Senatswahl 2026 in South Carolina: Republikaner in der Defensive
Mit South Carolina stelle ich letztmalig vor den Kongresswahlen ein Einzelrennen für den US-Senat vor. Es ist der letzte Bundesstaat, den ich als offen oder mit lediglich einer leichten Tendenz für eine der beiden Parteien einordne.
South Carolina gehört seit Jahren zu den verlässlich republikanischen Bundesstaaten. Donald Trump gewann den Staat bei der Präsidentschaftswahl 2024 mit 58,2 zu 40,4 Prozent. Noch 2020 setzte sich der republikanische Senator Lindsey Graham mit 54,4 zu 44,2 Prozent gegen seinen demokratischen Herausforderer Jaime Harrison durch.
Wenige Tage vor der Wahl 2026 sieht die Lage jedoch enger aus. In meinem aktuellen Umfragedurchschnitt liegt die Republikanerin Darline Graham nur 3,0 Prozentpunkte vor der Demokratin Annie Andrews.
Für einen Bundesstaat, den Donald Trump erst zwei Jahre zuvor mit fast 18 Punkten Vorsprung gewann, ist das ein ungewöhnlich kleiner Abstand. Ich stufe die Senatswahl in South Carolina deshalb als OFFEN ein, wenngleich ich die Republikanerin hier dennoch als leicht favorisiert betrachte.
Ein außergewöhnlicher Wahlkampf nach Lindsey Grahams Tod
Eigentlich sollte Lindsey Graham 2026 erneut für die Republikaner antreten. Der langjährige Senator hatte die republikanische Nominierung bereits gewonnen, starb jedoch am 11. Juli 2026.
South Carolinas republikanischer Gouverneur Henry McMaster ernannte daraufhin am 13. Juli Lindsey Grahams Schwester Darline Graham zur Senatorin. Einen Tag später wurde sie im Senat vereidigt.
Die Ernennung gilt nur bis zum Beginn des neuen Kongresses im Januar 2027. Über die anschließende sechsjährige Amtszeit entscheiden die Wähler bei der regulären Senatswahl am 3. November.
Da Lindsey Graham zum Zeitpunkt seines Todes bereits republikanischer Kandidat für die Wahl im November war, musste die Partei kurzfristig einen Ersatz bestimmen. In einer Sondervorwahl erreichte Darline Graham gemeinsam mit dem Kongressabgeordneten Ralph Norman die Stichwahl.
Am 25. August setzte sie sich dort mit 52,6 zu 47,4 Prozent durch. Präsident Donald Trump hatte sich deutlich für Graham ausgesprochen und unterstützte sie auch persönlich im Wahlkampf.
Damit entwickelte sich innerhalb weniger Wochen aus einer erwartbaren Wiederwahl Lindsey Grahams ein völlig neues Rennen.
Wie republikanisch ist South Carolina?
Die Ausgangslage bleibt für Demokraten ausgesprochen schwierig.
| Wahl | Ergebnis | Vorsprung |
|---|---|---|
| Senat 1998 | Fritz Hollings (D) 52,7 % – Bob Inglis (R) 45,7 % | D +7,0 |
| Senat 2020 | Lindsey Graham (R) 54,4 % – Jaime Harrison (D) 44,2 % | R +10,2 |
| Präsident 2024 | Donald Trump (R) 58,2 % – Kamala Harris (D) 40,4 % | R +17,8 |
Fritz Hollings war 1998 der letzte Demokrat, der eine Senatswahl in South Carolina gewann. Seither haben die Republikaner keinen Senatssitz des Bundesstaates mehr bei einer regulären Wahl verloren.
Die Kandidatinnen
Darline Graham
Darline Graham ist seit Juli 2026 amtierende US-Senatorin. Vor ihrer Ernennung hatte sie noch nie ein gewähltes politisches Amt inne. Zuvor arbeitete sie unter anderem im Bereich der beruflichen Rehabilitation und leitete seit 2019 die South Carolina Commission for the Blind.
- Profil
- Konservativ und politisch eng an Donald Trump orientiert.
- Wirtschaft
- Niedrigere Steuern, weniger Regulierung und eine dauerhafte Fortführung der unter Trump beschlossenen Steuersenkungen.
- Einwanderung
- Stärkere Grenzsicherung, Fertigstellung der Grenzmauer und eine konsequentere Abschiebung ausländischer Straftäter.
- Gesellschaftspolitik
- Pro-Life-Position, starke Waffenrechte sowie konservative Positionen zu Elternrechten und Frauensport.
- Trump-Nähe
- Sehr hoch. Ihre Kampagne stellt ausdrücklich heraus, dass Trump sie zum Antritt ermutigt habe und sie seine „America First“-Agenda im Senat unterstützen wolle.
Annie Andrews
Annie Andrews ist Kinderärztin und war bereits 2022 Kandidatin für das Repräsentantenhaus. Damals trat sie im 1. Kongresswahlbezirk von South Carolina gegen die Republikanerin Nancy Mace an und erhielt 42,5 Prozent der Stimmen. 2026 gewann sie die demokratische Senatsvorwahl mit 61,5 Prozent deutlich.
- Profil
- Eher pragmatisch-demokratisch und stark auf wirtschaftliche Alltagsthemen ausgerichtet.
- Gesundheitsversorgung
- Schutz und Ausbau von Medicare und Medicaid, niedrigere Medikamentenpreise, Erhalt ländlicher Krankenhäuser und eine staatliche Versicherungsoption zusätzlich zu privaten Versicherungen.
