Senatswahl 2026 in North Carolina: Republikaner vor Sitzverlust

Noch zu Beginn des Wahljahres galt der offene Senatssitz in North Carolina als eines der besonders schwer einzuschätzenden Rennen der Midterms 2026. Inzwischen hat sich die Ausgangslage deutlich verschoben. Der frühere demokratische Gouverneur Roy Cooper führt gegen den Republikaner Michael Whatley im aktuellen Umfragedurchschnitt mit 8,8 Prozentpunkten. Ich stufe das Duell auch deshalb derzeit mit „Tendenz Demokraten“ ein.

Der republikanische Amtsinhaber Thom Tillis tritt nicht erneut an.

Wie der Sitz frei wurde

Thom Tillis wurde 2014 erstmals in den US-Senat gewählt. Im Juni 2025 kündigte er an, 2026 nicht erneut zu kandidieren. Die Entscheidung fiel unmittelbar nach einem offenen Konflikt mit Präsident Donald Trump über ein umfangreiches Steuer- und Ausgabenpaket. Tillis lehnte das Vorhaben unter anderem wegen der vorgesehenen Auswirkungen im Gesundheitswesen, hier konkret auf Medicaid, ab. Trump kritisierte ihn daraufhin öffentlich und stellte Unterstützung für einen innerparteilichen Herausforderer in Aussicht.

Tillis begründete seinen Rückzug zugleich grundsätzlicher. Im Kongress gebe es immer weniger Raum für unabhängige Positionen und parteiübergreifende Zusammenarbeit. Mit seinem Verzicht wurde aus einer Wahl mit republikanischem Amtsinhaber ein offenes Rennen.

Die Kandidaten

Roy Cooper
Demokraten

Roy Cooper

Ehemaliger Gouverneur von North Carolina

Cooper gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten demokratischen Politikern des Bundesstaates. Nach seiner Zeit in der Legislative wurde er viermal zum Attorney General gewählt und war von 2017 bis Anfang 2025 zwei Wahlperioden Gouverneur. Er stammt aus Nash County und erwarb seinen Bachelor- und Jurabschluss an der University of North Carolina at Chapel Hill.

Für das Senatsrennen ist vor allem seine Erfahrung bei landesweiten Wahlen relevant: Cooper gewann die Gouverneurswahl sowohl 2016 als auch 2020, obwohl Donald Trump den Bundesstaat North Carolina bei den jeweils gleichzeitig stattfindenden Präsidentschaftswahlen gewann.

Kampagnenseite von Roy Cooper ↗

Foto: U.S. Army / Staff Sgt. Mary Junell, Public Domain · Wikimedia Commons ↗
Michael Whatley
Republikaner

Michael Whatley

Ehemaliger Vorsitzender des Republican National Committee

Whatley ist Jurist und arbeitete unter anderem als Bundesgerichtsmitarbeiter sowie als Stabschef der damaligen Senatorin Elizabeth Dole. Später führte er die Republikanische Partei North Carolinas und übernahm 2024 auf Wunsch Donald Trumps den Vorsitz des Republican National Committee.

Anders als Cooper hatte Whatley vor seiner Senatskandidatur kein gewähltes öffentliches Amt inne. Seine bisherige politische Laufbahn war stärker durch administrative Regierungsarbeit, Parteiorganisation und Wahlkampf geprägt. Trump unterstützt seine Kandidatur ausdrücklich.

Kampagnenseite von Michael Whatley ↗

Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons ↗

North Carolina: republikanisch bei Präsidentschaftswahlen, offener bei anderen bundesstaatsweiten Wahlen

Die jüngere Wahlgeschichte North Carolinas zeigt, warum sich Ergebnisse einer Präsidentschaftswahl nicht ohne Weiteres auf andere landesweite Rennen übertragen lassen. Donald Trump gewann den Bundesstaat 2016, 2020 und 2024. Gleichzeitig gewann Cooper 2016 und 2020 jeweils das Gouverneursamt für die Demokraten; 2024 folgte ihm der Demokrat Josh Stein.

