Letzter Ausblick auf die Midterms 2026 in den USA

In elf Stunden öffnen in den USA die ersten Wahllokale. In Vermont darf bereits ab 05:00 Uhr morgens Ortszeit vom Stimmrecht Gebrauch gemacht werden. Höchste Zeit also für meine letzte Prognose und Einschätzung vor den Midterm Elections 2026.

Zunächst ist aber ein Blick auf die bereits abgegebenen Stimmen bemerkenswert: Mehr als 56 Millionen US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner haben schon vor dem eigentlichen Wahltag ihre Stimme abgegeben – so viele wie noch nie zuvor bei Midterm Elections. Gut 26 Millionen Stimmen wurden per Briefwahl abgegeben, mehr als 28 Millionen bei der vorzeitigen persönlichen Stimmabgabe. Aus diesen Zahlen lässt sich natürlich noch nicht ableiten, wie gewählt wurde. Sie zeigen aber, wie groß das Interesse an diesen Kongresswahlen ist.

Meine letzte Prognose für das Repräsentantenhaus

Im Repräsentantenhaus ist meine Einschätzung inzwischen nicht mehr offen. Meine finale US-Wahl.de-Gesamteinstufung sieht 223 Sitze bei den Demokraten, 198 bei den Republikanern und 14 völlig offene Rennen. Für eine Mehrheit werden 218 Sitze benötigt. Die Unsicherheit des Wahlausgangs ergibt sich aber eben nicht nur aus den 14 offenen Sitzen, sondern auch aus 23 mit Tendenz Demokraten und 17 mit Tendenz Republikanern eingestuften Sitzen. Werden die Fehlermargen der Umfrageinstitute maximal und durchgehend einseitig ausgereizt oder liegen sie gar falsch, können diese rund 40 Sitze natürlich auch wieder ein anderes Ergebnis als erwartet hervorbringen.

Gehen wir aber davon aus, dass sie zumindest zu 90-95 % Treffsicherheit haben, wird der Weg für die Republikaner sehr schwer. Folgende Schritte müssten sie dann schaffen:

  1. Sie müssen zunächst alle 198 Sitze, die als sicher oder mit einer Tendenz zu ihnen eingestuft werden, tatsächlich auch gewinnen.
  2. Sie müssen alle 14 offenen Sitze, die sie aktuell halten, auch gewinnen.
  3. Sie müssen die 3 offenen Sitze, die die Demokraten aktuell halten, erobern.
  4. Sie müssen mindestens 5 weitere Sitze, die aktuell als Tendenz oder sicher für die Demokraten eingestuft werden, ebenfalls gewinnen.
Das alles ist möglich, in Summe aber doch recht unwahrscheinlich. Jedes Abweichen bei den ersten drei Schritten, erhöht die erforderliche Anzahl der in Schritt 4 nötigen Siege.

Damit rechne ich mit einem Machtwechsel im Repräsentantenhaus und einer neuen demokratischen Mehrheit. Aber auch an dieser Stelle muss ich hinzufügen, dass Tendenz-Sitze eben keine sicheren Sitze sind. Ein Sieg der Republikaner ist also weiterhin nicht ausgeschlossen, aber soweit Prognosen und Einschätzungen es möglich machen, eher unwahrscheinlich.

Meine finale Einschätzung für den Senat

Im Senat ist die Ausgangslage wesentlich offener. Unter den besonders umkämpften Rennen gibt es weiterhin zahlreiche Bundestaaten, in denen ich keinen hinreichend klaren Vorteil für eine Seite sehe. Insgesamt sehe ich hier aber die leicht besseren Chancen ebenfalls bei den Demokraten, die Mehrheit zu gewinnen.

Aktuell würde ich inkl. der nicht neu zu wählenden Sitze, 47 bei den Demokraten und 44 bei den Republikanern verorten. Neben den als sicher eingestuften Sitzen, sehe ich eine Tendenz für die Republikaner in Florida und für die Demokraten in Georgia, New Hamsphire und Minnesota.

Bleiben dann noch neun Senatssitze, die die Entscheidung bringen werden, vier davon müssten die Demokraten gewinnen, um eine Mehrheit von 51 Sitzen zu erreichen. Sechs der neun Sitze benötigen die Republikaner, da ihnen 50 Sitze reichen. Bis 2028 würde Vizepräsident Vance im Falle eines Patts die entscheidende Stimme haben.

