Senatswahl 2026 in Alaska: Warum der republikanische Sitz umkämpft ist
Alaska wählte Donald Trump 2024 mit einem Vorsprung von rund 13 Prozentpunkten – und trotzdem gehört die Senatswahl 2026 inzwischen zu den engsten Rennen des Landes. Der republikanische Amtsinhaber Dan Sullivan trifft auf die frühere demokratische Kongressabgeordnete Mary Peltola. Peltola hat bereits bewiesen, dass sie in dem republikanisch geprägten Bundesstaat parteiübergreifend Stimmen gewinnen kann. In den Umfragen liegt sie mit Sullivan auf Augenhöhe oder leicht vor ihm.
Warum Alaska 2026 so besonders ist
Alaska ist politisch schwerer einzuordnen, als es der deutliche Sieg Donald Trumps bei der Präsidentschaftswahl vermuten lässt. Der Bundesstaat wählt auf Bundesebene meist republikanisch, besitzt aber eine ausgeprägte Tradition politischer Unabhängigkeit. Persönlichkeiten und Alaska-spezifische Interessen spielen häufig eine größere Rolle als eine eindeutige Bindung an eine der beiden großen Parteien.
Hinzu kommt ein besonderes Wahlsystem: In der parteiübergreifenden Vorwahl treten alle Kandidaten gegeneinander an. Die vier Bestplatzierten ziehen in die Hauptwahl ein. Dort können die Wählerinnen und Wähler die Kandidaten nach Präferenz ordnen. Erhält niemand sofort eine Mehrheit, scheidet der jeweils schwächste Kandidat aus und dessen Stimmen werden entsprechend der nächsten angegebenen Präferenz weiterverteilt.
Gerade der letzte Punkt macht die Wahl außergewöhnlich. Der pensionierte Lehrer Daniel J. Sullivan Jr. erhielt in der Vorwahl nur rund 2,5 Prozent, schaffte damit aber den Sprung unter die ersten vier. Nach einem Rechtsstreit entschied der Alaska Supreme Court, dass er auf dem Stimmzettel bleiben darf. Der Amtsinhaber und republikanische Unterstützer werfen ihm vor, Wähler verwirren und republikanische Stimmen abziehen zu können. Daniel J. Sullivan bestreitet, ein bloßer „Spoiler“-Kandidat zu sein.
Durch das Ranked-Choice-System ist der Effekt komplizierter als bei einer normalen Mehrheitswahl: Stimmen für den zweiten Sullivan können nach dessen Ausscheiden auf eine weitere Präferenz übertragen werden. Trotzdem kann die Namensgleichheit gerade in einem sehr engen Rennen Einfluss auf erste Präferenzen, die Reihenfolge der Ausscheidungen und die Zahl ausgeschöpfter Stimmzettel haben.
So funktioniert Ranked Choice Voting in Alaska
Das Wahlsystem lässt sich am einfachsten so verstehen: Die Wähler geben nicht nur ihre erste Wahl an, sondern können die Kandidaten auch auf Platz 2, 3 und 4 ordnen. Wenn niemand sofort über 50 Prozent kommt, werden die schwächsten Kandidaten nacheinander ausgeschlossen und deren Stimmen anhand der nächsten Präferenz weiterverteilt.
- Alle ersten Präferenzen werden gezählt.
- Hat jemand sofort mehr als 50 %, ist die Wahl entschieden.
- Wenn nicht, beginnt die nächste Runde.
- Der Kandidat mit den wenigsten Stimmen scheidet aus.
- Dessen Stimmzettel werden neu geprüft.
- Maßgeblich ist dann die nächste noch aktive Präferenz.
- Die Stimmen wandern weiter zur nächsten gewählten Präferenz.
- Das wiederholt sich, bis nur noch zwei Kandidaten übrig sind.
- Wer dann die Mehrheit hat, gewinnt.
Ein besonders anschauliches Beispiel lieferte Alaskas Sonderwahl zum US-Repräsentantenhaus 2022. Damals lag Mary Peltola nach der ersten Auszählung vorne, aber noch deutlich unter 50 Prozent. Nachdem der Republikaner Nick Begich als Drittplatzierter ausgeschieden war, wurden dessen Stimmen nach der jeweils nächsten Präferenz verteilt. Am Ende gewann Peltola gegen die Republikanerin Sarah Palin.
Genau deshalb ist Alaska auch 2026 schwerer zu lesen als ein normales Zwei-Parteien-Rennen: Entscheidend ist nicht nur, wer bei den Erststimmen knapp vorne liegt, sondern auch, wer für unabhängige und parteiübergreifende Wähler als zweite Wahl akzeptabel ist.