Nach Angaben des State Board of Elections gingen Präsidenten- und Gouverneurswahl in neun der vergangenen 16 Präsidentschaftswahljahre an unterschiedliche Parteien. Auch die Wählerregistrierung ist vergleichsweise ausgeglichen: Demokraten, Republikaner und Wähler ohne formale Parteibindung stellen jeweils große Gruppen. Gerade diese Unaffiliated Voters können bei landesweiten Rennen eine wichtige Rolle spielen.

Coopers bisherige Wahlergebnisse zeigen zugleich, dass Ticket-Splitting in North Carolina keineswegs ungewöhnlich ist. Ein Teil der Wählerschaft kann bei der Präsidentschaftswahl republikanisch stimmen und sich gleichzeitig bei einem anderen landesweiten Amt für einen Demokraten entscheiden.

Umfragen: Cooper hat sich deutlich abgesetzt

Umfragedurchschnitt: Roy Cooper +8,8
Aktuelle Einstufung: Tendenz Demokraten

Mit Blick auf diese Umfragewerte ist eine deutliche Tendenz zugunsten der Demokraten festzustellen, wenngleich die Einstufung auf "sicher" noch nicht angezeigt ist.

In den zurückliegenden sechs Wochen gab es keine einzige seriöse Umfrage, die den Republikaner Whatley vorne sah.

Im Jahr 2020 gewann der Republikaner Tillis gegen den Demokraten Cal Cunningham den Sitz mit etwa 1,8 % Vorsprung.

Für die Demokraten ist North Carolina bei den Kongresswahlen 2026 ein extrem wichtiger Baustein auf dem Weg zum Machtwechsel in Senat. Sollte der Wechsel in diesem Bundesstaat nicht gelingen, wäre dies ein herber Rückschlag für die Demokraten.

Die wichtigsten Themen des Wahlkampfs

Cooper stellt vor allem die Lebenshaltungskosten in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Make Stuff Cost Less“ behandelt seine Kampagne unter anderem Lebensmittelpreise, Wohnen, Energie, Kinderbetreuung und Gesundheitsversorgung. In der Gesundheitspolitik verweist er außerdem auf die während seiner Amtszeit erreichte Medicaid-Ausweitung in North Carolina. Diese Punkte geben die Positionierung seiner Kampagne wieder.

Whatley verbindet wirtschaftspolitische Fragen stärker mit der nationalen Agenda Trumps. Seine Kampagne nennt unter anderem geringere Staatsausgaben, eine stärkere heimische Energieproduktion und die Umsetzung einer „America First“-Agenda. Hinzu kommen eine restriktivere Einwanderungspolitik, eine stärker auf Strafverfolgung ausgerichtete Botschaft sowie konservative Positionen beim Waffenrecht und beim Schwangerschaftsabbruch.

Damit unterscheiden sich die beiden Kandidaten sowohl in ihrem politischen Werdegang als auch bei zentralen Wahlkampfthemen deutlich. Cooper versucht, seine langjährige Regierungs- und Wahlerfahrung sowie wirtschaftliche Alltagsthemen in den Vordergrund zu stellen. Whatley setzt stärker auf die Verbindung zur Trump-Regierung und deren politische Agenda.

Geld und Wahlkampf

Auch bei den bislang gemeldeten Kampagnenfinanzen besteht ein deutlicher Unterschied. Nach den veröffentlichten Daten der Federal Election Commission hatten die autorisierten Komitees der beiden Kandidaten bis zum 30. Juni 2026 folgende Einnahmen gemeldet:

Roy Cooper rund 35,0 Mio. US-Dollar
Michael Whatley rund 11,3 Mio. US-Dollar

Bei Cooper belief sich der Kassenbestand zum selben Stichtag auf rund 20,7 Millionen Dollar, bei Whatleys Hauptkampagnenkomitee auf rund 3,5 Millionen Dollar. Diese Angaben betreffen die bei der FEC erfassten autorisierten Kandidatenkomitees. Unabhängige Ausgaben von Parteien, Super PACs und anderen Organisationen werden getrennt erfasst und sind in diesen Summen nicht vollständig enthalten.

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