Midterms 2026

Aktuelle Einordnung

Fortlaufend aktualisierter Überblick zur politischen Ausgangslage und zu den Mehrheitschancen bei den Kongresswahlen 2026.

Stand:
Senat100 Sitze · Mehrheit ab 51
Zur Prognose →
D Offen R
DemokratenMehrheitRepublikaner
Repräsentantenhaus435 Sitze · Mehrheit ab 218
Zur Prognose →
D Offen R
DemokratenMehrheitRepublikaner
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US-Senatswahl 2026

Prognose und Mehrheitsrechner

Welche Senatsrennen entscheiden die Mehrheit bei den Midterms 2026? Die US-Wahl.de-Prognose zeigt die Ausgangslage im US-Senat, die besonders umkämpften Sitze und welche Wege Demokraten und Republikaner zur Mehrheit von 51 Sitzen führen.

Von der Ausgangslage zur Prognose

Schritt für Schritt wird sichtbar, welche Senatsrennen 2026 für die Mehrheitsverhältnisse entscheidend werden.

Demokraten / Unabhängige Republikaner
AusgangslageAktueller Senat
Wahl 202635 Sitze werden neu gewählt
Prognose Teil 1Als sicher geltende Sitze werden eingerechnet
Prognose Teil 2Tendenzen werden eingerechnet
Mehrheit im Senat 51 von 100 Sitzen
Mehrheitsoption Republikaner bei 50:50-Patt Mehr dazu 50 Sitze + Vizepräsident

Mehrheitsrechner

Demokraten
Noch offen
Republikaner

Umkämpfte Senatsrennen

Senatsrennen 2026 im Überblick

Senatsrennen, die nach Einrechnung der sicheren Sitze verbleiben.

Zu den Umfragen →
Amtsinhaber
Weitere Sitze – derzeit sicher
Daten werden geladen …
US-Kongress · Wahlsystem und Aufgaben

Wahl & Aufgaben des Senats

Was unterscheidet den US-Senat vom Repräsentantenhaus? Der US-Kongress besteht aus zwei Kammern, die gemeinsam Gesetze beschließen, sich aber bei Wahl, Zusammensetzung und besonderen Befugnissen deutlich unterscheiden. Im Senat sind die Bundesstaaten gleichberechtigt vertreten: Jeder Staat stellt unabhängig von seiner Bevölkerungszahl zwei Senatoren. Hinzu kommen besondere Aufgaben, die ausschließlich oder vor allem dem Senat zukommen.

100Sitze
2je Bundesstaat
6Jahre Amtszeit
≈ ⅓alle 2 Jahre zur Wahl
Zweikammersystem

Der Kongress auf einen Blick

Senat und Repräsentantenhaus bilden gemeinsam die Legislative der Vereinigten Staaten. Ein Bundesgesetz benötigt grundsätzlich die Zustimmung beider Kammern zum gleichen Wortlaut.

Merkmal Senat Repräsentantenhaus
Zusammensetzung 100 Sitze 435 stimmberechtigte Sitze
Vertretungsprinzip Zwei Sitze je Bundesstaat Sitze nach Bevölkerungszahl, gewählt in Congressional Districts
Amtszeit 6 Jahre 2 Jahre
Wahlrhythmus Alle 2 Jahre ungefähr ein Drittel der Sitze Alle 2 Jahre alle 435 Sitze
Reguläre Mehrheit 51 Sitze; bei 50:50 kann der Vizepräsident entscheiden 218 Sitze
Besondere Kompetenzen Bestätigungen, Verträge, Impeachment-Verfahren als Gericht Revenue Bills müssen hier beginnen; Einleitung von Impeachments
Wahlsystem

So wird der Senat gewählt

Anders als beim Repräsentantenhaus gibt es für Senatswahlen keine Congressional Districts. Jeder zur Wahl stehende Sitz wird im gesamten Bundesstaat vergeben.

1

Bundesstaatenweite Direktwahl

Seit dem 17. Verfassungszusatz werden Senatoren direkt von den Wählerinnen und Wählern ihres Bundesstaats gewählt. Die konkrete Wahlregel – etwa ob eine Stichwahl möglich ist – richtet sich nach dem jeweiligen Bundesstaat.

2

Drei Klassen

Die 100 Sitze sind in drei Klassen aufgeteilt. Dadurch wird alle zwei Jahre nur ungefähr ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Kammer wird also niemals regulär vollständig neu gewählt.

3

Sechs Jahre Amtszeit

Die längere Amtszeit soll Kontinuität schaffen. Für eine Senatsmehrheit ist deshalb nicht nur die politische Stimmung wichtig, sondern auch, welche Sitze im jeweiligen Wahljahr überhaupt zur Wahl stehen.

Voraussetzungen für Kandidierende
30 JahreMindestalter
9 Jahremindestens US-Staatsbürger
Wohnsitzim vertretenen Bundesstaat zum Zeitpunkt der Wahl
119. Kongress · Stand –

Aktuelle Führung des US-Senats

Die aktuellen Mehrheitsverhältnisse werden geladen. Neben den Fraktionsführungen gibt es zwei verfassungsrechtlich vorgesehene Vorsitzfunktionen: den Vizepräsidenten als Präsidenten des Senats und den President pro tempore.

Republikaner Demokraten Unabhängige
Präsident des Senats

Verfassungsmäßiger Präsident des Senats. Stimmt grundsätzlich nur bei einem Gleichstand mit ab und kann dann die entscheidende Stimme abgeben.

President pro tempore

Vertritt den Vizepräsidenten als Vorsitzenden des Senats. Das Amt wird traditionell vom dienstältesten Senator der Mehrheitspartei ausgeübt.

Mehrheitsführer

Führt die Mehrheitsfraktion und prägt gemeinsam mit ihr die Tagesordnung und den Ablauf der Senatsarbeit.

Majority Whip

Unterstützt den Mehrheitsführer, organisiert Mehrheiten und behält bei wichtigen Abstimmungen die Stimmenlage innerhalb der Fraktion im Blick.

Minderheitsführer

Führt die Minderheitsfraktion, koordiniert ihre politische Strategie und vertritt sie in den Verhandlungen mit der Mehrheit.

Democratic Whip

Unterstützt die Minderheitsführung und koordiniert die Stimmen innerhalb der Fraktion.

Verfassungsrolle

Die wichtigsten Aufgaben des Senats

Neben der normalen Gesetzgebung besitzt der Senat mehrere Befugnisse, die das Repräsentantenhaus nicht hat.

Gesetzgebung

Der Senat berät und beschließt Bundesgesetze. Damit ein Gesetz zum Präsidenten gelangt, müssen Senat und Repräsentantenhaus grundsätzlich denselben Text verabschieden.

„Advice and Consent“

Viele wichtige Ernennungen des Präsidenten benötigen die Zustimmung des Senats – darunter Kabinettsmitglieder, Botschafter und Bundesrichter bis hin zum Supreme Court.

Internationale Verträge

Bei Verträgen besitzt der Senat eine besondere außenpolitische Rolle. Für die Zustimmung zu einer Ratifikation ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Senatoren erforderlich.

Impeachment

Das Repräsentantenhaus erhebt die Anklage. Der Senat führt anschließend das Verfahren durch. Für eine Verurteilung und Amtsenthebung ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Senatoren erforderlich.

Kontrolle & Untersuchungen

Ausschüsse überwachen Bundesbehörden, führen Anhörungen und Untersuchungen durch und prüfen, wie Gesetze und öffentliche Mittel von der Exekutive umgesetzt werden.

Electoral College: Wahl des Vizepräsidenten

Erreicht kein Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Electoral Votes, wählt der Senat aus den beiden stimmenstärksten Kandidaten. Jeder Senator hat eine Stimme; erforderlich ist eine Mehrheit des gesamten Senats. Den Präsidenten wählt in diesem Sonderfall dagegen das Repräsentantenhaus.

Gesetzgebungsverfahren

Wie Repräsentantenhaus und Senat zu einem gemeinsamen Gesetz kommen

Beide Kammern können viele Gesetzesvorlagen auf den Weg bringen. Revenue Bills müssen jedoch im Repräsentantenhaus beginnen; der Senat kann sie anschließend ändern.

1EinbringungEine Vorlage wird in einer der beiden Kammern eingebracht.
2AusschussFachausschüsse prüfen, beraten und verändern den Entwurf.
3Erste KammerRepräsentantenhaus oder Senat stimmt über die Vorlage ab.
4Zweite KammerAuch die andere Kammer berät und beschließt ihre Fassung.
5Gleicher WortlautUnterschiede müssen beseitigt werden, bevor beide Kammern endgültig zustimmen.
6PräsidentDanach folgt Unterschrift oder Veto. Ein Veto kann mit Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern überstimmt werden.
Wenn Repräsentantenhaus und Senat unterschiedliche Fassungen beschließen

Das Conference Committee

Ein Conference Committee ist ein zeitlich begrenzter gemeinsamer Vermittlungsausschuss aus Mitgliedern beider Kammern. Er kann eingesetzt werden, um Unterschiede zwischen einer vom Repräsentantenhaus und einer vom Senat verabschiedeten Fassung auszugleichen – besonders bei umfangreichen oder umstrittenen Vorlagen. Das Ergebnis ist ein Conference Report. Dieser Kompromisstext muss anschließend vom Repräsentantenhaus und vom Senat angenommen werden. Ein Conference Committee ist dabei ein mögliches, aber nicht zwingendes Verfahren; Differenzen können auch auf anderem parlamentarischem Weg bereinigt werden.

Kongress & Präsident

State of the Union und das Verhältnis zur Exekutive

Der Präsident ist kein Mitglied des Kongresses und nimmt nicht an dessen gewöhnlicher parlamentarischer Arbeit teil. Dennoch treffen Legislative und Exekutive an wichtigen Stellen unmittelbar aufeinander.

Checks and Balances

Unterschrift und Veto

Nach Zustimmung beider Kammern gelangt ein Gesetz grundsätzlich zum Präsidenten. Unterzeichnet er es, wird es Gesetz. Legt er sein Veto ein, können Repräsentantenhaus und Senat dieses mit jeweils einer Zweidrittelmehrheit überstimmen.

Wichtig zum Verständnis

Drei Besonderheiten des Senats

Diese Punkte erklären, warum eine rechnerische Mehrheit im Senat nicht automatisch bedeutet, dass jede politische Entscheidung mit 51 Stimmen getroffen werden kann.

60

Filibuster & Cloture

Filibuster: Eine Minderheit kann verhindern, dass die Debatte endet – und damit eine Schlussabstimmung blockieren. Cloture: So heißt der formale Beschluss, diese Debatte zu beenden. Bei normaler Gesetzgebung sind dafür in der Regel 60 Stimmen nötig. Deshalb reicht eine knappe Mehrheit im Senat oft nicht aus, um große Vorhaben allein durchzubringen. Für viele Nominierungen gelten heute andere Regeln; dort genügt meist eine einfache Mehrheit.

Ausschüsse

Ein großer Teil der eigentlichen Arbeit findet in den Ausschüssen statt. Dort werden Gesetzesvorlagen vorbereitet, Anhörungen durchgeführt, Regierungsarbeit kontrolliert und viele Nominierungen zunächst geprüft.

50:50

Der Vizepräsident als Tie-Breaker

Der Vizepräsident gehört nicht zu den 100 Senatoren, ist aber Präsident des Senats. Bei Stimmengleichheit kann er eine entscheidende Stimme abgeben. Deshalb kann selbst ein 50:50-Senat politisch eine Mehrheitsseite haben.

