen Stellen unmittelbar aufeinander.
Gemeinsame Sitzung beider Kammern
State of the Union
Die Verfassung verpflichtet den Präsidenten, den Kongress „von Zeit zu Zeit“ über die Lage der Nation zu informieren. Heute geschieht dies üblicherweise einmal jährlich in einer Ansprache vor einer gemeinsamen Sitzung von Repräsentantenhaus und Senat. Die Ansprache findet traditionell im Plenarsaal des Repräsentantenhauses statt.
Checks and Balances
Unterschrift und Veto
Nach Zustimmung beider Kammern gelangt ein Gesetz grundsätzlich zum Präsidenten. Unterzeichnet er es, wird es Gesetz. Legt er sein Veto ein, können Repräsentantenhaus und Senat dieses mit jeweils einer Zweidrittelmehrheit überstimmen.
Wichtig zum Verständnis
Vier Besonderheiten des Repräsentantenhauses
Die Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich vom Senat. Besonders wichtig sind die strafferen Debattenregeln, die Bedeutung der Wahlkreisgrenzen, zusätzliche Delegierte ohne volles Stimmrecht und der Umgang mit vakanten Sitzen.
REGEL
Debattenregeln statt Filibuster
Im Repräsentantenhaus kann die Mehrheit die Behandlung großer Gesetzesvorlagen deutlich stärker strukturieren als im Senat. Häufig legt eine vom Rules Committee vorbereitete „special rule“ fest, wie lange debattiert wird und welche Änderungsanträge zulässig sind. Eine mit dem Senats-Filibuster vergleichbare 60-Stimmen-Hürde zur Beendigung der Debatte gibt es im normalen House-Verfahren nicht.
435
Districts & Wahlkreisgrenzen
Die Mehrheit im Repräsentantenhaus entsteht aus 435 einzelnen District-Wahlen. Nach dem Census werden Sitze neu auf die Bundesstaaten verteilt und Wahlkreisgrenzen angepasst. Der Zuschnitt kann deshalb erheblichen Einfluss auf die Zahl wettbewerbsfähiger Sitze haben.
6
Delegierte ohne volles Stimmrecht
Neben den 435 stimmberechtigten Abgeordneten gehören fünf Delegierte sowie der Resident Commissioner aus Puerto Rico zum Repräsentantenhaus. Sie vertreten Washington, D.C. und US-Territorien und können unter anderem in Ausschüssen mitarbeiten und abstimmen. Wenn das Repräsentantenhaus als Plenum entscheidet, haben sie jedoch kein Stimmrecht.
WAHL
Vakante Sitze werden nachgewählt
Ein freier Sitz im Repräsentantenhaus wird nicht einfach durch eine Ernennung besetzt. Die Verfassung verlangt eine Wahl zur Nachbesetzung. Bei knappen Mehrheiten können Vakanzen deshalb vorübergehend spürbaren Einfluss auf die tatsächliche Sitzverteilung haben.
Warum die Repräsentantenhauswahl für die Macht in Washington entscheidend ist
Weil alle 435 Sitze gleichzeitig zur Wahl stehen, kann sich die Mehrheit im Repräsentantenhaus innerhalb eines einzigen Wahlabends verändern. Schon wenige umkämpfte Congressional Districts können darüber entscheiden, welche Partei Gesetzgebung, Ausschüsse und die politische Agenda der Kammer kontrolliert.
Welche Congressional Districts entscheiden die Mehrheit bei den Midterms 2026? Die US-Wahl.de-Prognose zeigt sichere Sitze, Tendenzen und offene Wahlkreise – und welche Wege Demokraten und Republikaner zur Mehrheit von 218 Sitzen im US-Repräsentantenhaus führen.
Prognose und Gesamteinschätzung
Bei 435 Sitzen liegt die Mehrheit im Repräsentantenhaus bei 218. Die US-Wahl.de-Gesamteinstufung ordnet alle Congressional Districts als sicher, mit Tendenz oder offen ein und zeigt damit den aktuellen Prognosestand für die Mehrheitsfrage.
US-Wahl.de-Gesamteinstufung: gleich gewichtete Race Ratings von Cook Political Report, Inside Elections und Sabato's Crystal Ball. Maßgeblich ist die mittlere der drei Bewertungen (Median); daraus entsteht die gemeinsame Einstufung „Sicher“, „Tendenz“ oder „Offen“.
Ausgangslage und der Weg zur Mehrheit
Ausgangspunkt ist die aktuelle Sitzverteilung im Repräsentantenhaus. Wie viele Sitze die Parteien bis zur Mehrheit benötigen, wird aus der aktuellen Sitzverteilung im Kongress berechnet. Welche Districts dafür entscheidend sind, zeigt anschließend die US-Wahl.de-Gesamteinstufung.
iNetto
Netto-Sitzgewinn
Gewonnene Sitze der anderen Partei werden mit eigenen verlorenen Sitzen verrechnet. Gewinnen die Demokraten zum Beispiel acht republikanische Sitze, verlieren aber drei eigene, beträgt ihr Nettozuwachs +5.
Demokraten aktuell–Daten werden geladen …
Mehrheit218Ziel für beide Parteien
Republikaner aktuell–Daten werden geladen …
Weitere aktuelle Sitze werden geladen …
Umkämpfte Sitze
Aufgeführt sind alle Districts, die derzeit als offen oder mit Tendenz bewertet sind sowie sichere prognostizierte Wechsel. Eine farblich hervorgehobene Änderungsmarkierung zeigt sofort, wenn sich die US-Wahl.de-Gesamteinstufung gegenüber dem vorherigen Datenstand verändert hat.
Änderungen: Markiert wird nur, wenn sich die berechnete US-Wahl.de-Kategorie gegenüber dem vorherigen Datenstand der Gesamteinstufung verändert hat. Reine Änderungen innerhalb einer Quellenskala, die die US-Wahl.de-Gesamteinstufung nicht verändern, werden nicht hervorgehoben.
US-Repräsentantenhauswahl 2026
Alle Congressional Districts im Überblick
Wie verteilen sich die 435 Wahlkreise im US-Repräsentantenhaus – und wo liegen Demokraten oder Republikaner vorn? Hier findet ihr alle Congressional Districts nach Bundesstaat mit Kartenansicht, aktuellen Sitzinhabern, Kandidaturen für 2026 und der US-Wahl.de-Gesamteinstufung.
Die Ausgangskarte zeigt alle Congressional Districts. Über den Auswahlschalter lässt sich zwischen der aktuellen US-Wahl.de-Gesamteinstufung und der heutigen tatsächlichen Sitzverteilung wechseln. In dieser ersten Ebene wird ausschließlich der Bundesstaat ausgewählt. Erst im anschließend geöffneten Kartenfenster lassen sich einzelne Districts aufrufen.
1. Bundesstaat auswählen 2. District im Kartenfenster öffnen
DemokratenRepublikanerUnabhängigVakant / nicht eindeutig
Alle 435 Congressional Districts
Die Liste lässt sich nach heutiger Parteizugehörigkeit des Sitzes, Bundesstaat und US-Wahl.de-Gesamteinstufung filtern. Prognostizierte Wechsel und Veränderungen gegenüber dem vorherigen Datenstand können zusätzlich hervorgehoben werden.
Keine Congressional Districts entsprechen diesen Filtern.
Datenlogik: Die Parteizugehörigkeit bezeichnet den heutigen Sitzinhaber. Die Kartenfarbe und die Spalte „Gesamteinstufung“ zeigen dagegen die aktuelle US-Wahl.de-Prognose für die Wahl 2026. Bei neu zugeschnittenen Districts kann es keinen eindeutig zuordenbaren heutigen Amtsinhaber geben.
