Trumps historisch schwache Umfragewerte – warum sie für die Midterms wichtig sind

Wenige Wochen vor den Midterm Elections stehen die Republikaner vor einem Problem, das sich kaum von ihrem Präsidenten trennen lässt: Donald Trumps Zustimmungswerte sind auf einen neuen Tiefpunkt gefallen.

Im Durchschnitt befürworten rund fünf  Wochen vor den Kongresswahlen nur noch 38,5 Prozent der Amerikaner Trumps Amtsführung. Ca. 60 Prozent lehnen sie ab. Damit lag seine Nettozustimmung bei −21,5 Prozentpunkten. Je nach Umfragedurchschnitt unterscheiden sich die Werte etwas. Das Gesamtbild ist aber eindeutig.

Das ist für einen Präsidenten kurz vor den Midterms außergewöhnlich schwach.

Historisch schwach – aber nicht ohne Beispiel

Donald Trump hat aktuell mit die niedrigste Zustimmungsquote, die ein Präsident vor Midterms hatte, berücksichtigt man die Wahlzyklen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Für historische Vergleiche eignet sich die Zustimmungsquote besser als die Nettozustimmung, weil Gallup diese über Jahrzehnte vergleichsweise konsistent erhoben hat. Die vom American Presidency Project zusammengestellte Reihe zeigt mehrere Präsidenten, die mit weniger als 50 Prozent Zustimmung in die letzten Wochen vor Midterm Elections gingen.

Jahr Präsident Zustimmung Repräsentantenhaus Senat
1946 Harry Truman 27 % −56 −12
1950 Harry Truman 41 % −28 −6
1966 Lyndon B. Johnson 44 % −47 −4
1978 Jimmy Carter 45 % −15 −3
1982 Ronald Reagan 42 % −26 +1
1994 Bill Clinton 48 % −54 −8
2006 George W. Bush 37 % −30 −6
2010 Barack Obama 45 % −63 −6
2014 Barack Obama 41 % −13 −9
2018 Donald Trump 44 % −41 +2
2022 Joe Biden 40 % −9 +1

House und Senat: Veränderung der Sitzzahl der Partei des amtierenden Präsidenten.

Die historischen Zustimmungswerte beziehen sich auf die jeweils spätesten verfügbaren Gallup-Werte vor der Wahl. Je nach konkretem Erhebungszeitraum können andere historische Übersichten um wenige Punkte abweichen.

Damit gehört Trump 2026 mit einer Zustimmung von derzeit ungefähr 38,5 Prozent eindeutig zu den schwächsten Präsidenten der Nachkriegszeit vor Midterm Elections. Ein historisches Alleinstellungsmerkmal ist das aber nicht: Harry Truman lag 1946 noch erheblich niedriger, und George W. Bush erreichte 2006 praktisch dieselbe Größenordnung.

Niedrige Präsidentenwerte und die Midterms

Die historische Verbindung zwischen der Popularität eines Präsidenten und dem Abschneiden seiner Partei bei Midterm Elections ist auffällig.

Gallup hat für die Nachkriegszeit wiederholt die Konsequenzen festgestellt. Liegt die Zustimmung zum Präsidenten unter 50 Prozent, verliert dessen Partei im Repräsentantenhaus deutlich mehr Sitze. Betrachten wir die elf Fälle seit 1946 aus der obigen Tabelle, in denen der Präsident unmittelbar vor den Midterms weniger als 50 Prozent Zustimmung hatte, ergibt sich ein einfacher Durchschnitt von rund 35 verlorenen Sitzen..

Das bedeutet nicht, dass eine niedrige Zustimmungsrate automatisch eine bestimmte Zahl verlorener Mandate verursacht. Kandidaten, Wahlkreise, wirtschaftliche Lage, Wahlbeteiligung und die Ausgangsverteilung der Sitze können sich erheblich unterscheiden.

Das Muster ist dennoch bemerkenswert: In allen elf aufgeführten Fällen verlor die Partei des Präsidenten Sitze im Repräsentantenhaus.

Besonders deutlich waren 1946 unter Truman mit 56 verlorenen Sitzen, 1994 unter Clinton mit 54, 2010 unter Obama mit 63 und 2018 während Trumps erster Amtszeit mit 41 verlorenen Sitzen.

2022 zeigte zugleich, warum historische Durchschnittswerte keine Vorhersage sind. Joe Biden ging mit nur rund 40 Prozent Zustimmung in die Wahl, trotzdem verloren die Demokraten lediglich neun Sitze im Repräsentantenhaus und gewannen im Senat sogar einen hinzu.