Midterms 2026

Warum die Senatswahl für die politische Macht in Washington entscheidend ist

Weil nur ein Teil der Sitze neu gewählt wird und der Senat zugleich Gesetzgebung, Ernennungen und Kontrolle der Exekutive prägt, kann bereits eine kleine Zahl umkämpfter Rennen weitreichende Folgen haben. Welche Sitze 2026 tatsächlich entscheidend sind, zeigt die aktuelle US-Wahl.de-Prognose.

US-Kongress · Wahlsystem und Aufgaben

Wahl & Aufgaben des Repräsentantenhauses

Was unterscheidet das US-Repräsentantenhaus vom Senat? Der US-Kongress besteht aus zwei Kammern, die gemeinsam Gesetze beschließen, sich aber bei Wahl, Zusammensetzung und besonderen Befugnissen deutlich unterscheiden. Im Repräsentantenhaus richtet sich die Zahl der Sitze eines Bundesstaates nach seiner Bevölkerungszahl. Die 435 stimmberechtigten Abgeordneten vertreten einzelne Congressional Districts und stellen sich alle zwei Jahre vollständig zur Wahl.

435Sitze
1Sitz je District
2Jahre Amtszeit
435alle 2 Jahre zur Wahl
Zweikammersystem

Der Kongress auf einen Blick

Repräsentantenhaus und Senat bilden gemeinsam die Legislative der Vereinigten Staaten. Ein Bundesgesetz benötigt grundsätzlich die Zustimmung beider Kammern zum gleichen Wortlaut.

Merkmal Repräsentantenhaus Senat
Zusammensetzung 435 stimmberechtigte Sitze 100 Sitze
Vertretungsprinzip Sitze nach Bevölkerungszahl, gewählt in Congressional Districts Zwei Sitze je Bundesstaat
Amtszeit 2 Jahre 6 Jahre
Wahlrhythmus Alle 2 Jahre alle 435 Sitze Alle 2 Jahre ungefähr ein Drittel der Sitze
Sitzmehrheit 218 von 435 Sitzen 51 Sitze; bei 50:50 kann der Vizepräsident entscheiden
Besondere Kompetenzen Revenue Bills beginnen hier; Einleitung von Impeachments; Präsidentenwahl im Sonderfall Bestätigungen, Verträge, Impeachment-Verfahren als Gericht
Wahlsystem

So wird das Repräsentantenhaus gewählt

Die Wahl zum Repräsentantenhaus findet nicht bundesstaatenweit statt. Entscheidend sind die einzelnen Congressional Districts, aus denen jeweils genau ein Mitglied hervorgeht.

1

Wahl im Congressional District

Jeder Congressional District vergibt genau einen Sitz. Gewählt wird durch die Wahlberechtigten dieses Districts. Bundesstaaten mit nur einem Sitz bilden einen einzigen bundesstaatenweiten At-Large-District; die konkreten Wahlregeln können sich zwischen den Bundesstaaten unterscheiden.

2

Alle 435 Sitze alle zwei Jahre

Anders als im Senat steht bei jeder regulären Kongresswahl das gesamte Repräsentantenhaus zur Wahl. Dadurch kann sich die politische Mehrheit innerhalb eines einzigen Wahlzyklus vollständig verändern.

3

Apportionment & Redistricting

Nach jeder zehnjährlichen Volkszählung werden die 435 Sitze anhand der Bevölkerungszahlen neu auf die Bundesstaaten verteilt. Staaten mit mehreren Sitzen ziehen anschließend ihre Congressional Districts neu oder passen deren Grenzen an.

Voraussetzungen für Kandidierende
25 JahreMindestalter
7 Jahremindestens US-Staatsbürger
Wohnsitzim vertretenen Bundesstaat zum Zeitpunkt der Wahl
119. Kongress · Stand –

Aktuelle Führung des US-Repräsentantenhauses

Der Speaker ist der institutionelle Vorsitzende des Repräsentantenhauses. Daneben organisieren Majority Leader, Minority Leader und die Whips die parlamentarische Arbeit ihrer Parteien.

Republikaner Demokraten Unabhängiger vakant
Speaker of the House

Wird vom gesamten Repräsentantenhaus gewählt und verbindet institutionelle, administrative und politische Führungsaufgaben. Der Speaker leitet die Kammer und prägt maßgeblich ihre Arbeitsorganisation.

Majority Leader

Führt die Mehrheitsfraktion auf dem House Floor und wirkt zentral an der Planung der Gesetzgebungsagenda und des Sitzungsablaufs mit.

Majority Whip

Unterstützt die Mehrheitsführung, organisiert Stimmen und koordiniert die Fraktion bei wichtigen Abstimmungen.

Minority Leader

Führt die Minderheitsfraktion, vertritt sie auf dem House Floor und koordiniert ihre politische und parlamentarische Strategie.

Minority Whip

Unterstützt die Minderheitsführung und organisiert die Stimmenlage innerhalb der Fraktion vor wichtigen Entscheidungen.

Verfassungsrolle

Die wichtigsten Aufgaben des Repräsentantenhauses

Das Repräsentantenhaus wirkt an der gesamten Bundesgesetzgebung mit. Daneben besitzt es einige besondere Verfassungsbefugnisse und vertritt die Bevölkerung unmittelbar über die Congressional Districts.

Gesetzgebung

Das Repräsentantenhaus berät und beschließt Bundesgesetze. Damit ein Gesetz zum Präsidenten gelangt, müssen Repräsentantenhaus und Senat grundsätzlich denselben Text verabschieden.

Revenue Bills

Gesetzentwürfe zur Erhebung von Einnahmen müssen nach der Verfassung im Repräsentantenhaus beginnen. Der Senat kann solche Vorlagen anschließend beraten und Änderungen vorschlagen.

Impeachment

Nur das Repräsentantenhaus kann auf Bundesebene ein Impeachment einleiten und die Anklage beschließen. Wird ein Amtsträger impeached, findet das eigentliche Verfahren anschließend im Senat statt.

Kontrolle & Untersuchungen

Ausschüsse kontrollieren Bundesbehörden, führen Anhörungen und Untersuchungen durch und prüfen, wie Gesetze und öffentliche Mittel von der Exekutive umgesetzt werden.

Electoral College: Wahl des Präsidenten

Erreicht kein Präsidentschaftskandidat die erforderliche Mehrheit der Electoral Votes, wählt das Repräsentantenhaus aus den drei stimmenstärksten Kandidaten. Dabei stimmt nicht jedes Mitglied einzeln: Jede Bundesstaatsdelegation hat genau eine Stimme. Für die Wahl sind derzeit 26 Bundesstaaten erforderlich.

Vertretung der Congressional Districts

Jedes Mitglied vertritt die Bevölkerung eines bestimmten Districts. Die kurze Amtszeit von zwei Jahren und die vollständige Neuwahl sollen das Repräsentantenhaus besonders eng an die Wählerinnen und Wähler binden.

Gesetzgebungsverfahren

Wie Repräsentantenhaus und Senat zu einem gemeinsamen Gesetz kommen

Beide Kammern können viele Gesetzesvorlagen auf den Weg bringen. Revenue Bills müssen jedoch im Repräsentantenhaus beginnen; der Senat kann sie anschließend ändern.

1EinbringungEine Vorlage wird in einer der beiden Kammern eingebracht.
2AusschussFachausschüsse prüfen, beraten und verändern den Entwurf.
3Erste KammerRepräsentantenhaus oder Senat stimmt über die Vorlage ab.
4Zweite KammerAuch die andere Kammer berät und beschließt ihre Fassung.
5Gleicher WortlautUnterschiede müssen beseitigt werden, bevor beide Kammern endgültig zustimmen.
6PräsidentDanach folgt Unterschrift oder Veto. Ein Veto kann mit Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern überstimmt werden.
Wenn Repräsentantenhaus und Senat unterschiedliche Fassungen beschließen

Das Conference Committee

Ein Conference Committee ist ein zeitlich begrenzter gemeinsamer Vermittlungsausschuss aus Mitgliedern beider Kammern. Er kann eingesetzt werden, um Unterschiede zwischen einer vom Repräsentantenhaus und einer vom Senat verabschiedeten Fassung auszugleichen. Das Ergebnis ist ein Conference Report. Dieser Kompromisstext muss anschließend von beiden Kammern angenommen werden. Ein Conference Committee ist ein mögliches, aber nicht zwingendes Verfahren.

Kongress & Präsident

State of the Union und das Verhältnis zur Exekutive

Der Präsident ist kein Mitglied des Kongresses und nimmt nicht an dessen gewöhnlicher parlamentarischer Arbeit teil. Dennoch treffen Legislative und Exekutive an wichtigen Stellen unmittelbar aufeinander.

Checks and Balances

Unterschrift und Veto

Nach Zustimmung beider Kammern gelangt ein Gesetz grundsätzlich zum Präsidenten. Unterzeichnet er es, wird es Gesetz. Legt er sein Veto ein, können Repräsentantenhaus und Senat dieses mit jeweils einer Zweidrittelmehrheit überstimmen.

Wichtig zum Verständnis

Vier Besonderheiten des Repräsentantenhauses

Die Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich vom Senat. Besonders wichtig sind die strafferen Debattenregeln, die Bedeutung der Wahlkreisgrenzen, zusätzliche Delegierte ohne volles Stimmrecht und der Umgang mit vakanten Sitzen.

REGEL

Debattenregeln statt Filibuster

Im Repräsentantenhaus kann die Mehrheit die Behandlung großer Gesetzesvorlagen deutlich stärker strukturieren als im Senat. Häufig legt eine vom Rules Committee vorbereitete „special rule“ fest, wie lange debattiert wird und welche Änderungsanträge zulässig sind. Eine mit dem Senats-Filibuster vergleichbare 60-Stimmen-Hürde zur Beendigung der Debatte gibt es im normalen House-Verfahren nicht.

435

Districts & Wahlkreisgrenzen

Die Mehrheit im Repräsentantenhaus entsteht aus 435 einzelnen District-Wahlen. Nach dem Census werden Sitze neu auf die Bundesstaaten verteilt und Wahlkreisgrenzen angepasst. Der Zuschnitt kann deshalb erheblichen Einfluss auf die Zahl wettbewerbsfähiger Sitze haben.

6

Delegierte ohne volles Stimmrecht

Neben den 435 stimmberechtigten Abgeordneten gehören fünf Delegierte sowie der Resident Commissioner aus Puerto Rico zum Repräsentantenhaus. Sie vertreten Washington, D.C. und US-Territorien und können unter anderem in Ausschüssen mitarbeiten und abstimmen. Wenn das Repräsentantenhaus als Plenum entscheidet, haben sie jedoch kein Stimmrecht.

WAHL

Vakante Sitze werden nachgewählt

Ein freier Sitz im Repräsentantenhaus wird nicht einfach durch eine Ernennung besetzt. Die Verfassung verlangt eine Wahl zur Nachbesetzung. Bei knappen Mehrheiten können Vakanzen deshalb vorübergehend spürbaren Einfluss auf die tatsächliche Sitzverteilung haben.

Midterms 2026

Warum die Repräsentantenhauswahl für die Macht in Washington entscheidend ist

Weil alle 435 Sitze gleichzeitig zur Wahl stehen, kann sich die Mehrheit im Repräsentantenhaus innerhalb eines einzigen Wahlabends verändern. Schon wenige umkämpfte Congressional Districts können darüber entscheiden, welche Partei Gesetzgebung, Ausschüsse und die politische Agenda der Kammer kontrolliert.

Kongresswahlen 2026 · Repräsentantenhaus

Prognose und Weg zur Mehrheit

Welche Congressional Districts entscheiden die Mehrheit bei den Midterms 2026? Die US-Wahl.de-Prognose zeigt sichere Sitze, Tendenzen und offene Wahlkreise – und welche Wege Demokraten und Republikaner zur Mehrheit von 218 Sitzen im US-Repräsentantenhaus führen.