DemokratenRepublikanerUnabhängigVakant / nicht eindeutig
US-Präsidentschaftswahl 2028
Prognose und interaktive Wahlkarte
Welche Bundesstaaten entscheiden die US-Präsidentschaftswahl 2028? Die interaktive Wahlkarte zeigt den aktuellen Stand der prognostizierten Verteilung im Electoral College und welche Wege Demokraten und Republikaner zu den nötigen 270 Wahlleuten führen.
Interaktive Wahlkarte
Erklärung
So funktioniert die Karte:
Ein Klick auf einen Bundesstaat verändert den Status von: offen zu Tendenz Demokraten zu Sicher Demokraten, zu Tendenz Republikaner, zu Sicher Republikaner.
Splitting the Vote:
Maine (ME) und Nebraska (NE) vergeben jeweils Electoral Votes / Wahlleute an den Gesamtsieger des jeweiligen Bundesstaats. Zusätzlich erhält der Gewinner jedes Kongresswahlkreises (Congressional District, kurz CD) eine weitere Electoral Vote. Deshalb können ihre Stimmen separat für ME-1, ME-2 sowie NE-1, NE-2 und NE-3 eingestellt werden.
Bundesstaaten anklicken, eigene Wahlszenarien durchspielen und direkt sehen, wie sich der Weg zu 270 Wahlleuten im Electoral College verändert.
Die Siegkombinationen werden automatisch anhand der offenen Bundesstaaten aus der Wahlkarte berechnet, sobald 15 oder weniger Bundesstaaten als offen markiert sind. Sobald eine Siegkombination die Schwelle von 270 erreicht, werden diesem Pfad keine weiteren Bundesstaaten mehr angehängt.
Siegkombinationen
Demokraten · 18 Kombinationen
PAWI
277
PAGA
283
GAWINV
280
15 weitere Siegkombinationen anzeigen
PAAZNV
284
Republikaner · 15 Kombinationen
PAGA
285
GAWI
276
WIAZNV
277
12 weitere Siegkombinationen anzeigen
PANVME-02
276
Mögliche Patt-Konstellationen im Electoral College
PAWI
269 : 269
GANE-02
Demokraten248 Wahlleute
Muss zwingend gewonnen werden
Pennsylvania 19Wisconsin 10
In keiner Siegkombination erforderlich
Nevada 6ME-02 1
Republikaner250 Wahlleute
Muss zwingend gewonnen werden
Georgia 16
In keiner Siegkombination erforderlich
Nevada 6NE-02 1
Aktuelle Analyse
Analysen zur Präsidentschaftswahl 2028
Die ersten Analysen zur Präsidentschaftswahl 2028 erscheinen hier mit Beginn der Vorwahlen.
US-Senatswahl 2026 · Klasse II
Umkämpfte Sitze – Umfragen & Trends
Welche Senatssitze sind bei den Midterms 2026 besonders umkämpft? Hier findet ihr aktuelle Umfragen, Kandidaten und Trends in den entscheidenden Senatsrennen der Klasse II – mit Schnellübersicht und historischer Einordnung.
Schnellübersicht
Aktueller Vorsprung in allen offenen und mit Tendenz eingestuften Senatsrennen.
Sitze im Detail
Umfragen nach Senatsrennen
★ Amtsinhaber
Weitere Senatsrennen – derzeit sicher
BundesstaatDemokratenRepublikanerStatus
–Daten werden geladen … –
Kandidaten-Steckbrief
US-Präsidentschaftswahl 2028
Swing States – Umfragen & Trends
Wie entwickeln sich die Umfragen in den entscheidenden Bundesstaaten der US-Wahl 2028? Hier findet ihr künftig aktuelle Umfragen und Trends in den wichtigsten Swing States. Die Veröffentlichung beginnt voraussichtlich nach den Vorwahlen, wenn die Kandidierenden feststehen.
Schnellübersicht
Aktueller Vorsprung in allen ausgewählten Bundesstaaten.
Nationale Umfragen – Stimmungsindikator
Kandidat D–
Kandidat R–
Durchschnitt wird berechnet …
Durchschnittsverlauf · 120 TageKandidat DKandidat R
Aktueller Durchschnitt: je Institut nur die neueste Umfrage; Umfrage nicht älter als einen Monat.
Einzelumfragen anzeigen
Bundesstaaten im Detail
Aktuelle Umfragen nach Bundesstaat
Wissenswertes · Wahlumfragen in den USA
10 Hinweise zur Einordnung von Umfragen
Wie zuverlässig sind Wahlumfragen in den USA – und wie lassen sie sich richtig einordnen? Umfragen gehören zu den wichtigsten Instrumenten, um die Stimmung in einem Wahlkampf zu erfassen. Sie können Trends sichtbar machen, Kampagnen beeinflussen und zeigen, wo ein Wahlausgang besonders eng wird. Sie sind aber keine vollständige Vorhersage des Wahlergebnisses.
Wer Umfragen sinnvoll nutzen will, sollte deshalb nicht nur auf den aktuellsten Prozentwert schauen. Entscheidend sind unter anderem die Ebene der Umfrage, die Befragtengruppe, die Methode, die Fehlerspanne und vor allem die Entwicklung über mehrere Erhebungen hinweg.
Grundregel: Je knapper ein Rennen ist, desto weniger sollte ein einzelner Umfragewert als eindeutige Führung gelesen werden. Aussagekräftiger sind Durchschnitt, Trend und die Unsicherheit der Messung.
1
Nationale Umfragen richtig einordnen
Landesweite Umfragen sind nicht bedeutungslos – aber ihre Aussage hängt von der jeweiligen Wahl ab. Bei Präsidentschaftswahlen zeigen sie vor allem die landesweite Stimmung und geben Hinweise auf den Popular Vote. Über den Sieger im Electoral College entscheiden sie jedoch nicht direkt.
Bei Wahlen zum Repräsentantenhaus kann der Generic Congressional Ballot das nationale politische Umfeld abbilden. Auch daraus lässt sich aber nicht unmittelbar ableiten, wie viele der 435 Sitze eine Partei gewinnt. Beim Senat ist ein nationaler Durchschnitt noch weniger geeignet, weil nur ein Teil der Sitze gleichzeitig und jeweils bundesstaatenweise gewählt wird.
2
Die passende Wahlebene ist entscheidend
Für die Einschätzung eines konkreten Wahlausgangs muss die Umfrage zur Ebene passen, auf der tatsächlich entschieden wird: bei der Präsidentschaftswahl vor allem der einzelne Bundesstaat, bei Senatswahlen ebenfalls der Bundesstaat und beim Repräsentantenhaus der jeweilige Congressional District.
Bei der Präsidentschaftswahl werden die Electoral Votes in fast allen Bundesstaaten nach dem Prinzip „winner takes all“ vergeben. Maine und Nebraska bilden mit ihrer Aufteilung nach landesweitem Ergebnis und Congressional Districts die Ausnahme.
3
Umfragen sind Momentaufnahmen – keine Wahlergebnisse
Eine Umfrage misst die Stimmung während ihres Erhebungszeitraums. Je weiter der Wahltag entfernt ist, desto größer ist die Möglichkeit, dass sich Kandidatenpräferenzen, Mobilisierung und politische Rahmenbedingungen noch verändern.
Auch kurz vor der Wahl bleibt eine Umfrage eine Schätzung. Sie kann zeigen, welches Ergebnis unter den zum Zeitpunkt der Befragung herrschenden Bedingungen plausibel erscheint – nicht, welches Ergebnis sicher eintreten wird.
