Senatswahl 2026 in Texas: Endet die Durststrecke der Demokraten?
Texas ist seit Jahrzehnten eine republikanische Hochburg – und trotzdem gehört die Senatswahl 2026 inzwischen zu den Rennen, auf die beide Parteien besonders genau schauen. Der demokratische Abgeordnete im Repräsentantenhaus des Bundesstaats Texas James Talarico trifft auf den republikanischen Generalstaatsanwalt von Texas Ken Paxton. In den jüngsten Umfragen liegen beide eng beieinander, teilweise sogar mit leichten Vorteilen für Talarico.
Ein offener Sitz – obwohl der Amtsinhaber kandidieren wollte
Der Sitz wird derzeit von dem Republikaner John Cornyn gehalten, der Texas seit 2002 im US-Senat vertritt. Cornyn wollte erneut antreten, verlor jedoch die republikanische Stichwahl am 26. Mai gegen Ken Paxton. Paxton setzte sich damit gegen einen der dienstältesten und einflussreichsten Republikaner des Bundesstaates durch. Auf demokratischer Seite gewann James Talarico bereits im März die Vorwahl gegen die Kongressabgeordnete Jasmine Crockett.
Talarico ist Abgeordneter im Repräsentantenhaus des Bundesstaats Texas, ehemaliger Lehrer und presbyterianischer Theologiestudent. Politisch verbindet er progressive Positionen mit einer stark auf wirtschaftliche Alltagsthemen ausgerichteten, populistischen Sprache. Sein zentrales Wahlkampfmotiv lautet weniger „links gegen rechts“ als vielmehr arbeitende Bevölkerung gegen politische und wirtschaftliche Machteliten.
Paxton ist seit 2015 Generalstaatsanwalt von Texas und gehört zum rechten Flügel der Republikanischen Partei. Im Gegensatz zu manchen republikanischen Kandidaten in umkämpften Bundesstaaten versucht er nicht, Distanz zu Donald Trump aufzubauen. Seine eigene Kampagne stellt ausdrücklich heraus, dass er Trumps Agenda im Senat fortführen will.
Umfragen: Talarico und Paxton liegen eng beieinander
Die bisher veröffentlichten Umfragen zeigen kein typisches Texas-Rennen mit einem klaren republikanischen Vorsprung. Die auf US-Wahl.de berücksichtigten Erhebungen zeichnen vielmehr das Bild eines engen Rennens: Die University of Texas sah Talarico im August vorne, während Emerson einen knappen Vorsprung für Paxton ermittelte. Auch Texas Southern University und Fox News sahen Talarico zuvor leicht in Führung.
Umfragen sind Momentaufnahmen. Unterschiede bei Stichprobe, Befragtenmodell und Erhebungsmethode können gerade in einem engen Rennen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Eine republikanische Serie, die bis zu Lyndon B. Johnson zurückreicht
Für die Demokraten wäre ein Sieg historisch. Kein Demokrat hat seit 1988 überhaupt noch eine US-Senatswahl in Texas gewonnen. Bei dem 2026 zur Wahl stehenden Class-II-Sitz reicht die republikanische Serie sogar noch weiter zurück: Zuletzt gewann 1960 Lyndon B. Johnson diesen Sitz für die Demokraten. Nachdem Johnson zum Vizepräsidenten gewählt worden war, gewann der Republikaner John Tower 1961 die Nachwahl. Seitdem wurde dieser Senatssitz ohne Unterbrechung von Republikanern gehalten.
„Texas wird blau“ – die Hoffnung der Demokraten blieb bislang unerfüllt
Kaum ein großer Bundesstaat hat in den vergangenen Jahren so regelmäßig Spekulationen über einen möglichen politischen Umbruch ausgelöst wie Texas. Das liegt vor allem daran, dass die republikanischen Vorsprünge zwischenzeitlich deutlich schrumpften.
2018 wurde Beto O’Rourke zum Symbol dieser Hoffnung. Er verlor gegen Ted Cruz nur mit 48,3 zu 50,9 Prozent. Zwei Jahre später blieb Donald Trumps Vorsprung bei der Präsidentschaftswahl mit rund 5,6 Punkten ebenfalls vergleichsweise klein.
2022 versuchten die Demokraten erneut, diesen Trend zu nutzen. O’Rourke trat gegen Gouverneur Greg Abbott an, verlor diesmal allerdings deutlich mit rund elf Punkten Rückstand. Auch 2024 hofften Demokraten sowohl bei der Präsidentschaftswahl als auch bei der Senatswahl auf ein engeres Ergebnis: Colin Allred galt zeitweise als ernsthafte Gefahr für Ted Cruz. Am Ende gewann Cruz jedoch mit rund neun Prozentpunkten, während Donald Trump Texas gegen Kamala Harris sogar mit rund 13,7 % Vorsprung gewann.