Prognose und Gesamteinschätzung

Bei 435 Sitzen liegt die Mehrheit im Repräsentantenhaus bei 218. Die US-Wahl.de-Gesamteinstufung ordnet alle Congressional Districts als sicher, mit Tendenz oder offen ein und zeigt damit den aktuellen Prognosestand für die Mehrheitsfrage.

Demokraten
Noch offen
Republikaner
Demokratische SitzeMehrheit: 218Republikanische Sitze
Sicher Demokraten Tendenz Demokraten Offen Tendenz Republikaner Sicher Republikaner
US-Wahl.de-Gesamteinstufung: gleich gewichtete Race Ratings von Cook Political Report, Inside Elections und Sabato's Crystal Ball. Maßgeblich ist die mittlere der drei Bewertungen (Median); daraus entsteht die gemeinsame Einstufung „Sicher“, „Tendenz“ oder „Offen“.

Ausgangslage und der Weg zur Mehrheit

Ausgangspunkt ist die aktuelle Sitzverteilung im Repräsentantenhaus. Wie viele Sitze die Parteien bis zur Mehrheit benötigen, wird aus der aktuellen Sitzverteilung im Kongress berechnet. Welche Districts dafür entscheidend sind, zeigt anschließend die US-Wahl.de-Gesamteinstufung.

iNetto
Netto-Sitzgewinn

Gewonnene Sitze der anderen Partei werden mit eigenen verlorenen Sitzen verrechnet. Gewinnen die Demokraten zum Beispiel acht republikanische Sitze, verlieren aber drei eigene, beträgt ihr Nettozuwachs +5.

Demokraten aktuellDaten werden geladen …
Mehrheit218Ziel für beide Parteien
Republikaner aktuellDaten werden geladen …
Weitere aktuelle Sitze werden geladen …

Umkämpfte Sitze

Aufgeführt sind alle Districts, die derzeit als offen oder mit Tendenz bewertet sind sowie sichere prognostizierte Wechsel. Eine farblich hervorgehobene Änderungsmarkierung zeigt sofort, wenn sich die US-Wahl.de-Gesamteinstufung gegenüber dem vorherigen Datenstand verändert hat.

Erforderliche Sitzgewinne für Mehrheitswechsel
Aktuell gehalten von
Für die Demokraten entscheidend
Notwendiges Ergebnis
US-Wahl.de-Gesamteinstufung
Stand –
Nettozuwachs
– SitzeAktueller Inhaber → US-Wahl.de-Gesamteinstufung
House-Prognose wird geladen …
Keine Sitze entsprechen diesem Filter.
Änderungen: Markiert wird nur, wenn sich die berechnete US-Wahl.de-Kategorie gegenüber dem vorherigen Datenstand der Gesamteinstufung verändert hat. Reine Änderungen innerhalb einer Quellenskala, die die US-Wahl.de-Gesamteinstufung nicht verändern, werden nicht hervorgehoben.
US-Repräsentantenhauswahl 2026

Alle Congressional Districts im Überblick

Wie verteilen sich die 435 Wahlkreise im US-Repräsentantenhaus – und wo liegen Demokraten oder Republikaner vorn? Hier findet ihr alle Congressional Districts nach Bundesstaat mit Kartenansicht, aktuellen Sitzinhabern, Kandidaturen für 2026 und der US-Wahl.de-Gesamteinstufung.

Congressional Districts nach Bundesstaat

Die Ausgangskarte zeigt alle Congressional Districts. Über den Auswahlschalter lässt sich zwischen der aktuellen US-Wahl.de-Gesamteinstufung und der heutigen tatsächlichen Sitzverteilung wechseln. In dieser ersten Ebene wird ausschließlich der Bundesstaat ausgewählt. Erst im anschließend geöffneten Kartenfenster lassen sich einzelne Districts aufrufen.

1. Bundesstaat auswählen
2. District im Kartenfenster öffnen
Kartenansicht
District-Karte wird geladen …
Sicher DemokratenTendenz DemokratenOffenTendenz RepublikanerSicher Republikaner

Alle 435 Congressional Districts

Die Liste lässt sich nach heutiger Parteizugehörigkeit des Sitzes, Bundesstaat und US-Wahl.de-Gesamteinstufung filtern. Prognostizierte Wechsel und Veränderungen gegenüber dem vorherigen Datenstand können zusätzlich hervorgehoben werden.

Aktuell gehalten von
Bundesstaat
Gesamteinstufung
Zusatzfilter
435 SitzeSortierung: Bundesstaat · District
DistrictAktueller InhaberKandidat DKandidat RGesamteinstufungHinweis
District-Daten werden geladen …
Keine Congressional Districts entsprechen diesen Filtern.
Datenlogik: Die Parteizugehörigkeit bezeichnet den heutigen Sitzinhaber. Die Kartenfarbe und die Spalte „Gesamteinstufung“ zeigen dagegen die aktuelle US-Wahl.de-Prognose für die Wahl 2026. Bei neu zugeschnittenen Districts kann es keinen eindeutig zuordenbaren heutigen Amtsinhaber geben.
US-Präsidentschaftswahl 2028

Prognose und interaktive Wahlkarte

Welche Bundesstaaten entscheiden die US-Präsidentschaftswahl 2028? Die interaktive Wahlkarte zeigt den aktuellen Stand der prognostizierten Verteilung im Electoral College und welche Wege Demokraten und Republikaner zu den nötigen 270 Wahlleuten führen.

Interaktive Wahlkarte

Erklärung
So funktioniert die Karte:
Ein Klick auf einen Bundesstaat verändert den Status von: offen zu Tendenz Demokraten zu Sicher Demokraten, zu Tendenz Republikaner, zu Sicher Republikaner.

Splitting the Vote:
Maine (ME) und Nebraska (NE) vergeben jeweils Electoral Votes / Wahlleute an den Gesamtsieger des jeweiligen Bundesstaats. Zusätzlich erhält der Gewinner jedes Kongresswahlkreises (Congressional District, kurz CD) eine weitere Electoral Vote. Deshalb können ihre Stimmen separat für ME-1, ME-2 sowie NE-1, NE-2 und NE-3 eingestellt werden.

Bundesstaaten anklicken, eigene Wahlszenarien durchspielen und direkt sehen, wie sich der Weg zu 270 Wahlleuten im Electoral College verändert.

Demokraten
0
Noch 270 bis zur Mehrheit
Offen
538
Republikaner
0
Noch 270 bis zur Mehrheit
Sicher Demokraten Tendenz Demokraten Offen Tendenz Republikaner Sicher Republikaner
Prognose wird geladen ...
Karte wird geladen …
Übrige Bundesstaaten an der Ostküste und Hawaii
Splitting the Votes – Nebraska und Maine

Welche Bundesstaaten führen zum Wahlsieg

Die Siegkombinationen werden automatisch anhand der offenen Bundesstaaten aus der Wahlkarte berechnet, sobald 15 oder weniger Bundesstaaten als offen markiert sind. Sobald eine Siegkombination die Schwelle von 270 erreicht, werden diesem Pfad keine weiteren Bundesstaaten mehr angehängt.

Siegkombinationen

Demokraten · 18 Kombinationen
PAWI
277
PAGA
283
GAWINV
280
15 weitere Siegkombinationen anzeigen
PAAZNV
284
Republikaner · 15 Kombinationen
PAGA
285
GAWI
276
WIAZNV
277
12 weitere Siegkombinationen anzeigen
PANVME-02
276
Mögliche Patt-Konstellationen im Electoral College
PAWI
269 : 269
GANE-02
Demokraten248 Wahlleute
Muss zwingend gewonnen werden
Pennsylvania 19Wisconsin 10
In keiner Siegkombination erforderlich
Nevada 6ME-02 1
Republikaner250 Wahlleute
Muss zwingend gewonnen werden
Georgia 16
In keiner Siegkombination erforderlich
Nevada 6NE-02 1
Aktuelle Analyse

Analysen zur Präsidentschaftswahl 2028

Die ersten Analysen zur Präsidentschaftswahl 2028 erscheinen hier mit Beginn der Vorwahlen.

US-Senatswahl 2026 · Klasse II

Umkämpfte Sitze – Umfragen & Trends

Welche Senatssitze sind bei den Midterms 2026 besonders umkämpft? Hier findet ihr aktuelle Umfragen, Kandidaten und Trends in den entscheidenden Senatsrennen der Klasse II – mit Schnellübersicht und historischer Einordnung.

Schnellübersicht

Aktueller Vorsprung in allen offenen und mit Tendenz eingestuften Senatsrennen.

Sitze im Detail

Umfragen nach Senatsrennen

Amtsinhaber
Weitere Senatsrennen – derzeit sicher
BundesstaatDemokratenRepublikanerStatus
Daten werden geladen …
US-Präsidentschaftswahl 2028

Swing States – Umfragen & Trends

Wie entwickeln sich die Umfragen in den entscheidenden Bundesstaaten der US-Wahl 2028? Hier findet ihr künftig aktuelle Umfragen und Trends in den wichtigsten Swing States. Die Veröffentlichung beginnt voraussichtlich nach den Vorwahlen, wenn die Kandidierenden feststehen.

Schnellübersicht

Aktueller Vorsprung in allen ausgewählten Bundesstaaten.

Nationale Umfragen – Stimmungsindikator

Kandidat D
Kandidat R
Durchschnitt wird berechnet …
Durchschnittsverlauf · 120 TageKandidat DKandidat R

Aktueller Durchschnitt: je Institut nur die neueste Umfrage; Umfrage nicht älter als einen Monat.

Einzelumfragen anzeigen
Bundesstaaten im Detail

Aktuelle Umfragen nach Bundesstaat

Wissenswertes · Wahlumfragen in den USA

10 Hinweise zur Einordnung von Umfragen

Wie zuverlässig sind Wahlumfragen in den USA – und wie lassen sie sich richtig einordnen? Umfragen gehören zu den wichtigsten Instrumenten, um die Stimmung in einem Wahlkampf zu erfassen. Sie können Trends sichtbar machen, Kampagnen beeinflussen und zeigen, wo ein Wahlausgang besonders eng wird. Sie sind aber keine vollständige Vorhersage des Wahlergebnisses.

Wer Umfragen sinnvoll nutzen will, sollte deshalb nicht nur auf den aktuellsten Prozentwert schauen. Entscheidend sind unter anderem die Ebene der Umfrage, die Befragtengruppe, die Methode, die Fehlerspanne und vor allem die Entwicklung über mehrere Erhebungen hinweg.

Grundregel: Je knapper ein Rennen ist, desto weniger sollte ein einzelner Umfragewert als eindeutige Führung gelesen werden. Aussagekräftiger sind Durchschnitt, Trend und die Unsicherheit der Messung.
1

Nationale Umfragen richtig einordnen

Landesweite Umfragen sind nicht bedeutungslos – aber ihre Aussage hängt von der jeweiligen Wahl ab. Bei Präsidentschaftswahlen zeigen sie vor allem die landesweite Stimmung und geben Hinweise auf den Popular Vote. Über den Sieger im Electoral College entscheiden sie jedoch nicht direkt.

Bei Wahlen zum Repräsentantenhaus kann der Generic Congressional Ballot das nationale politische Umfeld abbilden. Auch daraus lässt sich aber nicht unmittelbar ableiten, wie viele der 435 Sitze eine Partei gewinnt. Beim Senat ist ein nationaler Durchschnitt noch weniger geeignet, weil nur ein Teil der Sitze gleichzeitig und jeweils bundesstaatenweise gewählt wird.