Die beiden entscheidenden Kandidaten
Peltola vertrat Alaska von 2022 bis Anfang 2025 im US-Repräsentantenhaus. Sie ist Yup'ik, stammt aus dem ländlichen Westen Alaskas und war unter anderem Abgeordnete im Repräsentantenhaus des Bundesstaats Alaska sowie in der Fischereipolitik tätig. Ihre politische Marke fasst sie seit Jahren mit „Fish, Family and Freedom“ zusammen.
Sullivan gehört dem US-Senat seit 2015 an. Zuvor war er unter anderem Generalstaatsanwalt von Alaska und Leiter des Alaska Department of Natural Resources. Der ehemalige Marine-Colonel verbindet klassische republikanische Positionen mit einem starken Fokus auf Alaska als Energie-, Militär- und Arktisstandort.
Die Vorwahl war ein Warnsignal für den Amtsinhaber
Besonders aufmerksam betrachtet wurde das Ergebnis der parteiübergreifenden Vorwahl vom 18. August. Nach nahezu vollständiger Auszählung lag Peltola mit knapp der Hälfte aller Stimmen deutlich vor Sullivan. Das Ergebnis ist keine direkte Prognose für November, weil sich Wahlbeteiligung und Ranked-Choice-Dynamik in der Hauptwahl verändern können. Für einen republikanischen Amtsinhaber in einem Staat, den Trump 2024 klar gewann, ist der Rückstand trotzdem bemerkenswert.
Stand 30.08.2026. Die offizielle Zertifizierung der Vorwahlergebnisse ist für den 31. August vorgesehen; der vierte Platz war zuletzt noch nicht endgültig bestätigt.
Umfragen: Ein republikanischer Sitz ohne republikanischen Vorsprung
Auch die Umfragen erklären, warum Alaska inzwischen zu den wichtigsten demokratischen Angriffszielen zählt. Die berücksichtigten Erhebungen sehen Peltola knapp vor Sullivan oder zeigen ein praktisch ausgeglichenes Rennen. Insgesamt bewegt sich das Duell im Bereich weniger Prozentpunkte.
Umfragen sind Momentaufnahmen. Gerade in Alaska muss zusätzlich berücksichtigt werden, dass die Hauptwahl über Ranked Choice Voting entschieden wird und neben Peltola und dem Amtsinhaber weitere Kandidaten auf dem Stimmzettel stehen.
Warum Dan Sullivan unter Druck steht
Er tritt zwar in einem republikanisch geprägten Bundesstaat an, trifft aber auf eine Gegnerin, die bereits landesweit gewonnen hat und über eine ungewöhnlich starke persönliche Bekanntheit verfügt. Peltola hat 2022 gezeigt, dass sie auch Zweitpräferenzen von Wählern gewinnen kann, die zunächst einen Republikaner bevorzugen.
Hinzu kommt, dass Sullivan nach zwei Amtszeiten nicht mehr als neuer Kandidat auftreten kann. Peltola versucht, ihn als Teil eines politischen Systems in Washington darzustellen, das hohe Preise und die spezifischen Probleme Alaskas nicht ausreichend löst. Ihre Kampagne sammelte im zweiten Quartal nach eigenen Angaben rund sieben Millionen Dollar – für einen Senatswahlkampf in Alaska eine erhebliche Summe.
Auch das Vorwahlergebnis erhöht den Druck. Peltolas deutlicher erster Platz zeigt zumindest, dass ihre Unterstützung nicht auf einen kleinen demokratischen Kern beschränkt ist. Auch in der US-Wahl.de-Senatsprognose gehört Alaska inzwischen zu den offensten republikanischen Sitzen – bemerkenswert für einen Sitz, den Sullivan 2020 noch mit rund 13 Punkten Vorsprung verteidigte.
Schließlich kommt der zweite "Dan Sullivan" hinzu. Dessen Kandidatur dürfte den Amtsinhaber kaum zu Fall bringen. In einem Rennen, das möglicherweise nur durch wenige Prozentpunkte entschieden wird, muss das republikanische Lager aber zusätzliche Energie darauf verwenden, Verwechslungen zu vermeiden und Wähler dazu zu bringen, den richtigen Sullivan an erster Stelle zu setzen beziehungsweise weitere Präferenzen einzutragen.
Die wichtigsten Themen: In Alaska kostet fast alles mehr
Der Wahlkampf unterscheidet sich inhaltlich deutlich von vielen Rennen im zusammenhängenden US-Festland – also den 48 Bundesstaaten außer Alaska und Hawaii, die in Alaska oft schlicht „Lower 48“ genannt werden. Alaska ist riesig, dünn besiedelt und viele Orte sind nur per Flugzeug oder Schiff erreichbar. Dadurch wirken sich hohe Transport-, Energie-, Lebensmittel- und Gesundheitskosten besonders stark aus. Gleichzeitig hängt ein erheblicher Teil der Wirtschaft von natürlichen Ressourcen, Fischerei, Militär und Bundesinvestitionen ab.