Die neun voraussichtlich entscheidenden Bundesstaaten sind: Maine, Iowa, Texas, Michigan, Ohio, Alaska, Nebraska, Kansas und South Carolina.

Wie seht ihr die entscheidenden Senatsrennen? Welche Staaten gehen aus eurer Sicht an die Demokraten, welche an die Republikaner? Schreibt eure Einschätzung gerne in die Kommentare.

Die vollständigen Einstufungen aller relevanten Rennen findet ihr hier:

→ Prognose zum Repräsentantenhaus 2026

→ Prognose zum US-Senat 2026

US-Wahl.de im Wahlnacht-Modus

Morgen gegen Mittag stelle ich US-Wahl.de auf die Wahlnacht-Ansicht um, die stets den kompletten aktuellen Gesamtstand für Senat und Repräsentantenhaus anzeigen wird. Um den Blick nicht unnötig auf alle rund 500 Einzelrennen zu richten, habe ich eine Auswahl an einzelnen Senats- und Congeressional District Wahlen und erstmalig seit 2016 auch einigen Gouverneursrennen getroffen. Dies wird insgesamt etwa 40-50 Einzelrennen umfassen, die meiner Einschätzung nach, die Entscheidung über den Gesamtsieg bei den Kongresswahlen liefern werden. Zu diesen Einzelrennen werde ich dann fortlaufend, die vorliegenden Liveauszählungsergebnisse der Wahlleitungen der Bundesstaaten und Counties sowie der großen TV-Sender beziehen und in die Übersicht einpflegen Alle Prognosen, Umfragen und weiteren Infoseiten findet ihr dann weiterhin über die Navigation. 

Der eigentliche Liveblog startet gegen 22:00 Uhr. Dort gibt es die ganze Nacht hindurch alle wichtigen Informationen, Entwicklungen und Zwischenergebnisse aus den entscheidenden Rennen um Senat, Repräsentantenhaus und Gouverneursposten.

Mit den ersten Ergebnissen ist etwa ab Mitternacht bzw. 01:00 Uhr deutscher Zeit zu rechnen. Danach folgen die Ergebnisse nach und nach aus dem ganzen Land – die Berichterstattung läuft durch die gesamte Nacht und, wenn erforderlich, natürlich auch darüber hinaus.

Und nach den Midterms?

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Zunächst folgen in den nächsten Wochen einige Nachbetrachtungen und Analysen: Was bedeuten die Ergebnisse für die kommenden zwei Jahre? Wie verändern sich die Mehrheitsverhältnisse in Washington? Welche Auswirkungen haben die Ergebnisse im Detail auch auf die Ausrichtungen der beiden Parteien im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2028.

Ich gehe dann nach und nach bereits über zu den Vorwahlen 2028, die dann zunächst ab 2027 bis Sommer 2028 im Mittelpunkt von US-Wahl.de stehen werden. Zum ersten Mal seit 2016 werden wieder beide großen Parteien ihre Präsidentschaftskandidaten in völlig ergebnisoffenen Vorwahlrennen ab 1. Quartal 2028 bestimmen.

Es dürfte also auch nach dieser Wahlnacht spannend bleiben.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hi, wird sicher spannend. Was mich interessiert, nach der Wahl, ob sich hier ggf. neue Präsidentschaftskandidaten (insbesondere bei den Dems) herauskristallisiert haben, vielleicht auch aufgrund des überragenden überraschenden Abschneidens.

Danke für Deine tolle Arbeit an der Stelle !

LG Eddi
Wolfgang Weiss hat gesagt…
Ich schliesse mich Eddi an 😊👍
Thomas hat gesagt…
Hallo Eddi und Wolfgang. Vielen Dank euch beiden! Ja die Ergebnisse werden sicher Auswirkungen auf die Kandidatenauswahl haben. Während sich bei den Republikanern ja viel in Richtung Rubio und Vance bewegt, ist bei den Demokraten noch deutlich mehr offen. Dies gilt insbesondere, weil sie ja sowohl sehr links progressive wie auch eher moderat konservative Kandidaten aussichtsreich im Rennen haben. Unabhängig vom Gesamtausgang wird es natürlich interessant sein zu sehen, ob ein "Lager" mehr oder deutlichere Erfolge erzielen konnte.

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