2

Die passende Wahlebene ist entscheidend

Für die Einschätzung eines konkreten Wahlausgangs muss die Umfrage zur Ebene passen, auf der tatsächlich entschieden wird: bei der Präsidentschaftswahl vor allem der einzelne Bundesstaat, bei Senatswahlen ebenfalls der Bundesstaat und beim Repräsentantenhaus der jeweilige Congressional District.

Bei der Präsidentschaftswahl werden die Electoral Votes in fast allen Bundesstaaten nach dem Prinzip „winner takes all“ vergeben. Maine und Nebraska bilden mit ihrer Aufteilung nach landesweitem Ergebnis und Congressional Districts die Ausnahme.

3

Umfragen sind Momentaufnahmen – keine Wahlergebnisse

Eine Umfrage misst die Stimmung während ihres Erhebungszeitraums. Je weiter der Wahltag entfernt ist, desto größer ist die Möglichkeit, dass sich Kandidatenpräferenzen, Mobilisierung und politische Rahmenbedingungen noch verändern.

Auch kurz vor der Wahl bleibt eine Umfrage eine Schätzung. Sie kann zeigen, welches Ergebnis unter den zum Zeitpunkt der Befragung herrschenden Bedingungen plausibel erscheint – nicht, welches Ergebnis sicher eintreten wird.

4

Die Qualität einer Umfrage prüfen

Nicht jede veröffentlichte Umfrage ist gleich aussagekräftig. Wichtig sind unter anderem Stichprobenauswahl, Gewichtung, Erhebungsart, Stichprobengröße, Befragtengruppe, Feldzeit und die Transparenz, mit der ein Institut seine Methode offenlegt.

Eine große Stichprobe allein garantiert noch keine gute Umfrage. Entscheidend ist, ob die Befragten die relevante Wählerschaft möglichst gut abbilden und ob erkennbare Verzerrungen methodisch angemessen berücksichtigt werden.

US-Wahl.de orientiert sich bei der Auswahl der verwendeten Institute zusätzlich am Pollster-Rating von Silver Bulletin (Nate Silver) ↗. Das Rating bewertet unter anderem die historische Genauigkeit und Transparenz der Institute und dient als zusätzliche Orientierung bei der Auswahl.

5

Entwicklungen derselben Quelle vergleichen

Für die Beurteilung eines Trends ist der Vergleich aufeinanderfolgender Umfragen desselben Instituts oft hilfreicher als der direkte Vergleich zweier verschiedener Institute. Unterschiedliche Häuser verwenden unterschiedliche Stichproben, Gewichtungen und Modelle – dadurch können sich dauerhaft leicht unterschiedliche Niveaus ergeben.

Beispiel:
Quelle A · 13. Jan. – Kandidat X +1 %
Quelle B · 07. Jan. – Kandidat X +3 %
Quelle C · 03. Jan. – Kandidat X +6 %
Quelle D · 01. Jan. – Kandidat X +7 %
Quelle A · 22. Dez. – Kandidat Y +3 %
Quelle B · 19. Dez. – Gleichstand

Von Quelle D zu A wirkt die Entwicklung für Kandidat X zunächst negativ. Der aussagekräftigere Vergleich innerhalb derselben Institute zeigt jedoch das Gegenteil: Bei A verbessert sich X von −3 auf +1, bei B vom Gleichstand auf +3. Für die Trendbewertung ist deshalb vor allem die Entwicklung derselben Quelle entscheidend.
6

Durchschnittswerte sind robuster als Einzelumfragen

Einzelne Umfragen können zufällig höher oder niedriger ausfallen. Ein Durchschnitt aus mehreren aktuellen Erhebungen reduziert den Einfluss solcher Ausreißer und vermittelt deshalb meist ein stabileres Bild der aktuellen Lage.

Auch ein Durchschnitt ist jedoch keine Garantie. Wenn mehrere Institute einen ähnlichen systematischen Fehler machen, kann sich dieser auch im Mittelwert wiederfinden. Deshalb sollte zusätzlich auf die Entwicklung und auf die Methodik der zugrunde liegenden Umfragen geachtet werden.

7

Die Fehlerspanne richtig lesen

Seriöse Umfragen weisen in der Regel eine Margin of Error beziehungsweise eine vergleichbare statistische Unsicherheit aus. Sie beschreibt vor allem, wie stark ein Stichprobenergebnis allein durch die Auswahl einer begrenzten Zahl von Befragten schwanken kann.

Beispiel: Kandidat A liegt bei 47 %, Kandidat B bei 53 %, die ausgewiesene Fehlerspanne beträgt ±4 Punkte für jeden einzelnen Wert. Vereinfacht liegen die einzelnen Schätzbereiche damit bei etwa 43–51 % beziehungsweise 49–57 %. Die Bereiche überschneiden sich. Bei einem Wahlergebnis, das Kandidat A als Sieger hervorbringt, dürfte man also nicht sagen, dass die Umfrage „falsch“ war. Die hohe Abweichung lag immer noch innerhalb der Fehlertoleranz.
8

Wer wurde überhaupt befragt?

Bei US-Umfragen gibt es regelmäßig unterschiedliche Befragtengruppen. Sie dürfen nicht miteinander verwechselt werden.

All Adults (A)Erwachsene unabhängig davon, ob sie registriert sind oder bei der nächsten Wahl tatsächlich abstimmen.
Registered Voters (RV)Als Wähler registrierte Personen. Diese Gruppe ist für Wahlabsichten meist relevanter als die Gesamtheit aller Erwachsenen.
Likely Voters (LV)Personen, die ein Institut nach seinem eigenen Modell als wahrscheinliche Wähler einstuft. Dafür können Selbstauskunft, frühere Wahlteilnahme und weitere Merkmale verwendet werden.

Gerade nahe am Wahltag sind LV-Modelle besonders interessant. Allerdings existiert kein einheitliches Verfahren – verschiedene Institute können dieselbe Person unterschiedlich als wahrscheinlichen Wähler bewerten.

9

Institut und Auftraggeber mitlesen

Wer eine Umfrage durchgeführt und wer sie finanziert oder in Auftrag gegeben hat, gehört zur Einordnung dazu. Eine parteinahe oder von einer Kampagne beauftragte Umfrage ist nicht automatisch unbrauchbar – sie sollte aber besonders transparent dokumentiert sein und im Zusammenhang mit unabhängigen Erhebungen betrachtet werden.

Zur Qualitätsprüfung gehören deshalb nicht nur die Prozentwerte, sondern auch Angaben zu Auftraggeber, Methode, Stichprobe, Feldzeit und genauer Fragestellung.

10

Den Zeitpunkt der Erhebung beachten

Entscheidend ist nicht nur das Veröffentlichungsdatum, sondern vor allem, wann die Interviews geführt wurden. Eine heute veröffentlichte Umfrage kann eine Stimmung abbilden, die bereits mehrere Tage alt ist.

Debatten, Skandale, wirtschaftliche Nachrichten oder internationale Krisen können kurzfristig Ausschläge auslösen. Deshalb sollte ein einzelner Sprung nicht vorschnell als dauerhafte Verschiebung interpretiert werden. Erst weitere Umfragen zeigen, ob daraus ein stabiler Trend entsteht.

2016Was die Wahl über Umfragen lehrt
Praxisbeispiel

Lagen die Umfragen 2016 wirklich daneben?

Die Präsidentschaftswahl 2016 gilt bis heute häufig als Beispiel dafür, dass Wahlumfragen unzuverlässig seien. Das verbreitete Bild eines allgemeinen Umfrageversagens greift jedoch zu kurz. Ein genauerer Blick zeigt vielmehr, warum Umfragen richtig eingeordnet werden müssen.

Landesweite Umfragen: Kurz vor der Wahl führte Hillary Clinton vor Donald Trump im Durchschnitt der nationalen Umfragen mit gut 3 Prozentpunkten. Tatsächlich erhielt Clinton landesweit fast drei Millionen Stimmen mehr und gewann den Popular Vote mit einem Vorsprung von 2,1 Prozentpunkten. Die nationalen Umfragen hatten die landesweite Stimmenverteilung damit grundsätzlich richtig erfasst. Sie beantworteten aber nicht die entscheidende Frage, wer im Electoral College gewinnen würde.

Die entscheidenden Bundesstaaten: Betrachtet man die 15 Swing States im weiteren Sinne, die US-Wahl.de vor der Wahl besonders beobachtete, ergibt sich ein differenziertes Bild:

  • Florida, Ohio, North Carolina, Iowa, Arizona und Georgia: offene Rennen mit leichter Tendenz zu Donald Trump – Trump gewann alle sechs Staaten.
  • Virginia, New Mexico und Minnesota: die Umfragen sahen Hillary Clinton vorne – Clinton gewann alle drei.
  • Colorado und New Hampshire: offene Rennen mit leichter Tendenz zu Clinton – Clinton gewann beide.
  • Nevada: offenes Rennen mit leichter Tendenz zu Trump – Clinton gewann.
  • Pennsylvania und Michigan: offene Rennen mit leichter Tendenz zu Clinton – Trump gewann.
  • Wisconsin: die Umfragen deuteten auf einen Sieg Clintons hin – Trump gewann.

Damit zeigten die Umfragen in 11 der 15 betrachteten Staaten die richtige Siegtendenz. In drei weiteren Staaten erkannten sie ein enges Rennen, die knappe Tendenz wies aber zum späteren Verlierer. Wisconsin war der deutlichste Fall, in dem auch die Einschätzung des Rennens selbst zu sicher in die falsche Richtung zeigte. Nach der damaligen Auswertung von US-Wahl.de betrug die durchschnittliche Abweichung zwischen Umfragewerten und tatsächlichem Ergebnis in diesen 15 Staaten rund 2,9 Prozentpunkte.

Die Lehre aus 2016: Ein kleiner Umfragevorsprung darf nicht mit einer sicheren Führung gleichgesetzt werden. Gerade bei knappen Rennen müssen Durchschnittswerte, Fehlerspanne, Trend und die richtige geografische Ebene gemeinsam betrachtet werden. Das eigentliche Problem von 2016 war daher weniger ein flächendeckendes Versagen der Umfragen als ihre häufig zu vereinfachte öffentliche Interpretation.
Schnellcheck

Fünf Fragen vor jeder Interpretation

1. Welche Ebene?National, Bundesstaat oder Congressional District?
2. Wer wurde befragt?Adults, Registered Voters oder Likely Voters?
3. Wann wurde gefragt?Feldzeit und politische Ereignisse beachten.
4. Wie wurde gefragt?Methode, Stichprobe, Gewichtung und Transparenz prüfen.
5. Was zeigt der Trend?Durchschnitt und Entwicklung sind wichtiger als ein Ausreißer.
Methodische Grundlagen

Weiterführende Quellen

Für die methodische Einordnung orientiert sich diese Übersicht unter anderem an Erläuterungen der American Association for Public Opinion Research (AAPOR), des Pew Research Center und des Roper Center for Public Opinion Research.

Wissenswertes · US-Wahlsystem

Gerrymandering – Parteistrategie beim Wahlkreiszuschnitt

Was ist Gerrymandering und wie können Wahlkreisgrenzen die politischen Mehrheiten in den USA verändern? Bei Wahlen zum US-Repräsentantenhaus entscheidet nicht nur, wie viele Menschen eine Partei wählen. Entscheidend ist auch, wo diese Stimmen liegen und wie die Grenzen der Congressional Districts gezogen sind. Genau hier setzt Gerrymandering an.