Fischerei: Ein Thema, das beide Kandidaten für sich beanspruchen
Besonders typisch für Alaska ist die Bedeutung der Fischerei. Für viele Gemeinden ist sie zugleich Wirtschaftszweig, Nahrungsquelle und Teil der kulturellen Identität. Im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung steht der sogenannte Beifang: Fische wie Lachs oder Heilbutt geraten unbeabsichtigt in die Netze großer kommerzieller Fangflotten.
Peltola besitzt hier einen persönlichen und politischen Vorteil. Sie stammt aus einer Fischerfamilie, arbeitete selbst in der Fischerei und machte das Thema schon während ihrer Zeit im Kongress zu einem Schwerpunkt. Ihre Kampagne fordert nun stärkere Beschränkungen für große Fabriktrawler und Maßnahmen zur Erholung der Bestände.
Sullivan hat seinerseits 2026 neue Gesetzgebung zur Verringerung des Beifangs vorgelegt. Seine Unterstützer verweisen darauf, dass er inzwischen konkrete Maßnahmen im Senat vorantreibt. Kritiker werfen ihm dagegen vor, das Thema erst angesichts der starken Herausforderung durch Peltola offensiver aufgegriffen zu haben. Damit ist die Fischerei zu einem der deutlichsten Beispiele dafür geworden, wie Peltolas Kandidatur den Amtsinhaber zwingt, auf Alaska-spezifischen Themen stärker in die Offensive zu gehen.
Öl und Gas: Ein ungewöhnliches Duell
Auch beim Thema Energie passt Alaska nur begrenzt in das übliche nationale Parteienschema. Sullivan fordert seit Jahren mehr Öl-, Gas- und Rohstoffförderung und kritisierte die Beschränkungen der Biden-Regierung scharf. Unter Trump sieht er Alaska wieder stärker als Energie- und Rohstoffstandort gefördert.
Peltola stellt sich allerdings nicht grundsätzlich gegen diese Industrie. Bereits als Kongressabgeordnete unterstützte sie das große Willow-Ölprojekt und wirbt im Senatswahlkampf ebenfalls für mehr Energieproduktion in Alaska. Gleichzeitig will sie erneuerbare Energien ausbauen und argumentiert vor allem mit niedrigeren Energiekosten für die Bevölkerung.
Damit kann Sullivan Peltola weniger leicht als klassische Gegnerin der Öl- und Gasindustrie darstellen als viele andere demokratische Kandidaten. Genau deshalb versucht er, sie stärker mit den nationalen Demokraten zu verbinden und warnt vor einem Einfluss von „Lower 48 liberals“ auf Alaska.
Kann Alaska tatsächlich zu den Demokraten wechseln?
Alaska bleibt auf Präsidentenebene klar republikanisch. In einem klassischen Zwei-Parteien-Rennen wäre ein amtierender republikanischer Senator deshalb normalerweise Favorit. 2026 liegen die Bedingungen aber anders: Peltola ist eine der wenigen Demokratinnen, die bereits bewiesen haben, dass sie landesweit in Alaska gewinnen können. Sie führt in mehreren Umfragen, lag in der Vorwahl vor Sullivan und kann vom Ranked-Choice-System profitieren, wenn sie für unabhängige und gemäßigt republikanische Wähler als akzeptable zweite Wahl gilt.
Hinzu kommt, dass Sullivan nach zwei Amtszeiten nicht mehr als neuer Kandidat auftreten kann. Peltola versucht, ihn als Teil eines politischen Systems in Washington darzustellen, das hohe Preise und die spezifischen Probleme Alaskas nicht ausreichend löst. Ihre Kampagne sammelte im zweiten Quartal nach eigenen Angaben rund sieben Millionen Dollar – für einen Senatswahlkampf in Alaska eine erhebliche Summe.
Sullivan besitzt trotzdem erhebliche Vorteile. Er ist seit zwölf Jahren Senator, verfügt über ein starkes Netzwerk, kann auf Erfolge bei Energie-, Verteidigungs- und Infrastrukturthemen verweisen und tritt in einem Staat an, den Trump 2024 klar gewann. Zudem bedeutet Peltolas Führung in einer offenen Vorwahl nicht automatisch, dass sie im November eine Mehrheit erreicht.
Für die Mehrheitsrechnung im US-Senat ist Alaska dennoch von großer Bedeutung. Die Demokraten müssen netto vier republikanisch gehaltene Sitze hinzugewinnen, wenn sie ihre eigenen Sitze verteidigen und auf 51 kommen wollen. Noch zu Jahresbeginn galt Alaska nicht als zwingender Bestandteil dieses Weges. Mit Peltolas Kandidatur und dem inzwischen offenen Rennen ist daraus eine zusätzliche realistische Angriffsmöglichkeit geworden. Ein Sieg hier würde den Demokraten erheblich mehr Spielraum bei den übrigen Schlüsselrennen verschaffen.









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