Wissenswertes · Präsidentschaftswahl

Wahlsystem & Electoral College

Nach den Vorwahlen steht das gemeinsame Ticket aus Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidat fest. In der General Election entscheiden die Wähler aber nicht unmittelbar über den Präsidenten. Ihre Stimmen bestimmen, welche Wahlleute ein Bundesstaat in das Electoral College entsendet – und diese Wahlleute wählen später Präsident und Vizepräsident.

Der rote Faden: Nominierung → gemeinsames Ticket → General Election → Wahlleute → Electoral Vote → Auszählung im Kongress → Amtseinführung.
Nach dem Nominierungsparteitag

Präsident und Vizepräsident treten als gemeinsames Ticket an

Mit der Nominierung endet der innerparteiliche Wettbewerb. Der Präsidentschaftskandidat benennt einen Running Mate; die Partei nominiert damit ein gemeinsames Ticket aus Kandidat für das Präsidentenamt und Kandidat für das Vizepräsidentenamt. Auf modernen Stimmzetteln erscheinen beide Namen gemeinsam.

PresidentPräsidentschaftskandidat

führt das Ticket an und bewirbt sich um das Präsidentenamt.

Vice PresidentRunning Mate

tritt gemeinsam mit dem Präsidentschaftskandidaten für das Vizepräsidentenamt an.

Die Wähler geben in der General Election eine gemeinsame Stimme für das Ticket ab. Die Wahlleute stimmen später formal getrennt für Präsident und Vizepräsident.
Ballot der WählerEine Wahlentscheidung für das gemeinsame President/VP-Ticket.
Ballot der WahlleuteGetrennte Stimmen für Präsident und Vizepräsident nach dem 12. Zusatzartikel.
General Election

Die Bürger wählen den Präsidenten nicht unmittelbar

Bei der Präsidentschaftswahl entscheiden die Wähler darüber, welche Gruppe von Wahlleuten – Electors – ihr Bundesstaat entsendet. Diese Wahlleute sind in der Regel einem bestimmten Ticket verpflichtet. Das Ergebnis des Popular Vote wird deshalb über die Regeln des Bundesstaates in Electoral Votes übersetzt.

Popular VoteStimmen der Bürger für das gemeinsame Ticket.
WahlleuteDer Bundesstaat bestimmt entsprechend seinem Wahlrecht die Electors des erfolgreichen Tickets.
Electoral VoteDie Wahlleute wählen Präsident und Vizepräsident formal.
Wichtig: Der landesweite Popular Vote wird zwar politisch stark beachtet, entscheidet aber nicht unmittelbar über die Präsidentschaft. Entscheidend ist die Mehrheit im Electoral College.
Verfassungsordnung seit 1787

Warum entstand das Electoral College?

Auf der Constitutional Convention 1787 wurden unterschiedliche Verfahren diskutiert: eine direkte Volkswahl, die Wahl durch den Kongress und verschiedene indirekte Modelle. Das Electoral College entstand als Kompromiss, der die Wahl des Präsidenten vom Kongress trennen, den Bundesstaaten eine Rolle geben und zugleich eine Beteiligung der Wähler ermöglichen sollte.

Das ursprüngliche System

Die Verfassung gab jedem Bundesstaat eine Zahl von Wahlleuten entsprechend seiner Vertretung in Senat und Repräsentantenhaus. Das Verfahren war ursprünglich noch nicht auf moderne Parteien und gemeinsame President/VP-Tickets zugeschnitten.

Die Wahl von 1800 offenbarte die Schwächen: Thomas Jefferson und Aaron Burr erhielten gleich viele Wahlmännerstimmen. Der 12. Zusatzartikel von 1804 führte daraufhin getrennte Wahlleute-Stimmen für Präsident und Vizepräsident ein.

Berechnung der Electoral Votes

Wie viele Wahlleute hat ein Bundesstaat?

Die Grundformel ist einfach: Jeder Bundesstaat erhält so viele Wahlleute, wie er Mitglieder im Kongress hat – also seine Sitze im Repräsentantenhaus plus seine beiden Senatoren.

HouseZahl der Sitze des Bundesstaates im Repräsentantenhaus
+
2Senatoren – unabhängig von der Bevölkerungszahl
=
EVElectoral Votes des Bundesstaates
Kalifornien · 5452 House + 2 Senate
Texas · 4038 House + 2 Senate
Wyoming · 31 House + 2 Senate
Washington, D.C.: Der District of Columbia ist kein Bundesstaat und hat keine Senatoren. Durch den 23. Zusatzartikel erhält D.C. dennoch drei Wahlleute.
Census & Apportionment

Warum kann sich die Zahl der Wahlleute verändern?