Jeder Congressional District entsendet genau ein Mitglied in das US-Repräsentantenhaus. Vergeben wird der Sitz nach Mehrheitswahlrecht im District: Wer die meisten Stimmen erhält, gewinnt den Sitz. Die Bundesstaaten entscheiden jedoch über den territorialen Zuschnitt ihrer Congressional Districts. Dadurch können sie erheblichen Einfluss darauf nehmen, wie sich ein Stimmenverhältnis in Sitze übersetzt.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass die Parteien in den USA sehr detaillierte Erkenntnisse darüber haben, wie und wo abgestimmt wird – aus früheren Wahlergebnissen, aus Bevölkerungsdaten und oft auch aus Umfragen. Genau dieses Wissen macht strategisches Redistricting überhaupt erst möglich.

Kurz erklärt: Gerrymandering bezeichnet den strategischen Zuschnitt von Wahlkreisen, um einer Partei oder einer bestimmten Wählergruppe einen politischen Vorteil zu verschaffen. Die Zahl der Stimmen bleibt gleich – ihre Verteilung auf die Wahlkreise ändert sich.
Der Ausgangspunkt

Warum werden Wahlkreise überhaupt neu zugeschnitten?

Die 435 Sitze des Repräsentantenhauses werden nach der alle zehn Jahre stattfindenden Volkszählung neu auf die 50 Bundesstaaten verteilt. Dieser Vorgang heißt Apportionment. Bundesstaaten mit mehreren Sitzen legen anschließend die Grenzen ihrer Congressional Districts fest oder passen sie an – das Redistricting.

CensusDie Bevölkerung wird im Zehnjahresrhythmus erfasst.
Apportionment435 Sitze werden nach Bevölkerungszahl auf die Staaten verteilt.
RedistrictingBundesstaaten mit mehreren Sitzen ziehen ihre Wahlkreisgrenzen.
WahlIn jedem District wird genau ein Mitglied des Repräsentantenhauses gewählt.

Wichtig: Redistricting ist ein notwendiger und regulärer Vorgang. Von Gerrymandering spricht man erst, wenn der Zuschnitt gezielt dazu genutzt wird, politische Machtverhältnisse zu beeinflussen.

Das Grundprinzip

Warum können Stimmen eine ungleiche Wirkung haben?

In Einmandatswahlkreisen zählt am Ende nur, wer den jeweiligen District gewinnt. Deshalb können gleiche Stimmenmengen sehr unterschiedlich wirken – je nachdem, wo sie liegen.

Verfallene Stimmen Alle Stimmen für die unterlegene Partei in einem District bringen dort keinen Sitzgewinn.
Überzählige Stimmen Auch Stimmen, die weit über das zum Sieg notwendige Maß hinausgehen, erzeugen keinen zusätzlichen Sitz.
Vereinfachtes Beispiel
59 : 41Stimmen

Erhält Blau in einem District 59 Stimmen und Rot 41 Stimmen, gewinnt Blau den Sitz. Die 41 roten Stimmen verfallen. Zugleich wären für Blau bereits 51 Stimmen zum Sieg ausreichend gewesen – 8 blaue Stimmen sind damit überzählig.

Der entscheidende Gedanke: Beim Gerrymandering geht es darum, die zu erwartenden verfallenen und überzähligen Stimmen beim Neuzuschnitt der Wahlkreise möglichst effizient zum eigenen Nutzen und zum Nachteil des politischen Gegners auszunutzen.

Das Kernproblem

Gleiche Stimmen – unterschiedliche Sitze

In allen vier Darstellungen bleibt die Ausgangslage identisch: ein fiktiver Bundesstaat mit 60 % Blau und 40 % Rot. Nur der Zuschnitt der Districts verändert sich.

Ausgangslage

60:40-Stimmenverteilung in einem fiktiven Bundesstaat. Noch sind keine Wahlkreisgrenzen für die Congressional Districts gezogen.

Gesamtstimmen: Blau 60 % · Rot 40 %

Mögliches 3:2-Ergebnis

Die Sitzverteilung von 3:2 für Blau entspricht dem Stimmenverhältnis von 60:40 %.

Sitze: Blau 3 · Rot 2

Rot entscheidet über Wahlkreiszuschnitt

2:3-Ergebnis. Die Sitzverteilung von 2:3 widerspricht dem Stimmenverhältnis von 60:40 %, ist aber dennoch korrekt.

Sitze: Blau 2 · Rot 3

Blau entscheidet über Wahlkreiszuschnitt

5:0-Ergebnis. Die Sitzverteilung von 5:0 widerspricht dem Stimmenverhältnis von 60:40 %, ist aber dennoch korrekt.

Sitze: Blau 5 · Rot 0

Worauf es ankommt: Die Gesamtzahl der Stimmen ändert sich nicht. Nur durch neue Grenzziehungen kann sich die Sitzverteilung teils massiv verschieben. Wahlkreise können also grundsätzlich so zugeschnitten werden, dass sie einer Partei gezielt nützen. Zugleich ist nicht jede vom Gesamtverhältnis 60:40 % abweichende Sitzverteilung automatisch manipulativ: Auch sachliche, geographische oder demographische Faktoren können dazu führen, dass einzelne Districts anders zusammengesetzt sind.

Die zwei klassischen Methoden

Die zwei klassischen Methoden des Gerrymandering

blaue Stimmen
rote Stimmen
überzählige Stimmen
verfallene Stimmen

Packing – Rot bündelt blaue Stimmen in Hochburgen

Beim Packing verschiebt Rot blaue Wähler so, dass Blau zwar noch einige Districts gewinnt, dort aber mit unnötig großen Mehrheiten. Die blauen Überhänge fehlen anschließend in mehreren anderen Districts.

Von

District 1Blau 7 : Rot 3
Blau gewinnt deutlich. Zwei blaue Stimmen sind hier bereits überzählig.
District 2Blau 6 : Rot 4
Knapperer blauer Sieg – dieser District ist für Blau noch effizient.
District 3Blau 6 : Rot 4
Noch ein effizienter blauer Sieg mit nur einer überzähligen Stimme.
District 4Blau 6 : Rot 4
Auch hier gewinnt Blau knapp genug, um weitere Sitze zu maximieren.
District 5Blau 4 : Rot 6
Rot gewinnt diesen District; vier blaue Stimmen verfallen.
Ausgangslage: Blau gewinnt 4 Districts, Rot 1. Blau holt viele Sitze, weil seine Stimmen noch relativ effizient verteilt sind.

Zu

District 1Blau 9 : Rot 1
Blau gewinnt extrem deutlich. Vier blaue Stimmen sind überzählig.
District 2Blau 8 : Rot 2
Auch hier gewinnt Blau klar. Drei weitere blaue Stimmen sind überzählig.
District 3Blau 4 : Rot 6
Die hier fehlenden blauen Stimmen hätten ausreichen können, um den District zu kippen.
District 4Blau 4 : Rot 6
Rot gewinnt knapp – weil zusätzliche blaue Stimmen in den Hochburgen gebündelt wurden.
District 5Blau 4 : Rot 6
Dritter knapper roter Sieg. Aus Blau 4 : Rot 1 wird Blau 2 : Rot 3.
Folge: Aus Blau 4 : Rot 1 wird Blau 2 : Rot 3. Besonders in 9:1 und 8:2 werden blaue Stimmen überzählig – und fehlen dann in den drei knappen Niederlagen.
Politische Logik: Packing ist für Rot sinnvoll, wenn blaue Hochburgen in wenige sehr sichere Districts gedrängt werden sollen. Blau behält dann zwar einige klare Siege, verliert aber mehrere Sitze im übrigen Kartenbild.

Cracking – Rot spaltet ein blaues Gebiet auf

Beim Cracking zerlegt Rot ein zusammenhängendes oder kompaktes blaues Wählergebiet. Statt einige wenige Districts mit blauer Mehrheit zuzulassen, werden blaue Stimmen auf mehrere rote Districts verteilt. Dadurch verfallen sie dort jeweils knapp.

Von

District 1Blau 6 : Rot 4
Das blaue Gebiet reicht hier für einen eigenen Sitz.
District 2Blau 6 : Rot 4
Ein zweiter blauer District aus demselben Schwerpunktgebiet.
District 3Blau 6 : Rot 4
Auch hier hätte Blau noch eine knappe, aber ausreichende Mehrheit.
District 4Blau 3 : Rot 7
Rot gewinnt deutlich.
District 5Blau 3 : Rot 7
Ein weiterer klar roter District.
Ausgangslage: Blau gewinnt 3 Districts, Rot 2. Die blaue Wählerschaft ist noch kompakt genug, um mehrere Sitze zu erringen.

Zu

District 1Blau 8 : Rot 2
Ein Teil der blauen Stimmen wird in einem verbleibenden blauen District gebündelt.
District 2Blau 4 : Rot 6
Die übrigen blauen Stimmen werden in rote Districts hineingezogen.
District 3Blau 4 : Rot 6
Hier reicht es ebenfalls nicht mehr für Blau.
District 4Blau 4 : Rot 6
Noch ein knapper roter Sieg durch die Zerstreuung der blauen Stimmen.
District 5Blau 4 : Rot 6
Die zerstreuten blauen Stimmen verfallen nun in mehreren Districts gleichzeitig.
Folge: Aus Blau 3 : Rot 2 wird Blau 1 : Rot 4. Anders als beim Packing werden die blauen Stimmen hier nicht nur in Hochburgen gebündelt, sondern vor allem auf mehrere rote Districts verteilt, wo sie jeweils knapp verlieren.
Politische Logik: Cracking ist für Rot nützlich, wenn ein eigentlich konkurrenzfähiges blaues Gebiet aufgespalten werden soll. So entstehen mehrere knappe rote Siege, statt dass Blau eigene Districts gewinnt.
Strategien in der Praxis

Wie Parteien tatsächlich vorgehen

Parteien beschränken sich nicht darauf, nur Packing oder nur Cracking zu betreiben. In der Praxis geht es darum, die gesamte Karte zu optimieren: sichere Sitze absichern, knappe Rennen verschieben und dabei bewusst Risiken einzugehen.

1
Sichere Sitze absichernEigene Mehrheiten werden so verteilt, dass aus wahrscheinlichen Rennen möglichst sichere Siege werden.
2
Offene Sitze angreifenEigene Hochburgen werden teilweise ausgedünnt, damit zusätzliche Stimmen in Kopf-an-Kopf-Rennen oder gegnerische Wahrscheinlichkeits-Sitze fließen.
3
Risiko bewusst steuernWer neue Sitze gewinnen will, muss oft in Kauf nehmen, dass eigene sichere Mehrheiten etwas kleiner werden.
4
Gesamtkarte optimierenEntscheidend ist nicht jeder einzelne District, sondern wie viele Sitze am Ende aus der gesamten Karte herausgeholt werden.
Zuständigkeit

Wer zieht die Grenzen?

Die Regeln unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Häufig sind die Parlamente der Bundesstaaten beteiligt; in anderen Staaten arbeiten unabhängige oder parteiübergreifende Kommissionen. Zusätzlich greifen Gerichte ein, wenn Karten gegen staatliches oder Bundesrecht verstoßen.

Deshalb ist Gerrymandering kein einheitlicher Vorgang, der überall nach denselben Regeln funktioniert.

Politische Wirkung

Warum ist das so bedeutsam?

Ein günstiger Zuschnitt kann nicht nur einzelne Sitze beeinflussen. Er kann auch die Zahl wirklich wettbewerbsfähiger Districts verringern, Amtsinhaber absichern und darüber mitentscheiden, welche Partei eine Mehrheit im Repräsentantenhaus erreicht.

Das Prinzip betrifft außerdem Wahlkreise auf Ebene der Bundesstaaten – nicht nur die 435 Congressional Districts.

Blick auf 2026

Wie groß sind die Einflussmöglichkeiten der Parteien derzeit?