4
Die Qualität einer Umfrage prüfen
Nicht jede veröffentlichte Umfrage ist gleich aussagekräftig. Wichtig sind unter anderem Stichprobenauswahl, Gewichtung, Erhebungsart, Stichprobengröße, Befragtengruppe, Feldzeit und die Transparenz, mit der ein Institut seine Methode offenlegt.
Eine große Stichprobe allein garantiert noch keine gute Umfrage. Entscheidend ist, ob die Befragten die relevante Wählerschaft möglichst gut abbilden und ob erkennbare Verzerrungen methodisch angemessen berücksichtigt werden.
US-Wahl.de orientiert sich bei der Auswahl der verwendeten Institute zusätzlich am Pollster-Rating von Silver Bulletin (Nate Silver) ↗. Das Rating bewertet unter anderem die historische Genauigkeit und Transparenz der Institute und dient als zusätzliche Orientierung bei der Auswahl.
5
Entwicklungen derselben Quelle vergleichen
Für die Beurteilung eines Trends ist der Vergleich aufeinanderfolgender Umfragen desselben Instituts oft hilfreicher als der direkte Vergleich zweier verschiedener Institute. Unterschiedliche Häuser verwenden unterschiedliche Stichproben, Gewichtungen und Modelle – dadurch können sich dauerhaft leicht unterschiedliche Niveaus ergeben.
Beispiel:
Quelle A · 13. Jan. – Kandidat X +1 %
Quelle B · 07. Jan. – Kandidat X +3 %
Quelle C · 03. Jan. – Kandidat X +6 %
Quelle D · 01. Jan. – Kandidat X +7 %
Quelle A · 22. Dez. – Kandidat Y +3 %
Quelle B · 19. Dez. – Gleichstand
Von Quelle D zu A wirkt die Entwicklung für Kandidat X zunächst negativ. Der aussagekräftigere Vergleich innerhalb derselben Institute zeigt jedoch das Gegenteil: Bei A verbessert sich X von −3 auf +1, bei B vom Gleichstand auf +3. Für die Trendbewertung ist deshalb vor allem die Entwicklung derselben Quelle entscheidend.
6
Durchschnittswerte sind robuster als Einzelumfragen
Einzelne Umfragen können zufällig höher oder niedriger ausfallen. Ein Durchschnitt aus mehreren aktuellen Erhebungen reduziert den Einfluss solcher Ausreißer und vermittelt deshalb meist ein stabileres Bild der aktuellen Lage.
Auch ein Durchschnitt ist jedoch keine Garantie. Wenn mehrere Institute einen ähnlichen systematischen Fehler machen, kann sich dieser auch im Mittelwert wiederfinden. Deshalb sollte zusätzlich auf die Entwicklung und auf die Methodik der zugrunde liegenden Umfragen geachtet werden.
7
Die Fehlerspanne richtig lesen
Seriöse Umfragen weisen in der Regel eine Margin of Error beziehungsweise eine vergleichbare statistische Unsicherheit aus. Sie beschreibt vor allem, wie stark ein Stichprobenergebnis allein durch die Auswahl einer begrenzten Zahl von Befragten schwanken kann.
Beispiel: Kandidat A liegt bei 47 %, Kandidat B bei 53 %, die ausgewiesene Fehlerspanne beträgt ±4 Punkte für jeden einzelnen Wert. Vereinfacht liegen die einzelnen Schätzbereiche damit bei etwa 43–51 % beziehungsweise 49–57 %. Die Bereiche überschneiden sich. Bei einem Wahlergebnis, das Kandidat A als Sieger hervorbringt, dürfte man also nicht sagen, dass die Umfrage „falsch“ war. Die hohe Abweichung lag immer noch innerhalb der Fehlertoleranz.
8
Wer wurde überhaupt befragt?
Bei US-Umfragen gibt es regelmäßig unterschiedliche Befragtengruppen. Sie dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
All Adults (A)Erwachsene unabhängig davon, ob sie registriert sind oder bei der nächsten Wahl tatsächlich abstimmen.
Registered Voters (RV)Als Wähler registrierte Personen. Diese Gruppe ist für Wahlabsichten meist relevanter als die Gesamtheit aller Erwachsenen.
Likely Voters (LV)Personen, die ein Institut nach seinem eigenen Modell als wahrscheinliche Wähler einstuft. Dafür können Selbstauskunft, frühere Wahlteilnahme und weitere Merkmale verwendet werden.
Gerade nahe am Wahltag sind LV-Modelle besonders interessant. Allerdings existiert kein einheitliches Verfahren – verschiedene Institute können dieselbe Person unterschiedlich als wahrscheinlichen Wähler bewerten.
9
Institut und Auftraggeber mitlesen
Wer eine Umfrage durchgeführt und wer sie finanziert oder in Auftrag gegeben hat, gehört zur Einordnung dazu. Eine parteinahe oder von einer Kampagne beauftragte Umfrage ist nicht automatisch unbrauchbar – sie sollte aber besonders transparent dokumentiert sein und im Zusammenhang mit unabhängigen Erhebungen betrachtet werden.
Zur Qualitätsprüfung gehören deshalb nicht nur die Prozentwerte, sondern auch Angaben zu Auftraggeber, Methode, Stichprobe, Feldzeit und genauer Fragestellung.
10
Den Zeitpunkt der Erhebung beachten
Entscheidend ist nicht nur das Veröffentlichungsdatum, sondern vor allem, wann die Interviews geführt wurden. Eine heute veröffentlichte Umfrage kann eine Stimmung abbilden, die bereits mehrere Tage alt ist.
Debatten, Skandale, wirtschaftliche Nachrichten oder internationale Krisen können kurzfristig Ausschläge auslösen. Deshalb sollte ein einzelner Sprung nicht vorschnell als dauerhafte Verschiebung interpretiert werden. Erst weitere Umfragen zeigen, ob daraus ein stabiler Trend entsteht.
2016Was die Wahl über Umfragen lehrt
Praxisbeispiel
Lagen die Umfragen 2016 wirklich daneben?
Die Präsidentschaftswahl 2016 gilt bis heute häufig als Beispiel dafür, dass Wahlumfragen unzuverlässig seien. Das verbreitete Bild eines allgemeinen Umfrageversagens greift jedoch zu kurz. Ein genauerer Blick zeigt vielmehr, warum Umfragen richtig eingeordnet werden müssen.
Landesweite Umfragen: Kurz vor der Wahl führte Hillary Clinton vor Donald Trump im Durchschnitt der nationalen Umfragen mit gut 3 Prozentpunkten. Tatsächlich erhielt Clinton landesweit fast drei Millionen Stimmen mehr und gewann den Popular Vote mit einem Vorsprung von 2,1 Prozentpunkten. Die nationalen Umfragen hatten die landesweite Stimmenverteilung damit grundsätzlich richtig erfasst. Sie beantworteten aber nicht die entscheidende Frage, wer im Electoral College gewinnen würde.
Die entscheidenden Bundesstaaten: Betrachtet man die 15 Swing States im weiteren Sinne, die US-Wahl.de vor der Wahl besonders beobachtete, ergibt sich ein differenziertes Bild:
Florida, Ohio, North Carolina, Iowa, Arizona und Georgia: offene Rennen mit leichter Tendenz zu Donald Trump – Trump gewann alle sechs Staaten.
Virginia, New Mexico und Minnesota: die Umfragen sahen Hillary Clinton vorne – Clinton gewann alle drei.
Colorado und New Hampshire: offene Rennen mit leichter Tendenz zu Clinton – Clinton gewann beide.
Nevada: offenes Rennen mit leichter Tendenz zu Trump – Clinton gewann.