Der Weg von Texas zu einem echten Swing State ist also noch nicht geebnet. Gerade das Ergebnis von 2024 zeigte, dass Republikaner weiterhin in der Lage sind, ihre traditionellen ländlichen Hochburgen mit neuen Zugewinnen etwa in South Texas zu verbinden.
Warum Texas trotzdem nicht mehr als völlig unangreifbar gilt
Texas hat sich gesellschaftlich und demografisch stark verändert. Die großen Metropolregionen rund um Houston, Dallas–Fort Worth, Austin und San Antonio wachsen seit Jahren stark. Viele Vorstädte, die früher zuverlässig republikanisch gewählt haben, sind wettbewerbsfähiger geworden oder haben sich teilweise den Demokraten angenähert. Hinzu kommen eine jüngere und ethnisch diverse Bevölkerung sowie eine enorme Zahl neu zugezogener Einwohner.
Gleichzeitig ist aber die oft erwartete automatische Verschiebung zugunsten der Demokraten ausgeblieben. Besonders unter lateinamerikanischen Wählerinnen und Wählern in South Texas haben die Republikaner zuletzt deutliche Fortschritte erzielt.
Für Demokraten entsteht eine realistische Chance vor allem dann, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig zusammenkommen: hohe Beteiligung in den Großstädten, starke Ergebnisse in den Vorstädten, ausreichende Unterstützung unter lateinamerikanischen Wählerinnen und Wählern und zugleich ein republikanischer Kandidat, der bei moderateren oder unabhängigen Wählern Schwächen zeigt. Genau deshalb ist das Duell Talarico gegen Paxton 2026 so interessant.
Kann Texas 2026 tatsächlich kippen?
2026 unterscheidet sich von vielen früheren Versuchen. Talarico verfügt über eine starke Fundraising-Basis und führt oder liegt in mehreren Umfragen gleichauf. Paxton wiederum mobilisiert den konservativen Kern der republikanischen Wählerschaft, ist aber stärker polarisierend als viele frühere republikanische Kandidaten.
Hinzu kommt, dass der harte republikanische Vorwahlkampf sichtbare Spuren hinterlassen hat. Der unterlegene Amtsinhaber John Cornyn unterstützt Paxton bislang nicht aktiv. Ende August erklärte Cornyn, seine eigenen Fundraising-Möglichkeiten nicht für Paxton einsetzen zu wollen, und kritisierte dessen Wahlkampfführung sowie dessen mangelnde Ansprache traditioneller republikanischer Wähler und Spender. Cornyn will zwar weiterhin eine republikanische Senatsmehrheit und unterstützt Talarico ausdrücklich nicht – seine Distanz zu Paxton zeigt aber, dass der republikanische Kandidat nach der Vorwahl nicht automatisch die gesamte Partei hinter sich vereint hat.
Texas bleibt damit zunächst republikanisch geprägt. Doch wenn die Demokraten hier tatsächlich konkurrenzfähig bleiben, könnte aus einem Sitz, den die Republikaner jahrzehntelang als selbstverständlich betrachtet haben, eines der wichtigsten Rennen um die Senatsmehrheit werden.
Für die Mehrheitsrechnung im US-Senat wäre ein demokratischer Sieg in Texas besonders wertvoll. Die Republikaner verfügen derzeit über 53 Sitze, die Demokraten und die mit ihnen kooperierenden Unabhängigen über 47. Für eine eigene Mehrheit von 51 Sitzen brauchen die Demokraten damit netto vier zusätzliche Sitze. Texas ist einer der republikanisch gehaltenen Sitze, bei denen ein Gewinn diesen Weg unmittelbar verkürzen würde. Gelingt den Demokraten ausgerechnet hier der Wechsel, müssten sie – vorausgesetzt, sie verteidigen ihre eigenen Sitze – nur noch drei weitere republikanisch gehaltene Sitze hinzugewinnen. Ein Erfolg in Texas wäre deshalb nicht nur symbolisch spektakulär, sondern ein zentraler Baustein für einen möglichen Machtwechsel im Senat.
Ein wirtschaftspopulistischer Ton mit Blick auf 2028?