2026 ist kein reguläres Hauptjahr des Redistricting-Zyklus. Trotzdem bleibt das Thema politisch hoch relevant: Einerseits kontrollieren die Parteien in vielen Bundesstaaten die politische Gesamtarchitektur, andererseits gibt es weiterhin rechtliche und politische Auseinandersetzungen um bestehende Karten.

Republikanische Trifectas
in den Bundesstaaten
Demokratische Trifectas
in den Bundesstaaten
Geteilte Regierungen
ohne Trifecta
Datenstand:
Was das bedeutet: Eine Trifecta liegt vor, wenn eine Partei in einem Bundesstaat zugleich das Gouverneursamt sowie beide Kammern der staatlichen Legislative kontrolliert. Trifectas erhöhen grundsätzlich den parteipolitischen Einfluss auf Wahlkreisfragen. Sie bedeuten aber nicht automatisch freie Hand, weil Gerichte, Staatsverfassungen, unabhängige Kommissionen oder ausdrückliche Verbote von mid-decade redistricting zusätzliche Grenzen setzen können.
Historische Einordnung

Wer profitiert vom Gerrymandering?

Gerrymandering ist kein Instrument nur einer Partei. Historisch haben sowohl Demokraten als auch Republikaner von parteipolitischer Kontrolle über das Redistricting profitiert. Eine Langzeitstudie über rund 80 Jahre Wahlen zum US-Repräsentantenhaus kommt zu dem Ergebnis, dass beide Parteien in der Mitte des 20. Jahrhunderts ähnlich von der Kontrolle der Grenzziehung profitierten; im 21. Jahrhundert zeigt sich dagegen ein moderater republikanischer Vorteil.

Für die Zeit nach dem Census 2010 ist dieser Vorteil deutlicher messbar. Eine wissenschaftliche Analyse der House-Wahlen von 2012 bis 2020 beziffert den durchschnittlichen republikanischen Vorteil durch den Wahlkreiszuschnitt auf 17 Sitze. Für die bei der Wahl 2024 verwendeten Karten schätzte das Brennan Center 23 zusätzliche republikanische bzw. republikanisch tendierende Sitze gegenüber 7 demokratischen – netto also einen Vorteil von rund 16 Sitzen für die Republikaner. Ein wichtiger Grund für den stärkeren nationalen Effekt: Republikaner kontrollierten in diesem Zyklus die Grenzziehung von 191 Congressional Districts vollständig, Demokraten von 75; die übrigen Karten entstanden unter anderem durch Kommissionen, Gerichte oder geteilte politische Kontrolle.

Wichtig: Solche Zahlen sind Schätzungen und hängen vom verwendeten Vergleichsmaßstab ab. Sie bedeuten weder, dass jede republikanisch gezeichnete Karte manipuliert noch dass jede demokratisch gezeichnete Karte neutral ist. Aussagekräftig ist vor allem, wie stark eine konkrete Karte gegenüber einem nachvollziehbaren Neutralitäts- oder Vergleichsmaßstab parteipolitisch verzerrt ist.
Rechtliche Grenzen

Ist Gerrymandering erlaubt?

Eine einfache Antwort mit „ja“ oder „nein“ wäre irreführend. Rechtlich muss zwischen parteipolitischem und rassistisch diskriminierendem Gerrymandering unterschieden werden.

  • Parteipolitisches Gerrymandering: Der Supreme Court entschied 2019 in Rucho v. Common Cause, dass solche Ansprüche politische Fragen darstellen, für die Bundesgerichte keinen handhabbaren verfassungsrechtlichen Maßstab anwenden können.
  • Bundesstaatliches Recht: Einzelne Staatsverfassungen, Gesetze oder institutionelle Regeln können parteipolitische Grenzziehungen zusätzlich begrenzen.
  • Rasse und Minderheitenrechte: Bestimmte Formen rassistischer Grenzziehung können gegen die US-Verfassung verstoßen. Section 2 des Voting Rights Act gilt zudem auch für Redistricting-Pläne und schützt vor rassistisch diskriminierender Schwächung des Wahlrechts.
Woher kommt der Begriff?

Gerry + Salamander = Gerrymander

Der Begriff geht auf den damaligen Gouverneur von Massachusetts, Elbridge Gerry, zurück. 1812 wurde ein neu zugeschnittener Wahlbezirk in einer politischen Karikatur wegen seiner ungewöhnlichen Form mit einem Salamander verglichen. Aus „Gerry“ und „salamander“ entstand „Gerrymander“.

Begriffe auf einen Blick

Die wichtigsten Begriffe

ApportionmentVerteilung der 435 Sitze des Repräsentantenhauses auf die Bundesstaaten nach der Volkszählung.
RedistrictingNeuzuschnitt oder Anpassung der Wahlkreisgrenzen innerhalb eines Bundesstaates.
CrackingZerstreuung einer Wählergruppe über mehrere Districts, sodass sie dort möglichst selten eine Mehrheit erreicht.
PackingKonzentration einer Wählergruppe in wenigen Districts mit sehr großen Mehrheiten.
Congressional DistrictWahlkreis, aus dem jeweils ein Mitglied in das US-Repräsentantenhaus gewählt wird.
TrifectaEine Partei kontrolliert in einem Bundesstaat zugleich Gouverneursamt sowie beide Kammern der staatlichen Legislative.
Quellen & Hintergrund

Weiterführende Grundlagen

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Wahlkalender

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Aktuelle Lage bei den Demokraten nach den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire

Democratic Donkey - Icon

Die jüngsten Entwicklungen nach dem Nevada Caucus sind hier noch nicht berücksichtigt. Eine Aktualisierung erfolgt am 01.03.2020 nach dem Primary in South Carolina.


Über ein Jahr lang wurde auf den Start der Vorwahlen 2020 hingefiebert, spekuliert und analysiert. Am Ende ist es zumindest teilweise doch überraschend anders gekommen. Die Bundesstaaten Iowa und New Hampshire haben einige bemerkenswerte Ergebnisse für die Demokraten zu Tage gefördert, wenn auch zu Beginn in Iowa mit etwas Verspätung.
Bekannte Gesichter sind ebenso erfolgreich wie relativ neue und junge Demokraten.
Zahlenmäßig ist das Bewerberfeld zwar kleiner geworden, die Anzahl derer, die Einfluss auf den Ausgang der Vorwahlen nehmen, hat sich dagegen vergrößert.

Von den ursprünglich 29 Kandidatinnen und Kandidaten haben inzwischen 21 Demokraten wieder aufgegeben. Zuletzt beendeten Andrew Yang, Michael Bennet und Deval Patrick nach schwachen Ergebnissen ihre Kandidaturen.
Es bleiben 8 Demokraten übrig, die nun noch um die Delegiertenstimmen kämpfen.

Den aktuellen Gesamtstand zu den Vorwahlen der Demokraten findet Ihr hier!


Wechsel an der Spitze


Joe Biden mit desaströsem Fehlstart


Ich muss zugeben, dass mich das Ausmaß der Niederlagen Joe Bidens schon überrascht hat. Iowa und New Hampshire galten zwar ohnehin nicht als die Hochburgen des früheren Vizepräsidenten, die Unterstützung der Wählerinnen und Wähler in Iowa glichen aber einem tiefen Schlag in die Magengrube, wie Biden es selbst noch vor dem New Hampshire Primary formulierte. Schlimmer noch, er sagte einen zweiten Schlag für New Hampshire voraus - eine unnötige Demobilisierung seiner Anhängerschaft, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Der zweite Treffer, den Biden einstecken musste, war nochmal eine Spur kräftiger und könnte weitreichende Konsequenzen und Wechselwirkungen hervorrufen. Mit 8,3 % und einem 5. Platz kann Biden auch nicht mehr davon reden, der Kandidat zu sein, der die größten Chancen hat, Donald Trump im November zu schlagen.


Joe Biden (48573428001)
Joe Biden by Gage Skidmore

Nach dem katastrophalen Abschneiden im Granite-State machte sich Biden auch gleich auf den Weg nach South Carolina, um von dort die Niederlage im Nordosten der USA zu kommentieren. Was Biden zu sagen hatte, war erstmal nicht falsch. 98 % der Delegiertenstimmen sind noch zu gewinnen, es ist noch nichts verloren und kein Kandidat der Demokraten könne ohne die Stimmen der Afroamerikaner gewinnen. Diese Argumentation darf Biden seinen Anhängern präsentieren. Ohnehin ist durch die Biden-Kampagne seit Wochen auf die mangelnde Aussagekraft der Vorwahlen in Iowa und New Hampshire hingewiesen worden, in der Hoffnung, dass dessen Zugkraft bei den Schwarzen und Hispanics in South Carolina und Nevada zur Geltung kommt.

Joe Biden überdeckt dabei aber das wahre Ausmaß seiner Niederlagen. Er ist schließlich nicht 2. oder 3. geworden, weil ihm etwa die demographischen Bedingungen nicht in die Karten spielten. Er hat die Plätze 4 und 5 mit absteigender Tendenz belegt. Es liegt also nicht nur ein Konkurrent vor ihm. Biden hat mit seinen Niederlagen ein Vakuum geschaffen, welches andere moderate Demokraten erfolgreich ausfüllen. Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Mike Bloomberg. Alle drei sind durch die zunehmende Schwäche Bidens gestärkt worden und scheinen diese neue Stärke nicht mehr hergeben zu wollen. Mit einigem Erfolg, dazu aber später mehr.

Joe Biden muss nun liefern. Nevada und insbesondere spätestens South Carolina werden über Bidens weitere Ambitionen eine Vorentscheidung herbeiführen. In Nevada, wo es ohnehin ein sehr offenes Rennen geben könnte, muss Biden zum Spitzentrio dazugehören, in South Carolina muss er zwingend siegen, da sonst auch noch sein Ruf als Kandidat der Afroamerikaner verloren geht.

Bevor ich nun zu den Siegern der ersten Vorwahlen komme, schauen wir noch auf die zweite Verliererin des Auftakts.


Elizabeth Warren fehlt die Erfolgsperspektive


Die Senatorin aus Massachusetts hat zumindest in New Hampshire nicht weniger enttäuscht als Biden. Aufgrund dessen Bedeutung, geriet Warren aber etwas aus dem Fokus. Konnte sie angesichts sinkender Erwartungen und Umfragen in Iowa noch recht zufrieden sein, ist ihr Abschneiden in ihrem Nachbarbundesstaat eine große Enttäuschung.

Unter 10%, 0 Delegierte. Verloren gegen ihren Widersacher auf dem linken Flügel und verloren gegen Buttigieg und Klobuchar, zwei Demokraten aus dem mittleren Westen, aus Indiana und Minnesota.


Elizabeth Warren (48590081057)
Elizabeth Warren by Gage Skidmore

Noch im Herbst vergangenen Jahres gelang Warren in den Umfragen das, was andere nun mit tatsächlichen Ergebnissen abliefern. Für einen kurzen Moment konnte sie damals an Joe Biden vorbeiziehen und schien gegen Sanders deutlich die Nase vorne zu haben. Nach zwei Wochen der realen Ergebnisse nun die Erkenntnis, dass sie zwar auch zweimal vor Biden lag, das aber bei dessen Performance kein Qualitätsmerkmal mehr zu sein scheint. Platz 3 in Iowa und Vierte in New Hampshire, fast nirgends gewonnen. In 1 von 99 Counties in Iowa lag Warren knapp vor Sanders. In New Hampshire Fehlanzeige.