Pennsylvania und Michigan: offene Rennen mit leichter Tendenz zu Clinton – Trump gewann.
Wisconsin: die Umfragen deuteten auf einen Sieg Clintons hin – Trump gewann.
Damit zeigten die Umfragen in 11 der 15 betrachteten Staaten die richtige Siegtendenz. In drei weiteren Staaten erkannten sie ein enges Rennen, die knappe Tendenz wies aber zum späteren Verlierer. Wisconsin war der deutlichste Fall, in dem auch die Einschätzung des Rennens selbst zu sicher in die falsche Richtung zeigte. Nach der damaligen Auswertung von US-Wahl.de betrug die durchschnittliche Abweichung zwischen Umfragewerten und tatsächlichem Ergebnis in diesen 15 Staaten rund 2,9 Prozentpunkte.
Die Lehre aus 2016: Ein kleiner Umfragevorsprung darf nicht mit einer sicheren Führung gleichgesetzt werden. Gerade bei knappen Rennen müssen Durchschnittswerte, Fehlerspanne, Trend und die richtige geografische Ebene gemeinsam betrachtet werden. Das eigentliche Problem von 2016 war daher weniger ein flächendeckendes Versagen der Umfragen als ihre häufig zu vereinfachte öffentliche Interpretation.
Schnellcheck
Fünf Fragen vor jeder Interpretation
1. Welche Ebene?National, Bundesstaat oder Congressional District?
2. Wer wurde befragt?Adults, Registered Voters oder Likely Voters?
3. Wann wurde gefragt?Feldzeit und politische Ereignisse beachten.
4. Wie wurde gefragt?Methode, Stichprobe, Gewichtung und Transparenz prüfen.
5. Was zeigt der Trend?Durchschnitt und Entwicklung sind wichtiger als ein Ausreißer.
Für die methodische Einordnung orientiert sich diese Übersicht unter anderem an Erläuterungen der American Association for Public Opinion Research (AAPOR), des Pew Research Center und des Roper Center for Public Opinion Research.
Gerrymandering – Parteistrategie beim Wahlkreiszuschnitt
Was ist Gerrymandering und wie können Wahlkreisgrenzen die politischen Mehrheiten in den USA verändern? Bei Wahlen zum US-Repräsentantenhaus entscheidet nicht nur, wie viele Menschen eine Partei wählen. Entscheidend ist auch, wo diese Stimmen liegen und wie die Grenzen der Congressional Districts gezogen sind. Genau hier setzt Gerrymandering an.
Jeder Congressional District entsendet genau ein Mitglied in das US-Repräsentantenhaus. Vergeben wird der Sitz nach Mehrheitswahlrecht im District: Wer die meisten Stimmen erhält, gewinnt den Sitz. Die Bundesstaaten entscheiden jedoch über den territorialen Zuschnitt ihrer Congressional Districts. Dadurch können sie erheblichen Einfluss darauf nehmen, wie sich ein Stimmenverhältnis in Sitze übersetzt.
Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass die Parteien in den USA sehr detaillierte Erkenntnisse darüber haben, wie und wo abgestimmt wird – aus früheren Wahlergebnissen, aus Bevölkerungsdaten und oft auch aus Umfragen. Genau dieses Wissen macht strategisches Redistricting überhaupt erst möglich.
Kurz erklärt: Gerrymandering bezeichnet den strategischen Zuschnitt von Wahlkreisen, um einer Partei oder einer bestimmten Wählergruppe einen politischen Vorteil zu verschaffen. Die Zahl der Stimmen bleibt gleich – ihre Verteilung auf die Wahlkreise ändert sich.
Der Ausgangspunkt
Warum werden Wahlkreise überhaupt neu zugeschnitten?
Die 435 Sitze des Repräsentantenhauses werden nach der alle zehn Jahre stattfindenden Volkszählung neu auf die 50 Bundesstaaten verteilt. Dieser Vorgang heißt Apportionment. Bundesstaaten mit mehreren Sitzen legen anschließend die Grenzen ihrer Congressional Districts fest oder passen sie an – das Redistricting.
CensusDie Bevölkerung wird im Zehnjahresrhythmus erfasst.
Apportionment435 Sitze werden nach Bevölkerungszahl auf die Staaten verteilt.
RedistrictingBundesstaaten mit mehreren Sitzen ziehen ihre Wahlkreisgrenzen.
WahlIn jedem District wird genau ein Mitglied des Repräsentantenhauses gewählt.
Wichtig: Redistricting ist ein notwendiger und regulärer Vorgang. Von Gerrymandering spricht man erst, wenn der Zuschnitt gezielt dazu genutzt wird, politische Machtverhältnisse zu beeinflussen.
Das Grundprinzip
Warum können Stimmen eine ungleiche Wirkung haben?
In Einmandatswahlkreisen zählt am Ende nur, wer den jeweiligen District gewinnt. Deshalb können gleiche Stimmenmengen sehr unterschiedlich wirken – je nachdem, wo sie liegen.
Verfallene StimmenAlle Stimmen für die unterlegene Partei in einem District bringen dort keinen Sitzgewinn.
Überzählige StimmenAuch Stimmen, die weit über das zum Sieg notwendige Maß hinausgehen, erzeugen keinen zusätzlichen Sitz.
Vereinfachtes Beispiel
59 : 41Stimmen
Erhält Blau in einem District 59 Stimmen und Rot 41 Stimmen, gewinnt Blau den Sitz. Die 41 roten Stimmen verfallen. Zugleich wären für Blau bereits 51 Stimmen zum Sieg ausreichend gewesen – 8 blaue Stimmen sind damit überzählig.
Der entscheidende Gedanke: Beim Gerrymandering geht es darum, die zu erwartenden verfallenen und überzähligen Stimmen beim Neuzuschnitt der Wahlkreise möglichst effizient zum eigenen Nutzen und zum Nachteil des politischen Gegners auszunutzen.
Das Kernproblem
Gleiche Stimmen – unterschiedliche Sitze
In allen vier Darstellungen bleibt die Ausgangslage identisch: ein fiktiver Bundesstaat mit 60 % Blau und 40 % Rot. Nur der Zuschnitt der Districts verändert sich.
Ausgangslage
60:40-Stimmenverteilung in einem fiktiven Bundesstaat. Noch sind keine Wahlkreisgrenzen für die Congressional Districts gezogen.
Gesamtstimmen: Blau 60 % · Rot 40 %
Mögliches 3:2-Ergebnis
Die Sitzverteilung von 3:2 für Blau entspricht dem Stimmenverhältnis von 60:40 %.
Sitze: Blau 3 · Rot 2
Rot entscheidet über Wahlkreiszuschnitt
2:3-Ergebnis. Die Sitzverteilung von 2:3 widerspricht dem Stimmenverhältnis von 60:40 %, ist aber dennoch korrekt.
Sitze: Blau 2 · Rot 3
Blau entscheidet über Wahlkreiszuschnitt
5:0-Ergebnis. Die Sitzverteilung von 5:0 widerspricht dem Stimmenverhältnis von 60:40 %, ist aber dennoch korrekt.
Sitze: Blau 5 · Rot 0
Worauf es ankommt: Die Gesamtzahl der Stimmen ändert sich nicht. Nur durch neue Grenzziehungen kann sich die Sitzverteilung teils massiv verschieben. Wahlkreise können also grundsätzlich so zugeschnitten werden, dass sie einer Partei gezielt nützen. Zugleich ist nicht jede vom Gesamtverhältnis 60:40 % abweichende Sitzverteilung automatisch manipulativ: Auch sachliche, geographische oder demographische Faktoren können dazu führen, dass einzelne Districts anders zusammengesetzt sind.
