Senatswahl 2026 in Iowa: Republikaner fürchten Sitzverlust
Noch vor Jahren hätte ein offener republikanischer Senatssitz in Iowa kaum zu den wichtigsten Rennen eines Midterm-Jahres gehört. Donald Trump gewann den Bundesstaat 2024 mit mehr als 13 Prozentpunkten Vorsprung, beide Senatoren sind Republikaner und auch die Kongressdelegation ist derzeit vollständig republikanisch.
2026 ist die Ausgangslage jedoch ungewöhnlich. Senatorin Joni Ernst tritt nach zwei Amtszeiten nicht erneut an. Für die Republikaner kandidiert die Kongressabgeordnete Ashley Hinson, für die Demokraten der Bundesstaatsabgeordnete und zweifache Paralympics-Sieger Josh Turek. Hinzu kommt der Libertäre Thomas Laehn.
Was zunächst nach einer republikanischen Pflichtverteidigung aussah, hat sich im Laufe des Jahres zu einem der umkämpften Senatsrennen entwickelt.
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Ein offener Sitz nach zwölf Jahren Joni Ernst
Der 2026 zur Wahl stehende Class-II-Sitz wird seit 2015 von Joni Ernst gehalten. Sie gewann ihn 2014 erstmals für die Republikaner und verteidigte ihn 2020 gegen die Demokratin Theresa Greenfield.
Damals erhielt Ernst rund 51,7 Prozent, Greenfield etwa 45,2 Prozent. Der republikanische Vorsprung betrug damit gut sechs Prozentpunkte. Ernst kündigte im September 2025 an, 2026 nicht für eine dritte Amtszeit anzutreten.
Damit fehlt den Republikanern der Amtsinhaberbonus. Für die Demokraten eröffnet sich gleichzeitig die Chance, erstmals seit 2008 wieder eine Senatswahl in Iowa zu gewinnen.
Iowa seit 2016: vom Swing State zum republikanischen Staat
Barack Obama gewann Iowa sowohl 2008 als auch 2012. Seit Donald Trumps erstem Wahlsieg 2016 hat sich der Bundesstaat jedoch deutlich nach rechts verschoben.
| Wahl | Ergebnis | Vorsprung |
|---|---|---|
| Präsident 2016 | Trump 51,2 – Clinton 41,7 | R +9,4 |
| Gouverneur 2018 | Reynolds 50,3 – Hubbell 47,5 | R +2,8 |
| Präsident 2020 | Trump 53,1 – Biden 44,9 | R +8,2 |
| Senat 2020 | Ernst 51,8 – Greenfield 45,2 | R +6,6 |
| Gouverneur 2022 | Reynolds 58,0 – DeJear 39,5 | R +18,5 |
| Senat 2022 | Grassley 56,0 – Franken 43,8 | R +12,2 |
| Präsident 2024 | Trump 55,7 – Harris 42,5 | R +13,2 |
Trump gewann Iowa 2016, 2020 und 2024 jeweils deutlich. Besonders 2024 war der Abstand mit rund 13 Punkten größer als in den beiden vorherigen Präsidentschaftswahlen. Gerade deshalb ist das offene Senatsrennen 2026 bemerkenswert.
Die Kandidaten
Ashley Hinson ist seit 2021 Mitglied des US-Repräsentantenhauses. Zuvor saß sie im Repräsentantenhaus von Iowa. Vor ihrer politischen Karriere arbeitete sie mehr als zehn Jahre als Fernsehjournalistin bei lokalen Fernsehsender, KCRG-TV in Cedar Rapids.
Politisch verbindet Hinson ein konservatives Profil mit dem Versuch, sich zugleich als pragmatische und teilweise überparteiliche Abgeordnete zu präsentieren.
Josh Turek vertritt seit 2023 einen Wahlkreis rund um Council Bluffs im Repräsentantenhaus von Iowa. Er nahm viermal an Paralympischen Spielen im Rollstuhlbasketball teil. 2016 und 2020 gewann er mit der US-Mannschaft jeweils Gold.
Sein politisches Profil beschreibt Turek selbst als „common sense prairie populist“. Er verbindet klassische demokratische Positionen mit wirtschaftspopulistischen Forderungen und einer stärkeren Ansprache ländlicher Wähler.
Ashley Hinson und Donald Trump: Nähe als Stärke – und mögliches Risiko
Hinson gehört seit Jahren zu Trumps zuverlässigen Unterstützerinnen und wirbt offensiv mit dieser Verbindung. Trump unterstützte ihre bisherigen Kongresskandidaturen und stellte sich auch früh hinter ihre Senatskandidatur.
In der republikanischen Vorwahl war das ein klarer Vorteil. Hinson trat gegen den früheren Staatssenator Jim Carlin an und gewann die Vorwahl deutlich mit rund 74 zu 26 Prozent.
Demokratische Vorwahl: Turek gewinnt mit dem Argument der Wählbarkeit
Die demokratische Vorwahl drehte sich stark um die Frage, welcher Kandidat überhaupt in einem republikanisch gewordenen Iowa gewinnen kann. Tureks wichtigster Gegner war Staatssenator Zach Wahls.