Es waren jene Oktober-Wochen 2019 in denen debattiert wurde, wer sich aus dem progressiven Duo Sanders/Warren letztlich durchsetzen würde. Nicht wenige sahen die Senatorin vorne. Dann aber kamen Fragen wie der nach ihren Finanzierungsplänen für Medicare for All auf, auf die sie zunächst keine abschließenden Antworten parat hatte. Ihre Kampagne geriet etwas ins Stocken. Sanders wurde offenbar als authentischer und direkter wahrgenommen.

Inzwischen stellt sich die Frage, wen Warren noch überzeugen will, dass sie die richtige Kandidatin für die Demokraten ist. Stand heute hat sie gegen Sanders zweifelsfrei das Nachsehen. Evtl. rückt sie etwas in die Mitte, um dort irgendwann als Kompromisskandidatin wahrgenommen zu werden. Aber bei diesem Überangebot dürften die Demokraten wohl eher auf gewinnende Kandidatinnen und Kandidaten setzen, als auf die sieglose Senatorin. Die Umfragen in Nevada und South Carolina lassen nun auch nicht allzu viel Hoffnung zu.
Elizabeth Warren steht nicht weniger unter Druck als Biden. Für sie könnte der Super Tuesday die Entscheidung über das Andauern ihrer Kandidatur bringen.
Will sie wieder in die Erfolgsspur finden, braucht es zunächst einen starken Auftritt bei der kommenden TV-Debatte in Las Vegas, Nevada.

Nun aber zu den Gewinnern des Vorwahlauftaktes. Derer haben wir 3 + 1.


Bernie Sanders - der neue Frontrunner?


Bernie Sanders hat gewonnen - aber er ist nicht der alleinige Sieger. Je nachdem in wessen Wahlkampfteam man gerade versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten, argumentiert man unterschiedlich. Im Sanders-Lager heißt es, Bernie hat in Iowa und New Hampshire gewonnen. Er hat schließlich jeweils die meisten Stimmen erhalten. Damit sei Sanders allein rechnerisch schon der jeweilige Sieger. Rechnen kann man aber auch im Buttigieg-Lager, wo man zum Ergebnis kommt, dass ihr Kandidat in Iowa mehr Delegierte gewonnen hat als Sanders und in New Hampshire mit ihm gleichauf liegt.
Bernie Sanders
Bernie Sanders by Gage Skidmore

Es darf eben zum jetzigen Zeitpunkt auch noch zwei Sieger geben. Eine weitere Frage, die sich stellt, ist die nach dem neuen Frontrunner der Demokraten, also dem neuen führenden Favoriten mit der besten Aussicht auf die Nominierung. Sanders ist dafür sicherlich ein Kandidat. Seine Erfolge haben gezeigt, dass er sein Potenzial abrufen kann. Warren und Biden haben das noch nicht getan.
Dennoch ist Sanders gut beraten, aufmerksam zu bleiben und von Wahl zu Wahl die richtigen Konkurrenten zu erkennen.
"Grandios", "unschlagbar", "einzigartig" sind keine Begriffe, die mir einfallen, wenn man sich Sanders Erfolge in Iowa und New Hampshire genauer betrachtet. 
Na klar, eine Vorwahl gegen nur eine Kandidatin, wie es 2016 der Fall war, ist nicht vergleichbar mit einem Rennen gegen bis zu 10 weitere Demokraten. Dennoch darf man die Frage stellen, weshalb Sanders in New Hampshire statt der rund 152.000 Stimmen aus 2016 in diesem Jahr nur noch auf knapp die Hälfte gekommen ist. Rechnerisch ist das einfach zu erklären, der Anspruch eines unangefochtenen Frontrunners muss aber sein, mehr als die Hälfte des eigenen tatsächlichen Potenzials in einem Bundesstaat abzurufen. Wenn die Alternativen, so viele sie auch sein mögen, als besser betrachtet werden, lässt dies Rückschlüsse auf andere Bundesstaaten zu, in denen man selbst 2016 nicht so glanzvoll abgeschnitten hat. Aufklärung werden die kommenden Wochen geben.

Bei aller Zurückhaltung ist aber auch festzuhalten, dass das Argument, mehr Stimmen als die anderen gewonnen zu haben, bei Wahlen ziemlich stichhaltig ist. Sanders ist ein Gewinner des Vorwahlauftakts.


Pete Buttigieg unterstreicht seine eigene Stärke


Ein weiterer Gewinner, für nicht wenige sogar der eigentliche Profiteur der ersten beiden Vorwahlen, ist Pete Buttigieg. Wie oben schon beschrieben, hat er die meisten Delegiertenstimmen gewinnen können. Das ist das entscheidende Kriterium auf dem Nominierungsparteitag in Milwaukee, Wisconsin. Buttigiegs Erfolge sind aber auch von besonders hoher Bedeutung, weil er sie gegen Joe Biden erzählt hat. Dessen Schwächeln kommt zweifelsohne Buttigieg zugute. Oder liegt die Schwäche Bidens evtl. auch an dem starken Angebot Buttigiegs? Hätte Biden nicht so deutlich verloren, wenn der frühere Bürgermeister und jüngste Kandidat der Demokraten nicht so überzeugen würde?


Pete Buttigieg
Pete Buttigieg by Gage Skidmore

Das Buttigieg in Iowa vor Joe Biden lag, ist nicht nur Zufall gewesen. Buttigieg war herausgefordert, in New Hampshire diesen positiven Eindruck zu wiederholen und das ist ihm in beeindruckender Weise gelungen. Das es sich bei seinen Erfolgen eher um die eigene Stärke handelt, zeigt auch, dass Buttigieg in New Hampshire nicht nur gegen Biden deutlich gewonnen hat. Nachdem Buttigieg wenige Tage zuvor bei der TV-Debatte von praktisch allen Seiten attackiert wurde und zusehen musste, wie noch eine weitere moderate Kandidatin ins Rampenlicht rückte, wehrte er auch Klobuchars starkes Ergebnis in New Hampshire ab. Biden deklassiert, Klobuchar trotz starkem Ergebnis auf Distanz gehalten, nur knapp hinter Bernie Sanders gelandet und das alles, obwohl er von allen Seiten unter Druck gesetzt wurde. Buttigieg hat Stärke bewiesen, ganz sicher also ein weiterer Gewinner.

Wie sind aber die weiteren Aussichten des 38-jährigen?
Buttigieg sieht sich im Kern drei Herausforderungen gegenüber. Er muss sich seiner Linie treu bleiben und auf die eigenen Positionen verweisen. Nur Sanders oder Biden im Blick zu haben, birgt das Risiko, anderen wie Amy Klobuchar oder Mike Bloomberg offene Räume anzubieten. Und da man nicht gleichzeitig gegen alle kämpfen kann, lohnt es sich in solchen Phasen, einzig auf sich zu verweisen.

Neben der großen und kaum geringer werdenden Konkurrenz bleibt aber insbesondere in den kommenden Wochen die Frage bestehen, ob Buttigieg seinen schwachen Zuspruch bei der nicht-weißen Bevölkerung überwinden kann. Diese Werte stammen zwar nur aus Umfragen, dafür sind sie aber zu eindeutig, um sie ignorieren zu können. Es gab Umfragen unter den afroamerikanischen Demokraten, die nun zunehmend eine größere Rolle spielen werden, bei denen Buttigieg auf 0% kam. Wie oben schon erwähnt, hat Biden recht, dass kein Kandidat, Spitzenkandidat der Demokraten werden kann, wenn solche Umfragen bei Wahlen in Tatsachen umgesetzt werden.

Die dritte zu nehmende Hürde für Buttigieg ist die Wahlkampfinfrastruktur. Während Bloomberg alles einkauft was möglich ist, Biden und Sanders auf jahrelange Wahlkampfbasen setzen können, muss sich Buttigieg das alles erst noch erarbeiten. In diesem Februar, wo etwa eine Woche zwischen den jeweiligen Vorwahlen liegt, mag das teilweise noch gehen, am Super Tuesday könnten Buttigiegs relativ geringe Bekanntheit und fehlende Strukturen zu einem Problem werden. Im Idealfall bleibt er in den Top-Schlagzeilen mit Erfolgen in Nevada und South Carolina. Gelingt ihm sogar das, ist bei ihm mit Allem zu rechnen. Aber sein Status bleibt noch etwas fragil. Verliert er bei den kommenden Vorwahlen, könnte die nötige Dynamik für den Super Tuesday schon wieder verloren sein.


Amy Klobuchar die dritte Gewinnerin - und ein "Geheimtipp"?



Diese Dynamik genießt gerade auch Amy Klobuchar. Gemessen an der Ausgangslage vor einigen Wochen, hat sie wohl den größten Sprung gemacht. Sie hatte praktisch nur eine Chance. Ein starkes Ergebnis in Iowa. Das gab es auch mit leichten Abstrichen. Dass sie dann aber auch in New Hampshire so stark punktete, war in diesem Ausmaß nicht zu erwarten. Zumindest nicht vor einer Woche. Ihr Auftritt bei der TV-Debatte und sprunghaft steigende Umfragewerte ließen aber schon ein sehr gutes Ergebnis in New Hampshire vermuten.


Amy Klobuchar
Amy Klobuchar by Gage Skidmore

Amy Klobuchar hat ähnliche Voraussetzungen wie Pete Buttigieg. In zwei Punkten unterscheiden sich beide aber schon noch. Klobuchars Vorteil gegenüber Buttigieg dürfte ihre langjährige Erfahrung als Senatorin im US-Kongress sein. Buttigieg politische Erfahrungen beschränken sich weitgehend auf seine Tätigkeiten als Bürgermeister. Das macht ihn vielleicht etwas volksnäher und ihm haftet nicht der bei vielen so wahrgenommene Makel aus Washington DC an. Dennoch könnten gerade etwas konservativere Wählerschichten der Demokraten, der Unabhängigen und moderaten Republikaner auf etwas mehr Erfahrung wert legen. Genau jene Kreise sind es auch, die möglicherweise zudem noch Vorbehalte mit Buttigiegs Homosexualität haben.


Ein weiterer Vorteil für Klobuchar könnte sein, dass sie zur einzigen wählbaren Frau im Bewerberfeld werden könnte. Scheidet Elizabeth Warren frühzeitig aus, was nicht mehr ausgeschlossen ist, könnte Klobuchar auch in dieser Hinsicht profitieren. Eine für Demokraten moderate bis konservative und zugleich erfahrene Frau könnten viele als strategische Chance gegen Donald Trump betrachten.


Mike Bloomberg weiter im Aufwind



In keiner Prognose über den Ausgang der Vorwahlen darf Mike Bloomberg fehlen. Selbst wenn man ihm die Spitzenkandidatur nicht zutraut, so ist sein Einstieg am Super Tuesday von herausragender wahlstrategischer Bedeutung. Allein schon der Mythos, den Bloomberg geschaffen hat, ist ziemlich einzigartig. Während sich alle Kandidatinnen und Kandidaten der Demokraten schon wochenlang abkämpfen, einstige Favoriten schon ins Straucheln geraten, wartet in nicht mehr allzu langer Zukunft der Multimilliardär am Super Tuesday mit seinen praktisch unbegrenzten Möglichkeiten der Wahlkampffinanzierung. Auch seine Abwesenheit bei den TV-Debatten trägt dazu bei, die Aussichten Bloombergs wenig greifbar zu machen.


Michael Bloomberg
Mike Bloomberg by Gage Skidmore

Ich hatte erst kürzlich ausführlich über Bloomberg berichtet. Hier findet Ihr den Artikel. Deshalb soll an dieser Stelle nur so viel gesagt sein:
Bloombergs Umfragewerte steigen. Er ist bundesweit inzwischen auf dem 3. Platz hinter Sanders und Biden. Je größer die Schwäche des moderaten Lagers, allen voran Joe Bidens, desto besser die Aussichten für den früheren New Yorker Bürgermeister. Je zersplitterter das Kandidatenfeld ist und je weniger sich der eine Spitzenkandidat aus diesem herauskristallisiert, desto größer die Chancen für Mike Bloomberg. Kommt es zu der Frage, wem die Wählerinnen und Wähler einen Sieg gegen Trump zutrauen, ist Mike Bloomberg ganz vorne dabei.