Die zwei klassischen Methoden
Die zwei klassischen Methoden des Gerrymandering
blaue Stimmen
rote Stimmen
überzählige Stimmen
verfallene Stimmen
Packing – Rot bündelt blaue Stimmen in Hochburgen
Beim Packing verschiebt Rot blaue Wähler so, dass Blau zwar noch einige Districts gewinnt, dort aber mit unnötig großen Mehrheiten. Die blauen Überhänge fehlen anschließend in mehreren anderen Districts.
Von
District 1Blau 7 : Rot 3
Blau gewinnt deutlich. Zwei blaue Stimmen sind hier bereits überzählig.
District 2Blau 6 : Rot 4
Knapperer blauer Sieg – dieser District ist für Blau noch effizient.
District 3Blau 6 : Rot 4
Noch ein effizienter blauer Sieg mit nur einer überzähligen Stimme.
District 4Blau 6 : Rot 4
Auch hier gewinnt Blau knapp genug, um weitere Sitze zu maximieren.
District 5Blau 4 : Rot 6
Rot gewinnt diesen District; vier blaue Stimmen verfallen.
Ausgangslage: Blau gewinnt 4 Districts, Rot 1. Blau holt viele Sitze, weil seine Stimmen noch relativ effizient verteilt sind.
→
Zu
District 1Blau 9 : Rot 1
Blau gewinnt extrem deutlich. Vier blaue Stimmen sind überzählig.
District 2Blau 8 : Rot 2
Auch hier gewinnt Blau klar. Drei weitere blaue Stimmen sind überzählig.
District 3Blau 4 : Rot 6
Die hier fehlenden blauen Stimmen hätten ausreichen können, um den District zu kippen.
District 4Blau 4 : Rot 6
Rot gewinnt knapp – weil zusätzliche blaue Stimmen in den Hochburgen gebündelt wurden.
District 5Blau 4 : Rot 6
Dritter knapper roter Sieg. Aus Blau 4 : Rot 1 wird Blau 2 : Rot 3.
Folge: Aus Blau 4 : Rot 1 wird Blau 2 : Rot 3. Besonders in 9:1 und 8:2 werden blaue Stimmen überzählig – und fehlen dann in den drei knappen Niederlagen.
Politische Logik: Packing ist für Rot sinnvoll, wenn blaue Hochburgen in wenige sehr sichere Districts gedrängt werden sollen. Blau behält dann zwar einige klare Siege, verliert aber mehrere Sitze im übrigen Kartenbild.
Cracking – Rot spaltet ein blaues Gebiet auf
Beim Cracking zerlegt Rot ein zusammenhängendes oder kompaktes blaues Wählergebiet. Statt einige wenige Districts mit blauer Mehrheit zuzulassen, werden blaue Stimmen auf mehrere rote Districts verteilt. Dadurch verfallen sie dort jeweils knapp.
Von
District 1Blau 6 : Rot 4
Das blaue Gebiet reicht hier für einen eigenen Sitz.
District 2Blau 6 : Rot 4
Ein zweiter blauer District aus demselben Schwerpunktgebiet.
District 3Blau 6 : Rot 4
Auch hier hätte Blau noch eine knappe, aber ausreichende Mehrheit.
District 4Blau 3 : Rot 7
Rot gewinnt deutlich.
District 5Blau 3 : Rot 7
Ein weiterer klar roter District.
Ausgangslage: Blau gewinnt 3 Districts, Rot 2. Die blaue Wählerschaft ist noch kompakt genug, um mehrere Sitze zu erringen.
→
Zu
District 1Blau 8 : Rot 2
Ein Teil der blauen Stimmen wird in einem verbleibenden blauen District gebündelt.
District 2Blau 4 : Rot 6
Die übrigen blauen Stimmen werden in rote Districts hineingezogen.
District 3Blau 4 : Rot 6
Hier reicht es ebenfalls nicht mehr für Blau.
District 4Blau 4 : Rot 6
Noch ein knapper roter Sieg durch die Zerstreuung der blauen Stimmen.
District 5Blau 4 : Rot 6
Die zerstreuten blauen Stimmen verfallen nun in mehreren Districts gleichzeitig.
Folge: Aus Blau 3 : Rot 2 wird Blau 1 : Rot 4. Anders als beim Packing werden die blauen Stimmen hier nicht nur in Hochburgen gebündelt, sondern vor allem auf mehrere rote Districts verteilt, wo sie jeweils knapp verlieren.
Politische Logik: Cracking ist für Rot nützlich, wenn ein eigentlich konkurrenzfähiges blaues Gebiet aufgespalten werden soll. So entstehen mehrere knappe rote Siege, statt dass Blau eigene Districts gewinnt.
Strategien in der Praxis
Wie Parteien tatsächlich vorgehen
Parteien beschränken sich nicht darauf, nur Packing oder nur Cracking zu betreiben. In der Praxis geht es darum, die gesamte Karte zu optimieren: sichere Sitze absichern, knappe Rennen verschieben und dabei bewusst Risiken einzugehen.
1
Sichere Sitze absichernEigene Mehrheiten werden so verteilt, dass aus wahrscheinlichen Rennen möglichst sichere Siege werden.
2
Offene Sitze angreifenEigene Hochburgen werden teilweise ausgedünnt, damit zusätzliche Stimmen in Kopf-an-Kopf-Rennen oder gegnerische Wahrscheinlichkeits-Sitze fließen.
3
Risiko bewusst steuernWer neue Sitze gewinnen will, muss oft in Kauf nehmen, dass eigene sichere Mehrheiten etwas kleiner werden.
4
Gesamtkarte optimierenEntscheidend ist nicht jeder einzelne District, sondern wie viele Sitze am Ende aus der gesamten Karte herausgeholt werden.
Zuständigkeit
Wer zieht die Grenzen?
Die Regeln unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Häufig sind die Parlamente der Bundesstaaten beteiligt; in anderen Staaten arbeiten unabhängige oder parteiübergreifende Kommissionen. Zusätzlich greifen Gerichte ein, wenn Karten gegen staatliches oder Bundesrecht verstoßen.
Deshalb ist Gerrymandering kein einheitlicher Vorgang, der überall nach denselben Regeln funktioniert.
Politische Wirkung
Warum ist das so bedeutsam?
Ein günstiger Zuschnitt kann nicht nur einzelne Sitze beeinflussen. Er kann auch die Zahl wirklich wettbewerbsfähiger Districts verringern, Amtsinhaber absichern und darüber mitentscheiden, welche Partei eine Mehrheit im Repräsentantenhaus erreicht.
Das Prinzip betrifft außerdem Wahlkreise auf Ebene der Bundesstaaten – nicht nur die 435 Congressional Districts.
Blick auf 2026
Wie groß sind die Einflussmöglichkeiten der Parteien derzeit?
2026 ist kein reguläres Hauptjahr des Redistricting-Zyklus. Trotzdem bleibt das Thema politisch hoch relevant: Einerseits kontrollieren die Parteien in vielen Bundesstaaten die politische Gesamtarchitektur, andererseits gibt es weiterhin rechtliche und politische Auseinandersetzungen um bestehende Karten.
–Republikanische Trifectas in den Bundesstaaten
–Demokratische Trifectas in den Bundesstaaten
–Geteilte Regierungen ohne Trifecta
Datenstand: –
Was das bedeutet: Eine Trifecta liegt vor, wenn eine Partei in einem Bundesstaat zugleich das Gouverneursamt sowie beide Kammern der staatlichen Legislative kontrolliert. Trifectas erhöhen grundsätzlich den parteipolitischen Einfluss auf Wahlkreisfragen. Sie bedeuten aber nicht automatisch freie Hand, weil Gerichte, Staatsverfassungen, unabhängige Kommissionen oder ausdrückliche Verbote von mid-decade redistricting zusätzliche Grenzen setzen können.