Wenn das Weiße Haus auch den Kongress kontrolliert

Für die Republikaner kommt 2026 ein weiterer Faktor hinzu: Sie stellen nicht nur den Präsidenten, sondern kontrollieren derzeit auch beide Kammern des Kongresses.

Historisch waren Midterms für eine Präsidentenpartei mit niedrigen Zustimmungswerten häufig besonders folgenreich, wenn sie zuvor gleichzeitig das Weiße Haus sowie House und Senat kontrollierte.

1946 kontrollierten die Demokraten unter Harry Truman beide Kammern. Nach Verlusten von 56 Repräsentantenhaus- und zwölf Senatssitzen verloren sie beide Mehrheiten.

1994 gingen Bill Clintons Demokraten ebenfalls mit Mehrheiten in beiden Kammern in die Wahl. Sie verloren 54 Sitze im Repräsentantenhaus und acht im Senat – und damit beide Mehrheiten.

2006 befanden sich die Republikaner unter George W. Bush in einer vergleichbaren Situation. Bushs Zustimmung lag kurz vor der Wahl bei nur 37 Prozent. Die Republikaner verloren 30 Repräsentantenhaus-Sitze und sechs Senatssitze und damit ebenfalls die Kontrolle über beide Kammern.

2010 verloren die Demokraten unter Barack Obama bei 45 Prozent Zustimmung 63 Repräsentantenhaus-Sitze und damit ihre Mehrheit in dieser Kammer des Kongresses. Die Senatsmehrheit konnten sie trotz sechs verlorener Sitze halten.

2018 wiederum kontrollierten die Republikaner während Trumps erster Amtszeit beide Kammern. Sie verloren 41 Repräsentantenhaus-Sitze und damit die Mehrheit, gewannen im Senat aber gleichzeitig zwei Sitze hinzu.

Und 2022 verloren Bidens Demokraten zwar ihre knappe Repräsentantenhaus-Mehrheit, konnten ihre Stellung im Senat aber sogar leicht verbessern.

Gerade der Vergleich zwischen House und Senat zeigt deshalb eine wichtige Grenze solcher historischen Parallelen.

Das Repräsentantenhaus reagiert meist deutlich stärker auf nationale politische Stimmungen. Dort stehen alle 435 Sitze gleichzeitig zur Wahl. Im Senat wird dagegen nur etwa ein Drittel der Sitze gewählt. Entscheidend ist deshalb zusätzlich, welche Staaten gerade zur Wahl stehen. Ein landesweit unpopulärer Präsident kann seiner Partei im Senat schaden – daraus lässt sich aber wesentlich weniger direkt auf die Zahl der verlorenen Sitze schließen.

Ein historisches Warnsignal mit Einschränkung

Auch beim Repräsentantenhaus darf man die historischen Verluste nicht einfach auf 2026 übertragen.

Ein wesentlicher Unterschied ist die heutige Wahlkreisstruktur. Rund 90 % aller Sitze im Repräsentantenhaus gelten als relativ sicher für Demokraten und Republikaner vergeben. Nur etwa 40-45 Sitze sind mehr oder weniger umkämpft. Und nur auf diese kann sich die politische Stimmung in Bezug auf den amtierenden Präsidenten nennenswert auswirken.

Entscheidend ist, wie stark sich diese Unzufriedenheit in den wenigen Dutzend Wahlkreisen niederschlägt, in denen die Mehrheitsfrage im Repräsentantenhaus tatsächlich entschieden wird.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hi! Vielen Dank wieder für deine kompetenten Einschätzungen und deine Mühe. Ich denke auch, dass die Zustimmungswerte eines Präsidenten sehr wichtig sind. Äußere Umstände aber das natürlich in die eine oder andere Richtung beeinflussen. 2022 war das beispielsweise, trotz Joe Bidens Unbeliebtheit, denke ich die Abtreibungsfrage. Die hat den Demokraten gefühlt manche Sitze gerettet.
Anonym hat gesagt…
Viele Grüße, Rüdiger
Thomas hat gesagt…
Hallo Rüdiger! Ja genau, besondere Themen, wie du es beispielsweise für 2022 anführst können dann bei gezielter Mobilisierung auch nochmal den Unterschied ausmachen oder vorhandene Tendenzen verstärken bzw. hemmen.

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