Für ihn wohl aber überraschend dürfte die Tatsache sein, dass Bidens Schwäche aktuell von Buttigieg und Klobuchar ausgenutzt wird. Das ist der Nachteil, wenn man an den Vorwahlen im Februar noch nicht teilnehmen kann.


Ist eine Prognose über den Ausgang schon möglich?


Für eine seriöse Prognose ist es immer noch viel zu früh. Aber es lohnt sich, in den kommenden Wochen mit der Frage zu beschäftigen, was für die Demokraten letztendlich den Ausschlag zum Gewinn der Vorwahlen geben wird.
Wird es tatsächlich ein Streit über die inhaltliche Ausrichtung? Eine themenbezogene Sachentscheidung, etwa zwischen Medicare for All, Medicare for All who want it und der Optimierung von ObamaCare?
Oder geht es einzig und allein um die Frage, wem die besten Chancen zugerechnet werden, Donald Trump im November zu schlagen?
Eine dritte Frage drängt sich nun aber auch auf. Wollen die Demokraten inzwischen eher neue und "unverbrauchte" Gesichter und Namen an der Spitze sehen, die auch neue und positive Botschaften aussenden?
Kritisch und bewusst überspitzt formuliert: Während Joe Biden als händeschüttelnder Geschichtenerzähler den Wahlkampf verwaltet, prangert Bernie Sanders zunächst Missstände an, um dann die Alternativen zu formulieren, die bei keinem anderen Demokraten bei diesen Vorwahlen so radikal und grundlegend sind. Dies tut er immer wiederholend und er tut es laut. Bei einer scheinbar immer größer werdenden Spaltung der US-Gesellschaft, die Sanders zweifelsohne mit seinen Maßnahmen auch überwinden will und dem andauernden und unerbittlichen Streit zwischen Republikanern und Demokraten im Kongress und den kontinuierlichen Attacken auf und durch den US-Präsidenten, könnte die Nachfrage und der Wunsch nach neuen, ruhigeren und positiv formulierten Positionen bei den Demokraten immer stärker werden.
Pete Buttigieg. Amy Klobuchar und zum Teil auch auf seine eigene Weise Mike Bloomberg könnten davon profitieren.


Nur die Delegierten zählen


Die Vorwahlen 2020 der Demokraten werden sich signifikant von denen aus dem Jahr 2016 unterscheiden. Mit Hillary Clinton und Bernie Sanders gab es 2016 bei den Demokraten zwei Kandidaten auf die sich alle Delegiertenstimmen aufteilten. Voraussichtlich wird dies 2020 anders sein. Die Delegiertenstimmen werden hauptsächlich unter 4 bis 5 Kandidatinnen und Kandidaten aufgeteilt, nämlich jenen, die die Hürde von 15 % in einem Primary oder Caucus übersprungen haben (nähere Details zum Vergabeverfahren in den jeweiligen Bundesstaaten findet Ihr in der jeweiligen Vorschau zu jedem Bundesstaat). Anders als bei den Republikanern, bei denen in manchen Bundesstaaten das Prinzip "The Winner takes it all" oder alternativ "The Winner takes most" gilt, werden bei den Demokraten die Delegiertenstimmen im Kern proportional zum Wahlergebnis verteilt, was für einen Spitzenkandidaten in Umfragen bzw. einem knappen Gewinner bei den Vorwahlen eher nachteilig ist.

Ein Beispiel, einfach überschlagen gerechnet, ohne Besonderheiten in der Delegiertenverteilung der einzelnen Districts der Bundesstaaten:

Ein Bundesstaat vergibt 100 Delegiertenstimmen. Das Wahlergebnis lautet: Kandidat A erhält 32%, B 28%, C 25% und D 15%. Entsprechend erhält Kandidat A 32 Delegiertenstimmen, 68 Delegiertenstimmen gehen nicht an A, sondern teilen sich auf die anderen Kandidaten B, C und D auf. A hätte einen Vorsprung von 4 Delegiertenstimmen vor B.
Bei einem Ergebnis mit zwei starken Kandidaten (siehe 2016) hätte fiktiv mal angenommen A evtl. 54 % und B 46 % erhalten. Nicht nur hätte A dann einen doppelt so hohen Vorsprung vor B (nämlich 8 Delegiertenstimmen), insbesondere das Gesamtverhältnis von 32 zu 68 hätte sich verschoben zu 54 zu 46. Dieser Vergleich ist eine exemplarische Annahme, natürlich kann B auch deutlich profitieren und A mit Hilfe der Stimmen der nicht vorhandenen C und D überholen.


Contested Convention wahrscheinlich


Erkennbar ist jedenfalls, dass es bei den Demokraten wesentlich schwieriger werden wird, frühzeitig eine Vorentscheidung zu erzielen. Ein Spitzenkandidat, der immer "nur" knapp gewinnt und ab und an mal Zweiter wird, dürfte es schwer haben, auf die erforderliche Anzahl von 1990 Delegiertenstimmen zu kommen (3979 Delegierte haben die Demokraten insgesamt zu vergeben). Die 50% sind nur bei deutlich starken Wahlergebnissen zu erreichen oder wenn in den besonders großen Bundesstaaten mit vielen Delegiertenstimmen auch besonders starke Ergebnisse erzielt werden. Kalifornien z. B. hat allein schon 416 Delegiertenstimmen zu vergeben.

Die Neuerung 2020, dass Superdelegierte auf dem Nominierungsparteitag, erst im 2. Wahlgang stimmberechtigt sind, bekommt dann nochmal eine besondere Bedeutung. Erreicht kein Kandidat die 1990 (50%) Delegiertenstimmen, kommt es zu einem 2. Wahlgang. Dies dürfte bei den Demokraten 2020 mit einiger Wahrscheinlichkeit der Fall sein, so dass die Superdelegierten 2020 auch wieder eine relevante Rolle spielen werden. Es wird vermutlich insgesamt 771 Superdelegierte geben, im 2. Wahlgang sind dann 2373 Delegiertenstimmen erforderlich.


Bei dem 2. Wahlgang ist zu beachten, dass es sich nicht um eine klassische Stichwahl der zwei besten Kandidaten handelt. Der 2. Wahlgang ist eine sog. Contested Convention, hierbei werden die Delegierten des 1. Wahlgangs von ihrer Bindung an die Ergebnisse der Vorwahlen befreit. Es findet praktisch eine komplett neue Abstimmung statt.

Kommentare

WOLFgang21 hat gesagt…
Interessante Analyse. Ich stimme auch vielem zu. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass Bloomberg mir am unsympathischsten unter allen Bewerber*innen ist, weil er im Grunde nur auf "Money" = $-Politik setzt. Das würde quasi im Umkehrschluss und weitergedacht heißen, ein Milliardär ersetzt einen anderen. Ob das ein echter Politikwechsel ist ? Ich habe das so meine Zweifel...mal schaun, was der "Super-Tuesday" so bringt ;-) !
Thomas hat gesagt…
Hallo, danke für den Kommentar. Der besondere Einfluss des Geldes in Wahlkämpfen in den USA ist durchaus kritisch zu betrachten. Letztlich werden die Vorgaben und Regularien aber durch die Politik und den Supreme Court selbst gemacht. Alle Beteiligten müssen die Umstände annehmen, wie sie aktuell sind. Bernie Sanders etwa kritisiert den Einfluss des Geldes massiv. Hierbei unterscheidet er zwischen Geld, welches von Milliardären und Firmen kommt und dem, welches aus vielen kleinen Einzelspenden seiner Unterstützer kommt. Am Ende bleibt es aber dabei, dass auch Sanders massiv von den vielen Mio US-Dollar profitiert, die er in seinen Wahlkampf stecken kann. "Kleinere" Kandidaten ohne solch eine finanzielle Unterstützung bleiben auch bei und gegen Sanders auf der Strecke. Geht es also in erster Linie, doch nicht darum, wieviel Geld ausgegeben wird, sondern darum, woher es stammt? Ist das so, sind Milliardäre aber auch unterschiedlich zu bewerten. Es wäre zu prüfen, was Mike Bloomberg denn eigentlich vor hat. Fakt ist, dass die Demokraten von Bloombergs Geld schon häufiger profitiert haben, z. B. in den vielen Wahlkämpfen zu den Kongresswahlen 2018. Hätte Bloomberg dabei nicht finanziell unterstützt, wären die Chancen einiger Demokraten vermutlich geringer gewesen. Evtl. wären die Machtverhältnisse im Kongress dann auch andere. Kommen Bloombergs Positionen beim Wähler an? Was helfen ihm, die ganzen Werbespots, wenn er nicht den Nerv der Wählerinnen und Wähler trifft. Gelingt es ihm dennoch, die Demokraten und andere zu überzeugen und zu mobilisieren, wäre die Ausgangslage keine andere als bei Sanders. Dennoch bleibt es schon ein wenig befremdlich, welchen Einfluss eine Einzelperson durch sein Geld nehmen kann. Vorzuwerfen ist ihm das meiner Ansicht nach aber nicht. Ich glaube, dass sich am Ende niemand bei den Demokraten beschweren wird, wenn es Bloomberg ist, der maßgeblich, direkt oder indirekt, dazu beiträgt, dass Trump abgewählt wird. Und die Republikaner werden sich auch nicht beschweren, unterstützen sie doch selbst jemanden, der auch den ein oder anderen Dollar mitgebracht hat. Man darf auch nicht vergessen, dass die USA natürlich weit größer sind und auch nicht über öffentliche Medien, in der Art verfügen, wie es in Deutschland der Fall ist. Wie also soll ein Kandidat aus Maine, seine Positionen in ein Dorf, irgendwo an der Grenze zu Mexiko bringen, wenn er nicht über einen Wahlkampfapparat verfügt, der dazu in der Lage ist. Es kostet enorm viel Geld, Personal und Material für solch ein Vorhaben bereitzustellen.
WOLFgang21 hat gesagt…
Hallo Thomas ,

danke für die Erklärung, die ich weitgehend gut nachvollziehen kann.
Natürlich ist mir schon klar, dass die "Besonderheiten" in US of A nicht vergleichbar mit unseren Auffassungen sind. Das fängt meiner Meinung nach beim (antiquierten) Wahlsystem "The Winner take it all" und dem Iowa Caucus (für die Zeit um 1800 war das basisdemokratisch, ja) über das "Second Admidment" (Waffenüberschuß mit destruktiven Folgen) bis hin zu fehlenden Öffentlich-Rechtlicher (und kritischen Medien) an. Vom Gesundheitssystem ganz zu schweigen...^^

Ich kann ja durchaus andere Kulturen akzeptieren, nur tue ich mich damit mehr als schwer, diese oft seltsame Blüten treibende amerikanische Kultur zu verstehen oder akzeptieren zu können, eben weil damit oft grundlegende demokratische Konsense und Bürger*innenrechte übergangen werden.

Aber das zu ändern ist natürlich Sache der amerikanischen Zivilgesellschaft ;-)
WOLFgang21 hat gesagt…
Hallo Thomas,

wie ist denn (aus Deiner Sicht)diese Meldung zu bewerten ?

US-Demokraten: Buttigieg zweifelt Nevada-Ergebnis an http://www.tagesschau.de/ausland/buttigieg-nevada-101.html

Beste Grüße :-)

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