Tureks stärkstes Argument war seine eigene Wahlgeschichte. Er gewann 2022 einen Sitz im Repräsentantenhaus von Iowa in einer Region, die gleichzeitig mehrheitlich republikanisch abstimmte. 2024 bestätigte er diesen Erfolg: In den Precincts seines Wahlkreises erhielt Trump deutlich mehr Stimmen als Harris – Turek gewann dort dennoch mit etwa 52,5 % zu 47,4 %.
Damit konnte Turek argumentieren, bereits praktisch bewiesen zu haben, dass er Trump-Wähler und Unabhängige erreichen kann. Die demokratischen Wähler folgten diesem Argument deutlich: Turek schlug Wahls mit 62,6 % zu 37,4 %.
Kann Turek sein Erfolgsmodell landesweit übertragen?
Ein demokratischer Senatskandidat kann Iowa 2026 kaum gewinnen, indem er lediglich die klassischen demokratischen Hochburgen maximiert. Turek muss zusätzlich in kleineren Städten, Vororten und ländlichen Regionen deutlich besser abschneiden als Harris 2024.
Seine bisherige politische Karriere bietet dafür zumindest ein Argument. Turek verbindet Forderungen nach stärkerer sozialer Absicherung und Arbeitnehmerrechten mit Themen, die in Iowa besonders relevant sind: Familienfarmen, Agrarmonopole, hohe Lebensmittelpreise, ländliche Krankenhäuser und politische Korruption.
Das Risiko liegt auf der anderen Seite: Iowa ist strukturell inzwischen deutlich republikanischer als Tureks eigener Wahlkreis. Ein lokaler persönlicher Bonus lässt sich nicht zwangsläufig auf einen gesamten Bundesstaat übertragen.
Die wichtigsten Themen des Rennens
Aktuelle Umfragen: praktisch vollständiger Gleichstand
Die jüngsten Umfragen haben das Rennen in Iowa noch einmal deutlich enger gemacht. Im aktuellen US-Wahl.de-Durchschnitt liegt Ashley Hinson nur noch 0,5 Prozentpunkte vor Josh Turek. Damit ist das Rennen in den Umfragen praktisch ausgeglichen.
Besonders auffällig sind die beiden jüngsten Erhebungen: Rasmussen sieht Turek fünf Punkte vor Hinson, YouGov zwei Punkte. Dagegen hatte Emerson Hinson Anfang September noch mit fünf Punkten Vorsprung gemessen. Auch Suffolk sah die Republikanerin Ende August vorne.
| Institut | Zeitraum | Turek (D) | Hinson (R) | Vorsprung |
|---|---|---|---|---|
| Rasmussen | 08.09.–10.09. | 45 % | 40 % | D +5 |
| YouGov | 03.09.–08.09. | 45 % | 43 % | D +2 |
| Emerson | 31.08.–01.09. | 45 % | 50 % | R +5 |
| Suffolk University | 20.08.–23.08. | 41 % | 45 % | R +4 |
Stand: 12. September 2026. Der aktuelle US-Wahl.de-Durchschnitt liegt bei 44,0 Prozent für Josh Turek und 44,5 Prozent für Ashley Hinson. US-Wahl.de berücksichtigt für den Senatsdurchschnitt Umfragen innerhalb des aktuellen 45-Tage-Fensters; je Institut zählt nur die jeweils neueste Erhebung. Den fortlaufend aktualisierten Stand findet ihr bei den Senatsumfragen auf US-Wahl.de.
Die vier aktuellen Erhebungen zeigen zugleich, wie unsicher das Rennen noch ist. Zwei Institute sehen Turek vorne, zwei Hinson. Die Spannweite reicht von Turek +5 bei Rasmussen bis zu Hinson +5 bei Emerson. Dass Hinson derzeit nur einen halben Punkt vor Turek liegt, unterstreicht, warum der offene Senatssitz inzwischen zu den ernsthaft umkämpften Rennen des Jahres gehört.
Was entscheidet Iowa im November?
Tureks Chance beruht darauf, dass 2026 kein normales Iowa-Wahljahr ist. Der Sitz ist offen. Gleichzeitig sind auch das Gouverneursrennen und mehrere House-Wahlen konkurrenzfähig. Wirtschaftliche Themen wie Zölle, Landwirtschaft, Lebenshaltungskosten und Gesundheitsversorgung bieten den Demokraten Angriffspunkte, die besonders gut zu Iowa passen.
Turek muss dafür jedoch etwas schaffen, was keinem demokratischen Senatskandidaten in Iowa seit 2008 gelungen ist: Er muss einen erheblichen Teil jener Wähler erreichen, die bei Präsidentschaftswahlen inzwischen zuverlässig republikanisch abstimmen.
Für die Demokraten wäre ein Sieg besonders wertvoll: Anders als etwa in Michigan verteidigen sie hier keinen eigenen Sitz, sondern könnten den Republikanern einen Senatssitz direkt abnehmen.
Wer die Entwicklung bis zum Wahltag verfolgen möchte, findet den laufend aktualisierten Stand in der US-Wahl.de-Senatsprognose und bei den aktuellen Senatsumfragen. Hinweise dazu, wie einzelne Erhebungen und Durchschnittswerte einzuordnen sind, gibt es außerdem unter 10 Hinweise zu US-Wahlumfragen.









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