- Lebenshaltungskosten
- Niedrigere Kosten für Wohnen, Energie, Lebensmittel, Kinderbetreuung und Gesundheitsversorgung.
- Einwanderung
- Stärkere Grenzsicherung, zugleich rechtsstaatliche Verfahren und umfassendere Einwanderungsreformen.
- Politische Strategie
- Andrews versucht bewusst, auch unabhängige und moderat republikanische Wähler anzusprechen. Von „Medicare for All“ grenzt sie sich ab und setzt stattdessen auf eine Public Option.
Erfahrung wird zum Wahlkampfthema
Der auffälligste persönliche Unterschied zwischen beiden Kandidatinnen ist ihre politische Erfahrung.
Graham verfügt über langjährige Berufserfahrung im öffentlichen Dienst South Carolinas, hatte vor ihrer Ernennung aber keine Erfahrung in einem gewählten Amt und kaum bundespolitische Praxis.
Andrews ist ebenfalls keine klassische Berufspolitikerin, hat allerdings bereits einen Kongresswahlkampf hinter sich und versucht ihre fast zwei Jahrzehnte als Kinderärztin als praktische Erfahrung außerhalb Washingtons darzustellen.
In der Fernsehdebatte am 11. Oktober griff Andrews insbesondere Grahams außen- und sicherheitspolitische Kenntnisse an. Hintergrund war eine republikanische Vorwahldebatte, in der Graham Schwierigkeiten hatte, eine Frage zur Bedeutung Taiwans und des Südchinesischen Meeres für die nationale Sicherheit der USA zu beantworten.
Graham verteidigte ihre damalige Reaktion später damit, lieber offen einzugestehen, wenn sie eine Antwort nicht kenne, als Wissen vorzutäuschen. Andrews macht daraus dagegen eine grundsätzliche Frage nach der Vorbereitung auf ein Senatsamt, in dem außen- und sicherheitspolitische Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen.
Gerade in South Carolina besitzt diese Diskussion auch eine besondere lokale Bedeutung. Der Bundesstaat ist stark vom US-Militär geprägt: Große Einrichtungen von Army, Air Force, Navy, Marines und Coast Guard befinden sich dort. Fort Jackson bildet rund die Hälfte aller neuen Army-Soldaten aus, während Joint Base Charleston ein wichtiger Standort für den weltweiten militärischen Lufttransport ist. Fragen der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik sind deshalb in South Carolina deutlich näher am Alltag vieler Menschen als in vielen anderen Bundesstaaten.
Die wichtigsten Themen: Preise und Gesundheitsversorgung
Trotz der ungewöhnlichen Kandidatenkonstellation dreht sich der Wahlkampf stark um wirtschaftliche Alltagsthemen.
Andrews versucht ihre medizinische Berufserfahrung direkt mit den finanziellen Sorgen vieler Familien zu verbinden. Sie fordert unter anderem niedrigere Medikamentenpreise, den Schutz von Medicaid und Medicare, eine Public Option und den Erhalt ländlicher Krankenhäuser. Auch die Gesundheitsversorgung von Veteranen spielt in ihrem Programm eine Rolle.
Graham setzt stärker auf Steuersenkungen, geringere Staatsausgaben, weniger Regulierung und eine harte Linie bei der Einwanderung. Gleichzeitig verspricht auch sie den Schutz ländlicher Krankenhäuser, von Medicare und Social Security.
Ein weiteres Thema sind künstliche Intelligenz und der Ausbau großer Rechenzentren. Andrews fordert stärkere Schutzmechanismen für Verbraucher und Gemeinden und warnt insbesondere davor, dass deren hoher Strom- und Wasserbedarf am Ende von privaten Haushalten bezahlt werden könnte.
Graham argumentiert stärker mit wirtschaftlichem Wachstum und dem technologischen Wettbewerb mit China und warnt vor zu starken Einschränkungen einer Zukunftstechnologie. Auch dieses Thema spielte in der Fernsehdebatte eine größere Rolle.
South Carolina mit wenig Wechselwählern
In der jüngsten Folge des Podcasts Still Counting weisen Nate Silver, Clare Malone und Galen Druke darauf hin, dass die hohe Beteiligung beim Early Voting nicht einfach als Hinweis auf das spätere Wahlergebnis zu interpretieren ist. Im Vergleich zu den Midterms 2022 haben die Wählerinnen und Wähler schon jetzt in größerer Anzahl am Early Voting teilgenommen.
Silver beschreibt South Carolina zugleich als politisch vergleichsweise wenig beweglich: Eine große schwarze Wählerschaft stehe vielen sehr konservativen weißen Wählern gegenüber, während klassische Wechselwähler eine kleinere Rolle spielen. Sein zentraler Gedanke sei deshalb, dass Andrews für eine Überraschung wahrscheinlich nicht nur moderate oder unabhängige Wähler gewinnen müsste, sondern zugleich eine außergewöhnlich hohe Beteiligung schwarzer Wähler benötigen würde.
Zugleich gehen aber auch tendenziell die sehr hohen Zustimmungswerte unter Schwarzen für die Demokraten im Vergleich zu früheren Wahlen weiter zurück, wie FiftyPlusOne zuletzt erhoben hatte.
Die Ausgangslage für die Demokraten bleibt in South Carolina schwierig. Aber allein der Umstand, dass die Republikaner hier mehr Zeit und Geld investieren müssen, um diesen Sitz zu halten, ist ein Erfolg die Demokraten. Ob es über diesen theoretischen Vorteil hinausgehen wird, werden wir in wenigen Tagen wissen.
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