Historische Einordnung
Wer profitiert vom Gerrymandering?
Gerrymandering ist kein Instrument nur einer Partei. Historisch haben sowohl Demokraten als auch Republikaner von parteipolitischer Kontrolle über das Redistricting profitiert. Eine Langzeitstudie über rund 80 Jahre Wahlen zum US-Repräsentantenhaus kommt zu dem Ergebnis, dass beide Parteien in der Mitte des 20. Jahrhunderts ähnlich von der Kontrolle der Grenzziehung profitierten; im 21. Jahrhundert zeigt sich dagegen ein moderater republikanischer Vorteil.
Für die Zeit nach dem Census 2010 ist dieser Vorteil deutlicher messbar. Eine wissenschaftliche Analyse der House-Wahlen von 2012 bis 2020 beziffert den durchschnittlichen republikanischen Vorteil durch den Wahlkreiszuschnitt auf 17 Sitze. Für die bei der Wahl 2024 verwendeten Karten schätzte das Brennan Center 23 zusätzliche republikanische bzw. republikanisch tendierende Sitze gegenüber 7 demokratischen – netto also einen Vorteil von rund 16 Sitzen für die Republikaner. Ein wichtiger Grund für den stärkeren nationalen Effekt: Republikaner kontrollierten in diesem Zyklus die Grenzziehung von 191 Congressional Districts vollständig, Demokraten von 75; die übrigen Karten entstanden unter anderem durch Kommissionen, Gerichte oder geteilte politische Kontrolle.
Wichtig: Solche Zahlen sind Schätzungen und hängen vom verwendeten Vergleichsmaßstab ab. Sie bedeuten weder, dass jede republikanisch gezeichnete Karte manipuliert noch dass jede demokratisch gezeichnete Karte neutral ist. Aussagekräftig ist vor allem, wie stark eine konkrete Karte gegenüber einem nachvollziehbaren Neutralitäts- oder Vergleichsmaßstab parteipolitisch verzerrt ist.
Eine einfache Antwort mit „ja“ oder „nein“ wäre irreführend. Rechtlich muss zwischen parteipolitischem und rassistisch diskriminierendem Gerrymandering unterschieden werden.
Parteipolitisches Gerrymandering: Der Supreme Court entschied 2019 in Rucho v. Common Cause, dass solche Ansprüche politische Fragen darstellen, für die Bundesgerichte keinen handhabbaren verfassungsrechtlichen Maßstab anwenden können.
Bundesstaatliches Recht: Einzelne Staatsverfassungen, Gesetze oder institutionelle Regeln können parteipolitische Grenzziehungen zusätzlich begrenzen.
Rasse und Minderheitenrechte: Bestimmte Formen rassistischer Grenzziehung können gegen die US-Verfassung verstoßen. Section 2 des Voting Rights Act gilt zudem auch für Redistricting-Pläne und schützt vor rassistisch diskriminierender Schwächung des Wahlrechts.
i
Woher kommt der Begriff?
Gerry + Salamander = Gerrymander
Der Begriff geht auf den damaligen Gouverneur von Massachusetts, Elbridge Gerry, zurück. 1812 wurde ein neu zugeschnittener Wahlbezirk in einer politischen Karikatur wegen seiner ungewöhnlichen Form mit einem Salamander verglichen. Aus „Gerry“ und „salamander“ entstand „Gerrymander“.
Begriffe auf einen Blick
Die wichtigsten Begriffe
ApportionmentVerteilung der 435 Sitze des Repräsentantenhauses auf die Bundesstaaten nach der Volkszählung.
RedistrictingNeuzuschnitt oder Anpassung der Wahlkreisgrenzen innerhalb eines Bundesstaates.
CrackingZerstreuung einer Wählergruppe über mehrere Districts, sodass sie dort möglichst selten eine Mehrheit erreicht.
PackingKonzentration einer Wählergruppe in wenigen Districts mit sehr großen Mehrheiten.
Congressional DistrictWahlkreis, aus dem jeweils ein Mitglied in das US-Repräsentantenhaus gewählt wird.
TrifectaEine Partei kontrolliert in einem Bundesstaat zugleich Gouverneursamt sowie beide Kammern der staatlichen Legislative.
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Gewinner und Verlierer der 5. TV-Debatte der Demokraten
Um eine Bewertung der 5. TV-Debatte der Demokraten in Atlanta, Georgia, vorzunehmen, reicht es nicht nur aus, die Auftritte der Kandidatinnen und Kandidaten einzeln für sich zu betrachten. Rund 10 Wochen vor dem Vorwahlauftakt in Iowa müssen die Auftritte immer auch im Zusammenhang mit der jeweiligen Ausgangslage gesehen werden. Wer muss aufholen, wer muss sich verteidigen, wer muss Defizite ablegen usw. Aus diesem Grund hatte ich im Vorfeld der Debatte vier wesentliche Fragestellungen aufgeworfen, die ich nun noch einmal aufgreifen möchte. 1. Wie geht Pete Buttigieg mit seiner neuen Rolle um, kann er dem Druck der Konkurrenz standhalten? 2. Kann Joe Biden Zweiflern und Kritikern an seinem Wahlkampf den Wind aus den Segeln nehmen? 3. Hält der unausgesprochene Nichtangriffspakt zwischen Elizabeth Warren und Bernie Sanders? 4. Wer kann aus der zweiten und dritten Reihe die möglicherweise letzte Chance nutzen und zum Sprung zum Spitzenquartett ansetzen? Betrachtet man den Abend insgesamt, ist zunächst festzustellen, dass es schon spannendere TV-Nächte gegeben hat. Ein Zehner-Kandidatenfeld ist zu groß, um wirklich ins Detail zu gehen und Kontroversen auszufechten. Wenn dieses Kandidatenfeld dann auch noch immer wieder mit Einzelfragen konfrontiert wird, ohne, dass es dabei offensichtliche inhaltliche Unterschiede ausdiskutieren kann, wird es für die Zuschauer schon mal etwas langatmig. Umso herausragender sind dann die Momente, in denen die Bewerberinnen und Bewerber doch mal aufeinander eingehen. Augenblicke, die auch den zusehenden Wählerinnen und Wählern in Erinnerung bleiben. Einige Demokraten haben dies auch für sich zu nutzen gewusst.