Alle zehn Jahre erfasst der Census die Bevölkerung. Danach werden die 435 Sitze des Repräsentantenhauses durch das Apportionment neu auf die Bundesstaaten verteilt. Bevölkerungsverschiebungen können deshalb House-Sitze – und damit Electoral Votes – von einem Bundesstaat zu einem anderen verschieben.

CensusVolkszählung alle zehn Jahre.
Apportionment435 House-Sitze werden neu verteilt.
Electoral CollegeNeue House-Verteilung verändert die Wahlleute-Zahlen.
Für die Präsidentschaftswahl 2028 gilt noch die Verteilung auf Grundlage des Census 2020. Erst nach dem Census 2030 wird neu apportioniert.
Die Mehrheitsrechnung

Warum gibt es 538 Wahlleute – und warum braucht man 270?

435Mitglieder des Repräsentantenhauses
+
100Senatoren
+
3Wahlleute für Washington, D.C.
538Electoral Votes insgesamt
270Mehrheit, wenn alle 538 Wahlleute ernannt sind
Entscheidend ist die Mehrheit: Ein Kandidat muss nicht nur mehr Electoral Votes als der Gegner haben, sondern eine Mehrheit der ernannten Wahlleute erreichen.
Winner-take-all

Warum können wenige Stimmen einen ganzen Bundesstaat entscheiden?

In 48 Bundesstaaten und Washington, D.C. gilt derzeit grundsätzlich das Winner-take-all-Prinzip: Das Ticket mit den meisten Stimmen im Bundesstaat erhält sämtliche Electoral Votes dieses Bundesstaates.

Beispiel-Bundesstaat · 16 Electoral Votes

Ticket A50,4 %
Ticket B48,7 %

Der Vorsprung im Popular Vote ist knapp.

Electoral Vote16 : 0Ticket A erhält trotzdem alle 16 Wahlleute dieses Beispiel-Bundesstaates.
Genau deshalb sind Swing States so wichtig: In knappen Bundesstaaten kann eine kleine Verschiebung im Popular Vote einen großen Block von Electoral Votes von einem Ticket zum anderen verschieben.

→ Aktuelle Swing States: Umfragen & Trends

Die beiden Ausnahmen

Maine und Nebraska verteilen nicht nach reinem Winner-take-all

Maine und Nebraska verwenden die Congressional District Method. Zwei Wahlleute gehen an den Sieger des bundesstaatweiten Popular Vote. Zusätzlich erhält der Sieger jedes Congressional District jeweils einen Electoral Vote.

Maine · 4 Electoral Votes
2bundesstaatweiter Sieger
1ME-01
1ME-02
Nebraska · 5 Electoral Votes
2bundesstaatweiter Sieger
1NE-01
1NE-02
1NE-03
Folge: In Maine und Nebraska können die Electoral Votes eines Bundesstaates zwischen zwei Tickets aufgeteilt werden.
Der Wahltag und die Wochen danach

Election Day ist der politische Höhepunkt – aber noch nicht das formelle Ende

Die Präsidentschaftswahl findet bundesrechtlich am Dienstag nach dem ersten Montag im November statt. Die Namen des President-/Vice-President-Tickets stehen auf dem Stimmzettel; rechtlich entscheidet die Stimme darüber, welche Wahlleute für dieses Ticket bestellt werden.

November
1
Election Day & AuszählungDie Bundesstaaten zählen die Stimmen nach ihren jeweiligen Regeln, einschließlich Briefwahl, vorläufiger Stimmen, Nachzählungen und möglicher Rechtsverfahren.
danach
2
Feststellung und ZertifizierungDer Bundesstaat stellt das Ergebnis fest. Das Certificate of Ascertainment dokumentiert, welche Wahlleute offiziell bestellt wurden.
spätestens 6 Tage vorher
3
Certificate of AscertainmentNach dem reformierten Bundesrecht muss die maßgebliche Bescheinigung spätestens sechs Tage vor dem Treffen der Wahlleute ausgestellt sein.
Der eigentliche Electoral Vote

Die Wahlleute treffen sich in ihren Bundesstaaten

Die 538 Wahlleute kommen nicht gemeinsam in Washington zusammen. Sie treffen sich jeweils in ihren eigenen Bundesstaaten – am ersten Dienstag nach dem zweiten Mittwoch im Dezember – und geben ihre Stimmen ab.