Talaricos Rhetorik ähnelt in Teilen einer breiteren wirtschaftspopulistischen Strömung innerhalb der Demokratischen Partei, die auch bei New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani und dem demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed in Michigan sichtbar ist: Im Mittelpunkt stehen Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Macht und die Frage, ob Politik stärker den Interessen arbeitender Menschen oder wohlhabender Eliten dient. Talarico verbindet diesen Ansatz allerdings mit einem stärker religiös und texanisch geprägten Auftreten und positioniert sich damit weniger eindeutig links als Mamdani.
Ein Sieg Talaricos hätte also Potenzial die Debatte über die parteistrategische Ausrichtung der Demokraten zu befeuern. Sollte zugleich Abdul El-Sayed in Michigan erfolgreich sein, könnten Demokraten darin einen Hinweis sehen, dass ein stärker auf Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Ungleichheit und die Macht großer Vermögen ausgerichteter und in der Tonalität populistischer Kurs auch außerhalb besonders linker Großstädte Wahlen gewinnen kann. Zusammen mit Zohran Mamdanis Erfolg in New York würde das die innerparteiliche Debatte darüber beeinflussen, mit welchem wirtschaftspolitischen Profil die Demokraten in Richtung Präsidentschaftswahl 2028 gehen. Zwei Senatssiege wären dafür noch kein Beweis für eine nationale Erfolgsformel – aber sie wären deutlich aussagekräftiger als ein Erfolg allein im stark demokratisch geprägten New York City.
Wird Paxtons Nähe zu Donald Trump zu einem Problem?
Bei Paxton handelt es sich nicht um einen republikanischen Kandidaten, der sich für die General Election sichtbar von Trump zu lösen versucht. Seine offizielle Kampagnenseite überschreibt einen eigenen Programmpunkt mit „Carry the Torch for Trump’s Agenda“ und bezeichnet ihn ausdrücklich als loyalen Unterstützer des Präsidenten und der America-First-Bewegung. Zu seinen angekündigten Zielen gehören Trumps Steueragenda, eine harte Grenz- und Abschiebungspolitik sowie die Unterstützung der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen MAGA-Agenda.
Die Verbindung ist auch im aktuellen Wahlkampf sichtbar: Trump unterstützt Paxton und war Ende August in Texas, um seine Kandidatur und das republikanische Fundraising zu stärken. Für Paxton ist die Nähe zu Trump deshalb kein Nebenaspekt des Wahlkampfs, sondern ein zentraler Bestandteil seines politischen Profils.
Gerade diese Nähe kann für die Republikaner zugleich zum Risiko werden. Trump gewann Texas 2024 zwar deutlich, seine landesweiten Zustimmungswerte sind im Sommer 2026 jedoch stark gefallen. Eine Reuters/Ipsos-Erhebung vom 24. August sah seine Zustimmung nur noch bei 33 Prozent. Für Paxton bedeutet das: Je stärker der Senatswahlkampf zu einem Referendum über Trump wird, desto schwieriger kann es werden, unabhängige und moderatere Wähler zu erreichen. Das ist besonders relevant, weil das Rennen in Texas derzeit deutlich enger ist als Trumps eigener Vorsprung im Bundesstaat bei der Präsidentschaftswahl 2024.
Die wichtigsten Themen: Lebenshaltungskosten, Grenze und die Zukunft des Wachstums
Die jüngste Umfrage des Texas Politics Project zeigt, dass Wirtschaft und Lebenshaltungskosten inzwischen für Wähler beider Parteien zu den wichtigsten Problemen gehören. Rund 29 Prozent nennen Inflation, Preise oder die Wirtschaft als wichtigstes Problem des Bundesstaates. Besonders groß ist die Sorge um Lebensmittel, Gesundheitsversorgung, Energie und Wohnen.
Talarico versucht diese Themen unter einer gemeinsamen Botschaft zusammenzuführen: Für ihn sind hohe Kosten und politische Korruption eng miteinander verbunden. Er fordert unter anderem niedrigere Medikamenten- und Wohnkosten, stärkere öffentliche Schulen, günstigere Kinderbetreuung und die Rücknahme von Trumps Zöllen.
Paxton setzt stärker auf klassische konservative Schwerpunkte: Grenzsicherung, Abschiebungen, Steuersenkungen, weniger Regulierung, mehr Energieproduktion und gesellschaftspolitisch konservative Positionen. Gleichzeitig greift auch er inzwischen die hohen Lebenshaltungskosten auf. Beim Thema Rechenzentren fordert er etwa, dass deren Wachstum nicht zu höheren Stromkosten für texanische Haushalte führen dürfe.









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