Senatswahl 2026 in Maine: Kann Collins nochmals Unabhängige gewinnen?
Susan Collins gehört seit Jahrzehnten zu den eigenständigsten Republikanerinnen im US-Senat. 2026 muss sie ihren Sitz gegen den Demokraten Troy Jackson verteidigen. Aktuell zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Collins’ besondere Stärke bei unabhängigen und moderaten Wählern muss mehr Stimmen generieren als sie bei MAGA-Wählern liegen lässt.
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Maine gehört 2026 zu den Senatsrennen, in denen die politische Ausrichtung des Bundesstaates und das Profil der Kandidaten besonders stark auseinanderlaufen. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 gewann Kamala Harris Maine landesweit. Gleichzeitig vertritt mit Susan Collins seit 1997 eine Republikanerin den Bundesstaat im US-Senat.
Collins hat diese Konstellation wiederholt überstanden, weil sie sich ein eigenständiges Profil aufgebaut hat und stärker als viele andere Republikaner auf unabhängige sowie parteiübergreifend Wählerinnen und Wähler angewiesen ist. 2026 trifft sie auf Troy Jackson, den früheren Präsidenten des Senats von Maine und langjährigen Vertreter des ländlichen Nordens des Bundesstaates.
Maine: demokratisch bei Präsidentschaftswahlen, republikanisch im Senat
Die politische Besonderheit Maines zeigt sich schon an den vergangenen Wahlen. Harris gewann den Bundesstaat 2024 landesweit und erhielt drei der vier Wahlleute; Donald Trump gewann den 2. Congressional District und damit eine Electoral Vote. Maine bleibt damit regional stark geteilt.
Auch Collins hat gezeigt, dass Senats- und Präsidentschaftswahlen in Maine unterschiedlich ausgehen können. 2020 gewann sie ihre fünfte Amtszeit mit rund 51,0 Prozent der Stimmen gegen die Demokratin Sara Gideon mit rund 42,4 Prozent – obwohl Joe Biden Maine gleichzeitig bei der Präsidentschaftswahl gewann.
| Wahl | Ergebnis | Einordnung |
|---|---|---|
| Senat 2014 | Collins 68,5 – Bellows 31,5 | Republikanischer Sieg |
| Präsident 2016 | Clinton 47,8 – Trump 44,9 | Demokratischer Sieg statewide |
| Senat 2020 | Collins 51,0 – Gideon 42,4 | Republikanischer Sieg |
| Präsident 2020 | Biden 53,1 – Trump 44,0 | Demokratischer Sieg statewide |
| Präsident 2024 | Harris 52,4 – Trump 45,5 | Demokratischer Sieg statewide |
| Electoral College 2024 | Harris 3 – Trump 1 | Trump gewinnt ME-02 |
Für Collins ist genau diese Fähigkeit zum Stimmen-Splitting zentral: Sie kann sich nicht allein darauf verlassen, dass republikanische Wähler geschlossen für sie stimmen. Gleichzeitig muss ein demokratischer Herausforderer verhindern, dass Wähler, die auf Bundesebene eher demokratisch wählen, bei der Senatswahl erneut zu Collins wechseln.
Die Kandidierenden
Susan Collins wurde 1996 erstmals in den US-Senat gewählt und kandidiert 2026 für eine sechste Amtszeit. Sie gehört zu den dienstältesten Mitgliedern des Senats und führt den einflussreichen Appropriations Committee, der über große Teile der jährlichen Bundesausgaben entscheidet.
Ihr politisches Profil ist stärker als bei den meisten republikanischen Senatoren auf Überparteilichkeit und Eigenständigkeit ausgerichtet. Das zeigt sich insbesondere in ihrem wechselhaften Verhältnis zu Donald Trump.
Troy Jackson stammt aus Allagash im äußersten Norden Maines. Er arbeitete selbst in der Forstwirtschaft und machte Arbeitnehmerrechte sowie die wirtschaftliche Lage ländlicher Regionen zu einem zentralen Teil seines politischen Profils.
Jackson war viele Jahre Mitglied der Legislative von Maine und sechs Jahre Präsident des Maine Senate. Nach dem Rückzug des ursprünglichen demokratischen Senatskandidaten Graham Platner wählten ihn die Delegierten der Partei Ende Juli zum neuen Kandidaten gegen Collins.
Susan Collins und Donald Trump: Distanz als Stärke und Risiko
Kaum ein Aspekt prägt das Rennen so stark wie Collins’ Verhältnis zu Donald Trump. Sie ist Republikanerin, hat aber wiederholt gegen Positionen des Präsidenten gestimmt oder dessen Politik öffentlich kritisiert. Besonders deutlich wurde das bereits 2021, als Collins nach dem Angriff auf das Kapitol im zweiten Impeachment-Verfahren für eine Verurteilung Trumps stimmte.
Auch 2026 setzt sich diese Eigenständigkeit fort. Collins kritisiert Trumps verschärfte Zölle gegenüber Kanada und wirbt in Washington um Ausnahmen für Unternehmen und Branchen in Maine. Das Thema ist für den Bundesstaat besonders relevant, weil Maine wirtschaftlich eng mit dem Nachbarland verbunden ist.
Für ihre Wiederwahl entsteht daraus ein politischer Spagat. Ein Teil der republikanischen Basis orientiert sich stark an Trump. Für diese Wähler kann Collins’ wiederholte Abgrenzung ein Grund sein, sie weniger enthusiastisch zu unterstützen oder der Wahl fernzubleiben.