Zwei getrennte Abstimmungen

Seit dem 12. Zusatzartikel stimmen die Electors getrennt über Präsident und Vizepräsident ab. Das gemeinsame Ticket der General Election wird damit im Electoral College rechtlich in zwei getrennte Wahlentscheidungen übersetzt.

Presidenteine Electoral Vote pro Wahlmann
Vice Presidenteine separate Electoral Vote pro Wahlmann
Nach der Abstimmung: Die Electoral Votes werden im Certificate of Vote dokumentiert und zusammen mit den maßgeblichen Bescheinigungen an die gesetzlich vorgesehenen Stellen übermittelt.
Formelle Auszählung in Washington

Am 6. Januar zählt der Kongress die Electoral Votes

Senat und Repräsentantenhaus treten in einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Der Präsident des Senats – normalerweise der amtierende Vizepräsident – führt den Vorsitz. Seine Rolle ist nach dem Electoral Count Reform Act ausdrücklich ministeriell: Er entscheidet nicht selbst, welche Wahlleute akzeptiert werden.

Normalfall
Stimmen werden geöffnet und gezählt

Die ordnungsgemäß eingereichten Electoral Votes werden Bundesstaat für Bundesstaat festgestellt. Erreicht ein Ticket die erforderliche Mehrheit, werden Präsident und Vizepräsident als gewählt erklärt.

Einspruch
Hohe gesetzliche Hürden

Ein Einspruch muss schriftlich erfolgen und von mindestens einem Fünftel beider Kammern getragen werden. Nur gesetzlich definierte Gründe sind zulässig; damit ein Einspruch Erfolg hat, müssen anschließend beide Kammern getrennt zustimmen.

Der Vizepräsident kann das Wahlergebnis in dieser Sitzung nicht eigenmächtig verändern oder Electoral Votes einseitig verwerfen.
Wenn niemand die Mehrheit erreicht

269 : 269 – oder ein anderer Fall ohne Electoral-College-Mehrheit

Ein Gleichstand von 269 zu 269 ist der bekannteste mögliche Sonderfall. Verfassungsrechtlich entscheidend ist jedoch allgemeiner: Kein Präsidentschaftskandidat erreicht eine Mehrheit der ernannten Wahlleute. Dann greift die Contingent Election nach dem 12. Zusatzartikel.

PräsidentRepräsentantenhaus

Das House wählt aus den drei Präsidentschaftskandidaten mit den meisten Electoral Votes.

1 Staat = 1 Stimme

Die Abgeordneten stimmen nach Bundesstaatsdelegationen. Für die Wahl sind Stimmen einer Mehrheit aller Bundesstaaten erforderlich – bei 50 Staaten also 26.

VizepräsidentSenat

Der Senat wählt aus den zwei Vizepräsidentschaftskandidaten mit den meisten Electoral Votes.

1 Senator = 1 Stimme

Für die Wahl ist eine Mehrheit des gesamten Senats erforderlich. Präsident und Vizepräsident können deshalb im Extremfall sogar aus unterschiedlichen politischen Tickets hervorgehen.

Der Abschluss des Wahlverfahrens

Am 20. Januar beginnt die neue Amtszeit

Nach der Auszählung der Electoral Votes folgt die Amtseinführung. Nach dem 20. Zusatzartikel endet die Amtszeit des bisherigen Präsidenten und Vizepräsidenten am 20. Januar um 12 Uhr; zu diesem Zeitpunkt beginnt die neue Amtszeit.

Mit dem Amtseid des Präsidenten endet damit ein Prozess, der Monate zuvor mit Kandidaturen und Vorwahlen begonnen hat.

Nominierung → gemeinsames Ticket → General Election → Electoral College → Kongress → Präsident der Vereinigten Staaten
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Quellen & Weiterführendes

Verfassung, Bundesrecht und offizielle Verfahren

Für diese Seite wurden insbesondere die Verfassung, die offiziellen Informationen der National Archives and Records Administration, das U.S. Census Bureau und die gesetzlichen Regelungen zum Electoral Count herangezogen.

Inhaltlicher Stand: August 2026

Wahlsystem & Electoral College

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