Demokratische Kongressabgeordnete in Michigan unterstützt Republikaner
Die Spannungen bei den Demokraten in Michigan sind nicht neu. Schon seit Jahren gelingt es den unterschiedlichen Flügeln der Partei dort nur schwer, bei zentralen politischen Fragen geschlossen aufzutreten. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Außenpolitik und der Haltung zu Israel. Bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2024 wurde der Konflikt sichtbar: Bei der demokratischen Vorwahl stimmten mehr als 100.000 Menschen in Michigan mit „uncommitted“ und protestierten damit insbesondere gegen die Israelpolitik von Präsident Joe Biden. Bei der späteren Präsidentschaftswahl verlor Kamala Harris zudem deutlich an Unterstützung in Teilen der arabisch-amerikanischen Wählerschaft; Donald Trump gewann beispielsweise Dearborn.
Auch in diesem Jahr offenbarte die umkämpfte demokratische Vorwahl um die Nominierung für den Senatssitz tiefe Gräben innerhalb der Partei. Nun, weniger als 48 Stunden vor dem Wahltag, sorgte die Kongressabgeordnete Haley Stevens für den vorläufigen Höhepunkt dieses Konflikts. Am Sonntag verkündete sie ihre Unterstützung für den republikanischen Senatskandidaten Mike Rogers. Stevens hatte im August selbst um die demokratische Nominierung für den offenen Senatssitz gekämpft und war dabei knapp Abdul El-Sayed unterlegen.
![]() |
| Abdul El-Sayed (links) und Haley Stevens (rechts). Fotos: Conlan Houston / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (El-Sayed); U.S. House of Representatives / Wikimedia Commons, Public Domain (Stevens). Zusammenstellung: US-Wahl.de. |
Am Sonntag trat Stevens gemeinsam mit Rogers bei einem Gottesdienst der Perfecting Church in Detroit auf. Wenig später erklärte sie öffentlich, bei der Senatswahl für den Republikaner stimmen zu wollen. Damit vollzieht sie einen bemerkenswerten Bruch mit dem demokratischen Kandidaten, den sie nach der Vorwahl zunächst noch ausdrücklich unterstützt hatte.
Stevens hat bislang allerdings keinen Wechsel zur Republikanischen Partei angekündigt. Im Gegenteil bezeichnet sie sich weiterhin ausdrücklich als Demokratin. Der Vorsitzende der Michigan Democratic Party, Curtis Hertel erklärte nach ihrer Unterstützung für Rogers allerdings, Stevens sei kein aktuelles Mitglied der Staatspartei mehr und werde dies auch künftig nicht sein.
Wie groß können die Auswirkungen sein?
Besondere Bedeutung erhält die Entscheidung durch das äußerst knappe Ergebnis der demokratischen Vorwahl. El-Sayed gewann die Nominierung im August mit 48,45 Prozent, Stevens kam auf 47,55 Prozent. Nach den inzwischen zertifizierten Ergebnissen erhielt El-Sayed 744.952 Stimmen, Stevens 731.160 Stimmen.
Damit hatte sich nahezu die Hälfte der demokratischen Vorwahlwähler für Stevens und gegen El-Sayed als Kandidaten entschieden. Daraus lässt sich allerdings keineswegs ableiten, dass diese Wähler nun auch Stevens’ Empfehlung folgen. Vorwahlwähler sind in der Regel politisch stärker gebunden als die gesamte Wählerschaft, und viele Stevens-Anhänger dürften trotz ihrer damaligen Präferenz bei der Hauptwahl den demokratischen Kandidaten unterstützen.
Die Größenordnung macht die Entwicklung dennoch bemerkenswert. Schon wenn nur ein sehr kleiner Teil der damaligen Stevens-Wähler seine Entscheidung für die Hauptwahl aufgrund ihrer Empfehlung ändern sollte, könnte es sich um mehrere Tausend Stimmen handeln. Rein zur Veranschaulichung: Wenn nur drei Prozent der rund 731.000 damaligen Stevens-Wähler – also etwa 21.900 Menschen – nun Rogers wählten oder der Wahl fernblieben, wäre dies eine Größenordnung, die bei sehr knappen Wahlen eine Rolle spielen kann.
Dafür reicht ein Blick nur zwei Jahre zurück. Mike Rogers verlor die Senatswahl 2024 gegen Elissa Slotkin mit lediglich 19.006 Stimmen. Slotkin erhielt 48,6 Prozent, Rogers 48,3 Prozent. Dies zeigt, dass bereits vergleichsweise kleine Verschiebungen innerhalb einzelner Wählergruppen bei einem knappen landesweiten Ergebnis entscheidend sein können.