Auf der anderen Seite ist genau diese Unabhängigkeit ein wichtiger Bestandteil ihres Erfolgsmodells. Maine hat einen großen Anteil parteiunabhängiger Wähler, und Collins konnte bei früheren Wahlen auch Stimmen von Menschen gewinnen, die bei anderen Wahlen demokratische Kandidaten unterstützen. Ihre Distanz zu Trump kann deshalb bei moderaten Republikanern, Unabhängigen und einzelnen demokratisch geneigten Wechselwählern ein Vorteil sein.
Kann Collins 2026 erneut genügend republikanische Stammwähler halten und gleichzeitig jene moderaten und unabhängigen Wähler erreichen, die ihre politische Eigenständigkeit schätzen?
Dass dieses Gleichgewicht schwieriger geworden ist, zeigen auch Analysen aus Maine selbst. Demokraten versuchen stärker als früher, Collins mit der Trump-Regierung zu verbinden. Collins wiederum betont ihre eigenen Entscheidungen, ihre Seniorität im Senat und die Bundesmittel, die sie für Maine sichern konnte.
Troy Jackson: Arbeiterprofil statt klassischer Parteikarriere
Jackson versucht, Collins nicht nur über die nationale Parteipolitik anzugreifen. Sein eigenes Profil ist stark von der ländlichen Wirtschaft im Norden Maines geprägt. Er bezeichnet sich als Vertreter arbeitender Menschen und stellt Themen wie Löhne, Medikamentenpreise, Gesundheitsversorgung und die wirtschaftliche Situation kleiner Gemeinden in den Mittelpunkt.
Seine Biografie unterscheidet sich damit deutlich von vielen bundespolitischen Kandidaten. Jackson stammt aus einer Holzfällerfamilie in fünfter Generation. Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte spielten bereits während seiner Zeit in der Staatslegislative eine wichtige Rolle.
Politisch steht Jackson allerdings deutlich links von Collins. Er unterstützt Medicare for All und hat sich im Wahlkampf auch für die Abschaffung der Einwanderungsbehörde ICE ausgesprochen. Republikaner versuchen deshalb, ihn als zu progressiv für Maine darzustellen. Jackson wiederum argumentiert, dass wirtschaftliche Themen und seine Herkunft aus dem ländlichen Norden ihm auch außerhalb klassischer demokratischer Hochburgen Zugang zu Wählern geben können.
Die demokratische Seite ist nicht vollständig geschlossen
Jackson kam unter ungewöhnlichen Umständen zur Senatskandidatur. Nach dem Rückzug von Graham Platner musste die Demokratische Partei kurzfristig einen neuen Kandidaten bestimmen. Bei einem Parteitag in Bangor erhielt Jackson 566 von 571 Delegiertenstimmen.
Trotz dieses deutlichen Ergebnisses sind nicht alle innerparteilichen Spannungen verschwunden. Reuters berichtete am 19. September, dass Maines demokratische Gouverneurin Janet Mills Jackson bislang nicht unterstützt hat. Für Jackson besteht deshalb neben dem Duell mit Collins auch die Aufgabe, die unterschiedlichen Flügel der eigenen Partei für die Schlussphase des Wahlkampfs zusammenzuführen.
Die wichtigsten Themen des Rennens
Aktuelle Umfragen: Jackson knapp vorne
Der aktuelle US-Wahl.de-Umfragedurchschnitt zeigt ein enges Rennen. Troy Jackson liegt derzeit 1,8 Prozentpunkte vor Susan Collins.
Ein Vorsprung von weniger als zwei Punkten zeigt vor allem, wie eng das Rennen derzeit ist. Er reicht nicht aus, um aus den Umfragen allein eine belastbare Aussage über den späteren Wahlausgang abzuleiten.
Für die Demokraten ist Maine besonders interessant, weil sie hier einen republikanisch gehaltenen Sitz angreifen können. Für die Republikaner ist Collins’ Mandat umgekehrt Teil ihrer bestehenden Senatsbasis. Jeder Wechsel des Sitzes verändert daher unmittelbar die Mehrheitsrechnung.
Ich führe das Senatsrennen in Maine derzeit in der Kategorie offen.
Den laufend aktualisierten Stand findet ihr in der US-Wahl.de-Senatsprognose und bei den aktuellen Senatsumfragen. Wie Umfragen und Durchschnittswerte einzuordnen sind, erklären wir außerdem unter 10 Hinweise zu US-Wahlumfragen.
Quellen und weiterführende Links
- Reuters: Collins, Trump und die Kanada-Zölle
- Reuters: Susan Collins kündigt Kandidatur für eine sechste Amtszeit an
- Maine Public: Collins zwischen Trump, Republikanern und Wechselwählern
- Maine Public: Collins, Bundesmittel und unabhängige Wähler
- Maine Public: Troy Jackson wird demokratischer Senatskandidat
- Maine Public: Jacksons politische Schwerpunkte im Senatswahlkampf
- Reuters: innerparteiliche Spannungen bei den Demokraten in Maine
- Offizielle Biografie von Susan Collins
- Troy Jackson for U.S. Senate
- Maine Secretary of State: Wahlergebnisse 2024
- Maine Secretary of State: Wahlergebnisse 2020
- Bildquelle Susan Collins: Wikimedia Commons / U.S. Congress, Public Domain
- Bildquelle Troy Jackson: ArenLeBrun / Wikimedia Commons, CC0
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