1. Pete Buttigieg geht gestärkt und unbeschadet aus dem Abend hervor
Pete Buttigieg by Gage Skidmore
Pete Buttigieg kann durchaus als ein Gewinner des Abends betrachtet werden. Gemessen an der Frage, wie er mit dem neuen Druck umging, ist die Antwort eindeutig: er ging unbeschadet aus dieser TV-Debatte hervor. Das lag aber weniger an seiner eigenen Performance, die zwar auch gewohnt solide und gut war, vielmehr blieben einfach die Angriffe seiner Konkurrenz aus. Buttigieg ist der Kandidat, der momentan den größten Aufwind verspürt und in den Umfragen für Iowa und New Hampshire nach ganz vorne prescht. Und doch ließ man ihn fast komplett in Ruhe sein Programm abspulen. Wenn die Taktik war, Buttigieg durch Ignorieren weniger Redezeit zu gewähren, so ist sie fehlgeschlagen. Nur Elizabeth Warren hatte knapp mehr Redezeit als der Bürgermeister von South Bend, Indiana. Es gab nur wenige Versuche, etwa von Tulsi Gabbard und Amy Klobuchar, die dann doch auf die geringe bundespolitische Erfahrung des 37-jährigen Buttigieg abzielten. Der aber nutzte diese vermeintliche Schwäche, um den Spieß umzudrehen. Er zeichnete ein Bild, das auch eine Schwäche Hillary Clintons gegen Donald Trump 2016 ausmachte. Buttigieg zielte auf den Zuspruch vieler Klein- bzw. Vorstädter ab, den Donald Trump erhielt und schlug den Bogen zum politischen Machtzentrum der USA, nach Washington D.C. Häufig würde man aus der Sicht Washingtons in das kleine South Bend blicken, was hier nur symbolisch für die bürgernahe Kommunalpolitik angeführt wird. Buttigieg sprach in diesem Moment all jene an, die aus der pragmatischen alltäglichen Sicht der Bürgerinnen und Bürger der USA mit Abneigung auf politische Machtspielchen zwischen den Parteien im Kongress nach Washington blicken. Aus deren Sicht, sei Washington D.C. klein bzw. von geringer Bedeutung. Es war eine kluge Umkehr der Sichtweise, die zwar vermutlich nicht diejenigen überzeugen konnte, die sich an seiner geringen Erfahrung stören. Jenen, die sich gedanklich nicht mit dem politischen Washington identifizieren können, sprach Buttigieg aber aus den Herzen. Und das sind auch zum Teil die Wählerinnen und Wähler, die 2016 genau aus diesem Grund auch nicht Hillary Clinton, sondern Donald Trump wählten. Buttigieg griff diese Strategie auch im Ansatz nochmal in seinem Schlussstatement auf. Es war zugleich eine forsche Herausforderung an das Spitzentrio, ohne es namentlich zu nennen. Pete Buttigieg wolle ein Angebot sowohl für progressive als auch moderate Demokraten machen, was insgesamt aber auch geeignet ist, moderate Republikaner anzusprechen, die sich nicht mehr heimisch in ihrer Partei unter Trump fühlen und die, wie Buttigieg vermutete, auch diese TV-Debatte der Demokraten verfolgten. Es war für Buttigieg wieder ein weiterer Schritt nach vorne. Will er aber auch tatsächlich ernsthafte Chancen auf die Nominierung haben, muss er seine Bekanntheit in den großen bedeutenden Bundesstaaten spätestens bis Anfang März zum Super Tuesday deutlich steigern. Er wird Gelegenheit dazu bekommen.
2. Joe Bidens Performance erneut nicht optimal
Joe Biden by Gage Skidmore
Für Joe Biden war es ein klassischer Auftritt, wie man ihn schon häufig von ihm gesehen hat und genau das ist auch das Problem. Es war kein fürchterlicher Abend für ihn, aber er wollte und sollte doch, das unterstelle ich jetzt einfach mal, den nicht enden wollenden Debatten um seine Performance im Wahlkampf einen Riegel vorschieben. Angesichts der Kandidatur von Deval Patrick und den Ambitionen Michael Bloombergs musste es eben das Ziel sein, eine so starke Antwort zu geben, dass sich der moderate Flügel und das Establishment der Demokraten geschlossen hinter ihm vereinen. Und das ist Joe Biden erneut nicht gelungen. Zwar zeigte er wiederholt auf, welch große Erfahrung er mit in diese Kandidatur bringt und konnte auch fachlich überzeugen. Dennoch unterliefen ihm wieder und wieder kleine Fehler bei der Wortwahl oder er verhaspelte sich etwas in seinen Ausführungen. Das ist für sich genommen nicht schlimm, dennoch nährte es eben wieder die Zweifel, die es in den vergangenen Wochen und Monaten an seinen Auftritten gegeben hat. Ein besonderes Beispiel dafür lieferte er, als er behauptete, dass die "einzige" schwarze Senatorin im Kongress ihn unterstütze. Er meinte damit Carol Moseley Braun. So weit, so gut, aber letztlich nicht richtig. Denn nicht weit neben ihm stand mit Kamala Harris eine weitere schwarze Senatorin direkt auf der Bühne. Biden korrigierte sich selbst und hob hervor, dass er sagen wollte, die "erste" schwarze Senatorin unterstütze ihn. Wie gesagt, alles keine inhaltlichen Aussetzer oder Verfehlungen, die man ihm übel nimmt, aber die Befürchtungen, dass er sich im Duell mit Donald Trump ähnliche Versprecher leisten könnte, blieben bestehen. War Joe Biden deshalb ein Verlierer des Abends? Ja, weil er sich nicht verbessern konnte und Alternativen zu ihm, wie etwa Pete Buttigieg oder Amy Klobuchar zu viel Raum ließ. Dennoch hat er auch keine so schlechte Leistung abgegeben, die nun seine Unterstützer davonlaufen lässt. Für Joe Biden wäre es wichtig, wenn die Vorwahlen möglicht bald begännen. Ergebnisse, die in vielen Bundesstaaten zeigen, dass er die Nr. 1 ist. Sein Format sind die TV-Debatten nicht. Kleinere persönlichere Auftritte liegen ihm einfach mehr.
3. Nichtangriffspakt zwischen Warren und Sanders hält
Für Elizabeth Warren und Bernie Sanders war es ein Abend, wie schon viele andere zuvor. Von beiden erfuhr man nichts Neues. Sie hatten solide Auftritte, erfüllten die Erwartungen ihrer Fans. Nein, gegenseitige Angriffe gab es nicht, kaum auch mal inhaltliche Angriffe auf die Konkurrenz. Bernie Sanders schob einmal die Bemerkung ein, dass, anders als er selbst, Joe Biden für den Irak-Krieg gestimmt hätte. Das war es dann aber auch schon. Die üblichen inhaltlichen Differenzen wurden aufgrund der Debattenführung durch die vier Moderatorinnen nicht so stark deutlich, wie bei den vorigen TV-Auftritten. An der Ausgangslage hat sich für Warren und Sanders nichts geändert. Sie sind und werden auch die Wahl des linken Flügels bleiben. Die Frage, wie sie dort miteinander auskommen werden, haben sie erneut vertagt. Andere Kandidatinnen und Kandidaten werden ihnen das Feld auf der linken demokratischen Seite nicht mehr streitig machen. Aber das war auch vorher schon klar. Verpasst haben beide die Chance, Pete Buttigieg klein zu halten. Sie ließen ihn gewähren. Vielleicht ist es ihnen ganz recht, dass Joe Biden einen Konkurrenten hat, der ihm Stimmen abnehmen könnte. Sie dürfen aber nicht übersehen, dass auch sie Stimmen an Buttigieg verlieren könnten. Und nur in wenigen Bundesstaaten liegen Warren und Sanders so deutlich über der 15%-Hürde, dass sie sich über leichte Stimmenverluste keine Sorgen machen müssten. 15% sind erforderlich, um Delegiertenstimmen in den Vorwahlen zu gewinnen.