Gleichzeitig ist die zeitliche Wirkung von Stevens’ Entscheidung begrenzt. Mehr als 1,8 Millionen Menschen in Michigan hatten bereits bis Freitag vorzeitig gewählt. Ein erheblicher Teil der Wählerschaft hatte seine Entscheidung damit bereits getroffen, bevor Stevens ihre Unterstützung für Rogers öffentlich machte.
Zudem muss auch berücksichtigt werden, dass sich keinerlei neue inhaltliche Positionen offenbart haben. Stevens hat schließlich nichts enthüllt, was nicht schon längst Teil der politischen Debatte in Michigan wäre.
Streit innerhalb der Demokratischen Partei eskalierte seit Tagen
Der Schritt folgt auf mehrere Tage zunehmender Spannungen zwischen Stevens und El-Sayed. Ein zentraler Konfliktpunkt war erneut der Umgang mit Israel. Stevens hatte El-Sayed aufgefordert, sich deutlicher von einer Werbeanzeige einer externen Gruppe zu distanzieren, in der amerikanische Militärhilfe für Israel mit hohen Lebenshaltungskosten in Verbindung gebracht wurde.
El-Sayed erklärte, die Anzeige stamme nicht von seiner Kampagne, und widersprach ihrem Inhalt. Gleichzeitig warf er Stevens vor, Auseinandersetzungen aus der bereits im August entschiedenen Vorwahl erneut aufzunehmen.
Die Entwicklung verlief dabei innerhalb weniger Tage ausgesprochen schnell. Noch am Mittwoch hatte Stevens nach der öffentlichen Unterstützung ihres Verlobten Jason Turkish für Rogers erklärt, sie selbst wolle weiterhin El-Sayed wählen. Gleichzeitig forderte sie den demokratischen Kandidaten auf, stärker auf jene Wählergruppen zuzugehen, die sie während der Vorwahl unterstützt hatten. Dazu zählte sie insbesondere jüdische und schwarze Wähler.
Ursprünglich war für Sonntag noch ein gemeinsamer Auftritt von Stevens, El-Sayed und dem demokratischen Kongressabgeordneten Jim Clyburn in Detroit geplant. Ziel war es gerade, wenige Tage vor der Wahl wieder Geschlossenheit zu demonstrieren. Dieser gemeinsame Auftritt kam jedoch nicht mehr zustande. Nach weiteren öffentlichen Auseinandersetzungen bat El-Sayeds Kampagne Stevens darum, der Veranstaltung fernzubleiben. Nach Angaben der demokratischen Abgeordneten Debbie Dingell waren die Spannungen inzwischen zu einer zu großen Ablenkung für den Wahlkampf geworden.
Nur kurze Zeit später erschien Stevens stattdessen gemeinsam mit Rogers in der Perfecting Church in Detroit. Dort saß sie gemeinsam mit ihrem Verlobten neben Rogers und dessen Ehefrau. Wenig später machte Stevens ihre Unterstützung für den Republikaner öffentlich.
Bereits zuvor hatte ihr Verlobter Jason Turkish angekündigt, Rogers wählen zu wollen. Er begründete dies insbesondere mit El-Sayeds Haltung zu Israel und mit Sorgen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Michigans. Stevens selbst hatte zu diesem Zeitpunkt noch ausdrücklich erklärt, weiterhin El-Sayed unterstützen zu wollen.
Deutliche Reaktionen bei den Demokraten
Die Unterstützung für Rogers löste innerhalb der Demokratischen Partei scharfe Reaktionen aus. Unter anderem Senatsführer Chuck Schumer und führende Demokraten aus Michigan stellten sich erneut hinter El-Sayed. Auch der demokratische Senator Gary Peters, dessen frei werdender Sitz neu besetzt wird, sowie Senatorin Elissa Slotkin kritisierten Stevens’ Entscheidung.
Besonders unmittelbar waren die Konsequenzen innerhalb ihres eigenen Teams. Stevens’ langjähriger Stabschef Justin German trat nach ihrer Entscheidung zurück. Auch weitere Mitarbeiter kündigten ihren Rückzug an und erklärten ihre Unterstützung für El-Sayed.
Michigan bleibt eines der zentralen Senatsrennen
Im Kampf um die neue Senatsmehrheit ist jeder Sitz im Senat faktisch gleich viel wert. Dennoch spielt Michigan in den Plänen der Wahlstrategen der Demokraten eine zentrale Rolle. Von den eng umkämpften Senatsrennen gehört Michigan zu den aussichtsreichsten für die Demokraten. Im Umfragenschnitt liegen sie knapp 4 % vorne. Berücksichtigt man die Fehlertoleranz und nun die neue Diskussion um die parteiinternen Konflikte, dürften die Republikaner mindestens nochmal einen Motivationsschub erhalten. Geht der Sitz an Rogers, wäre dies ein absoluter Big Point für die Republikaner.

Kommentare