4. Klobuchar stark, Yang bemerkenswert, Gabbard ein Fremdkörper
Amy Klobuchar by Lorie Shaull
Von den Plätzen 4-10 konnten sich insbesondere zwei Demokraten in den Vordergrund debattieren. Vor allem Amy Klobuchar hat erneut ihre Chance genutzt. Sie verstand es, auch das Publikum in Atlanta auf ihre Seite zu bringen. Zu Beginn forderte sie eine automatische Wahlberechtigung ab 18 Jahren und damit die Abschaffung der vielen und verschiedenen Registrierungen. Diese Registrierungen, der Einfluss von externem Geld und das sog. Gerrymandering, also das strategische Verschieben von Wahlkreisgrenzen, hätten dazu geführt, dass Stacey Abrams 2018 nicht zur Gouverneurin von Georgia gewählt worden sei. Das kam bei den Demokraten in Atlanta natürlich gut an und traf auch den Nerv der Parteibasis. An einigen Stellen gelang es der Senatorin aus Minnesota auch humorvolle Pointen zu platzieren. Viel wichtiger aber waren die gelungenen One-Liner. Beispielsweise behauptete sie, wer meine, dass es eine Frau nicht mit Donald Trump aufnehmen könne, liege falsch, da es Nancy Pelosi jeden Tag schaffe. Auch hier war ihr die Zustimmung aus dem Saal sicher. Das sind alles keine tiefgründigen Argumente, aber bei Themen, die meist ohnehin alle Kandidatinnen und Kandidaten unterstützen, kommt es darauf an, entweder besonders glaubwürdig zu sein oder eben die Themen einprägsam zu platzieren. Das ist Amy Klobuchar an diesem Abend gelungen. Anders als Yang, Booker, Steyer, Gabbard usw. hat Klobuchar bereits die Qualifikation zur Dezember-Debatte in Los Angeles erreicht. Ihr Auftritt in Atlanta war ausreichend stark, um vermutlich den Weg bis zum Iowa Caucus beschreiten zu können.
Andrew Yang by Gage Skidmore
Erwähnenswert war auch der Auftritt von Andrew Yang. Gewohnt kurz aber präzise in seinen Ausführungen, bot Yang einmal mehr etwas an, was den Demokraten in Teilen fehlt. Yangs Themensetzung ist eine Bereicherung für die demokratische Partei. Er selbst sagt, dass er Zukunftsthemen in die Diskussion bringt, auf die viele Politiker keine Antwort hätten und sie deshalb auch gar nicht diskutierten. Dabei führt er beispielsweise den Umgang mit Daten als neue Ressource an. Auch sein universelles Grundeinkommen ist nichts, was die Demokraten bereits ausdiskutiert haben. Yang gelingt es so immer wieder ein positives und zuversichtliches Zukunftsbild seiner Politik für die Demokraten zu zeichnen. Ein Alleinstellungsmerkmal, sowohl in Inhalt und Stil. Das führte dazu, dass er in diesem Wahlkampf bereits sehr viel weiter gekommen ist, als es viele erwartet hatten. Der Nachteil dabei ist, dass seine Visionen bei einem Großteil der Demokraten noch nicht verfängt. Die klassischen Brot-und-Butter-Themen fehlen bei Yang häufig, bzw. überspringt er sie, weil er nicht selten schon ein Schritt weiter zu sein scheint. Seine Expertise und seine Unterstützung könnten für die Spitzenkandidaten der Demokraten noch einmal sehr wertvoll werden. Yang könnte eine für "gewöhnliche" Kandidatinnen und Kandidaten kaum erreichbare Wählerschicht mobilisieren. Dass er selbst so stark werden könnte, um in das Rennen der demokratischen Präsidentschaftskandidatur entscheidend einzugreifen, halte ich für ausgeschlossen. Dafür fehlt ihm die Verankerung in der Partei und damit eben auch bei vielen Themen, die durch das übrige Bewerberfeld gesetzt werden. Insofern war der Auftritt von Yang ein Gewinn für die Demokraten, für ihn allein aber zu wenig, um seinen Wahlkampf nennenswert voranzutreiben.
Tulsi Gabbard by Gage Skidmore
Eine Verliererin des Abends war Tulsi Gabbard. Die Kongressabgeordnete aus Hawaii hat zwar auch Alleinstellungsmerkmale herausgearbeitet, anders aber als bei Andrew Yang, gelingt es Gabbard nicht, diese mit einer positiven Botschaft zu vermitteln. Stattdessen stößt Gabbard der gesamten Partei vor den Kopf. Diese Demokraten, wie sie heute auftreten, seien nicht ihre Demokraten. Die Partei sei nicht für die Menschen da und vertrete sie auch nicht mehr. Die Militärindustrie und das außenpolitische Establishment um Hillary Clinton bestimmten das Erscheinungsbild der Demokraten. Als Präsidentin wolle sie die Regime-Change Außenpolitik von Bush, Clinton und Trump überwinden. Tulsi Gabbard wirkt in diesem Wahlkampf wie ein Fremdkörper auf der Bühne der Demokraten. Natürlich darf sie ihre Meinung vertreten, auch wenn sie von denen anderer Kandidatinnen und Kandidaten erheblich abweicht. Dafür ist der Wettbewerb um die besten Positionen da. Es ist aber schon höchst fraglich, ob Gabbard eine mehrheitliche Zustimmung finden wird, indem sie die gesamte Partei häufig pauschal angreift und diskreditiert. Dies wird dazu führen, dass sie selbst eine sichere Basis von 2-4% in den Umfragen behält, diese aber ganz sicher nicht vergrößern wird. Schlimmer noch für die Demokraten: diese 2-4% könnte Gabbard sogar so weit vom übrigen Kandidatenfeld distanzieren, dass deren Zuspruch für den späteren Nominierten unerreichbar sein werden.
Besonders viel Gegenwind erfuhr Gabbard an diesem Abend von Kamala Harris. Harris hatte noch eine Rechnung mit Gabbard zu begleichen, nachdem diese Harris in einer früheren Debatte angriff und auf dem falschen Fuß erwischte. Ein Moment, der den Abschwung Harris in diesem Wahlkampf markierte. Harris hob nun hervor, dass mit Gabbard eine Kandidatin auf der Bühne stehe, die über vier Jahre lang auf FoxNews die Politik Obamas kritisierte, den Kontakt zu Steve Bannon suchte, um sich mit dem Präsidenten im Trump-Tower zu treffen und sich zudem auch noch mit dem syrischen Machthaber Assad zusammensetzte. Dass eine solche Kandidatin im November vor den Vorwahlen noch immer auf der Bühne der TV-Debatten stünde, sei schon bemerkenswert. Auch Pete Buttigieg schlug in die gleiche Kerbe. Er verfüge zwar nicht über Gabbards Erfahrung im Kongress, dafür habe er aber so viel politische Urteilskraft, sich nicht mit Assad zu treffen. Gabbard verwies darauf, dass sich auch frühere populäre Präsidenten mit ihren ärgsten politischen Feinden getroffen hätten, um Probleme zu lösen. Gabbard machte ihre Punkte, es sind aber häufig nicht die Punkte der Partei gewesen. Cory Booker ließ einmal aufhorchen, als er Joe Biden mit der Frage nach der Legalisierung von Marihuana konfrontierte. Biden würde dies ablehnen. Laut Booker sei dies aber eine Frage der Kriminalisierung des Marihuanakonsums. Der Konsum sei ein Privileg der Oberschicht. Andere würden völlig unnötig und unverhältnismäßig in die Mühlen der Justiz geraten. Damit versuchte Booker sich als Sprachrohr der "einfachen" Leute anzubieten und zugleich Bidens Haltung als elitär und nicht volksnah darzustellen. Bei Tom Steyer blieb in Erinnerung, dass der Kampf gegen den Klimawandel bei ihm oberste Priorität habe. Für Booker und Steyer könnte es der letzte Auftritt bei einer TV-Debatte in diesem Wahlkampf gewesen sein. Die nächste TV-Debatte findet in Los Angeles, Kalifornien, am 19. Dezember statt. Sie wird von PBS Newshour und Politico ausgestrahlt. Qualifiziert sind bereits Joe Biden, Elizabeth Warren, Bernie Sanders, Pete Buttigieg, Kamala Harris und Amy Klobuchar.
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